LH Dörfler: Akuter Handlungsbedarf im österreichischen Bildungssystem

Kärntner Regierungskollegium verabschiedete Resolution für Flexibilisierung des Lehrerdienstrechtes im Hinblick auf Einführung einer ganztägigen Schule

Klagenfurt (OTS/LPD) - Im Rahmen der Sitzung der Kärntner Landesregierung heute, Dienstag, wurde eine Resolution an die Bundesregierung und das Unterrichtsministerium mehrheitlich verabschiedet, nach der die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Flexibilisierung des Lehrerdienstrechtes im Hinblick auf eine ganztägige Schulform zu schaffen sind. Das gaben Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Bildungsreferent LHStv. Uwe Scheuch nach der Sitzung bekannt.

"Die gesellschaftlichen Veränderungen erfordern die Ganztagesschule und neue Formen der Sommerbetreuung", stellte der Landeshauptmann unmissverständlich klar. Die Zeit der Extrawürste müsse nun vorbei sein, die Schule als Bildungs- und Dienstleister habe die Wünsche der Schüler und Eltern zu verwirklichen und die Lehrergewerkschaft habe ihren goldenen Tempel zu verlassen. "Die 107 freien Tage für Lehrer versteht keiner mehr, und sie können auch anderen Berufsgruppen, die im Jahr 30 Tage Urlaub haben, nicht mehr erklärt werden", so Dörfler. Er wolle keine Neiddiskussion führen, da nicht die Lehrer an der gegenwärtigen Situation schuld seien, sondern der Gesetzgeber. "Wir machen kein Lehrerbashing."

Geht es nach dem Landeshauptmann, soll der Schulbetrieb künftig von 8.30 bis 16/17 Uhr stattfinden und in den Schulen "das Abenteuer des Wissens" verstärkt in den Mittelpunkt gestellt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, seien adäquate Arbeitsplätze für die Pädagogen und dementsprechende Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. "Die Schule mit langen Gängen und Klassen ist Vergangenheit, für die Umbauten sind nun gemeinsame Anstrengungen notwendig", bekräftigte Dörfler.

"Eine Neuregelung der Arbeitszeiten von Lehrern ist überfällig", betonte Bildungsreferent Scheuch. Für ihn ist es ebenso klar, dass man räumlich und organisatorisch angemessene Rahmenbedingungen für Pädagogen schaffen müsse. "Lehrer haben das Recht auf genau dieselben Arbeitsbedingungen wie alle anderen Angestellten", erklärte Scheuch. Lehrer sollten ihre Unterrichtsvorbereitung außerdem in der Schule machen, denn so könne man zum Beispiel in den Ferien eine bessere Betreuung für Schüler gewährleisten und damit die Eltern entlasten, betonte er.

Die Resolution im Wortlaut:

Die aktuellen Diskussionen im Bildungsbereich hinsichtlich der Lehrerarbeitszeiten an den Schulen zeigen eindeutig, dass im österreichischen Bildungssystem akuter Handlungsbedarf gegeben ist. Eine Adaptierung und Modernisierung der Rahmenbedingungen ist daher unerlässlich. Die Schule als ganztägige Bildungs- und Betreuungseinrichtung zu etablieren ist jedoch nur umsetzbar, wenn die Anwesenheit von LehrerInnen am Nachmittag in der Schule auch dienstrechtlich möglich ist und nicht auf Freiwilligkeit angewiesen ist.

Daher sollte im Rahmen der derzeit laufenden Gespräche zum Lehrerdienstrecht neu auf Bundesebene jedenfalls eine längere Anwesenheit der PädagogInnen in der Schule Verhandlungsgegenstand sein. LehrerInnen erbringen im Rahmen der sog. Vor- und Nachbereitungszeit rd. die Hälfte ihrer Arbeitszeit außerhalb der Schule. Somit stellt dies im Vergleich zu den meisten anderen Berufsgruppen, die ihre volle Arbeitsleistung am Arbeitsplatz erbringen, ein Privileg und eine Ausnahme dar.

Im Sinne einer bestmöglichen pädagogischen Unterstützung der Kinder einerseits sowie zur Schaffung einer Schule der Zukunft, die mehr sein sollte als nur eine Vormittagsinstitution, erscheint es daher sinnvoller, die Anwesenheit der Lehrer in der Schule zu erhöhen.Anzudenken und zu prüfen wäre auch eine bessere Erfassbarkeit der Lehrerarbeitszeiten. Dazu könnten - wie in anderen Berufsgruppen - elektronische Zeitverwaltung als Hilfsmittel eingesetzt werden.

Ein weiteres Problem - insbesondere für Eltern und Familie -stellt der lange schulfreie Zeitraum in den Sommerferien dar. Immer wieder stehen Eltern vor dem Problem, in dieser Zeit entsprechende Betreuungsmöglichkeiten vor allem für Schulkinder zu finden. Einhergehend mit einer Anhebung der Einstiegsgehälter für JunglehrerInnen sollte im Zuge einer Dienstrechtsreform daher auch der zeitweise Einsatz von LehrerInnen in den Sommerferien diskutiert werden. Dadurch könnten die SchülerInnen besser auf die Schule vorbereitet und vor allem das Betreuungsproblem vieler Eltern gelöst werden.

Ebenso muss die Schaffung adäquater Arbeitsplätze für die PädagogInnen Teil von Modernisierungsbestrebungen sein. Den LehrerInnen soll und muss es möglich sein, ihre Arbeitsleistung an geeigneten Arbeitsplätzen in der Schule zu erbringen. In Kärnten werden diesbezügliche Akzente bereits seit einigen Jahren umgesetzt und werden insbesondere beim Ausbau von Bildungszentren auch Arbeits-und Aufenthaltsräume für die PädagogInnen berücksichtigt.

Es wird daher der A N T R A G gestellt, die Kärntner Landesregierung wolle beschließen:

"Das Kollegium der Kärntner Landesregierung fordert die Bundesregierung und im speziellen die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur auf, notwendige gesetzliche Rahmenbedingungen für eine Flexibilisierung des Lehrerdienstrechtes im Hinblick auf eine ganztägige Bildungs- und Betreuungseinrichtung zu schaffen. Insbesondere soll bei den anstehenden Reformen im Bildungsbereich auf die Bedürfnisse der SchülerInnen und auf adäquate und moderne Arbeitsplatzbedingungen für die PädagogInnen Bedacht genommen werden."
(Schluss)

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