Bundeskanzler Faymann: "Frieden ist nicht selbstverständlich"

Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges

Wien (OTS) - "Der 8. Mai 1945 markiert den Neubeginn in Europa auf der Grundlage eines gemeinsamen Bekenntnisses, nie wieder solche Grausamkeiten zuzulassen", sagte Bundeskanzler Werner Faymann heute, Dienstag, bei der Eröffnungsrede zur Veranstaltung "Umbruch -Aufbruch - Europa" im Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges im Bundeskanzleramt. Unter den zahlreichen Gästen waren auch Bundespräsident Heinz Fischer und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Vizekanzler Michael Spindelegger sowie Mitglieder der Bundesregierung vertreten.

"Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa nach der davor erfolgten Kapitulation des Naziregimes ist für diesen Kontinent ein Ausgangspunkt für eine neue Epoche gewesen. Es war die Kriegsgeneration, die damals inmitten der Ruinen stehend ein Friedensprojekt begann, das auch heute noch nicht abgeschlossen ist", so der Kanzler. Im Rückblick auf die österreichische Vergangenheit müssten die Dinge beim Namen genannt werden. "Wir müssen klar aussprechen, was zur Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und zum Menschheitsverbrechen des Holocaust führte: Wirtschaftliche Katastrophenjahre, soziale Not und verantwortungslose Politik auf dem Rücken der Schwächsten zum einen, Hetze, Rassenwahn und eine von vielen unserer Landsleute miterrichtete Tötungsmaschine zum anderen. Wer über unsere Geschichte spricht, kann sich daher an Begriffen wie Schuld und Mitschuld nicht vorbeischwindeln." Genauso wenig dürfe man die vielen Frauen und Männer vergessen, die mutig Widerstand geleistet und dafür ihr Leben riskiert haben.

"Wir müssen die Erinnerung an den Beginn eines gemeinsamen europäischen Weges umso mehr hochhalten, als viele Zeugen der Kriegs-und Nachkriegsjahre nicht mehr unter uns sind. Die Weltkriegszeugen, die überleben konnten, wissen, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. Ohne Wenn und Aber müssen wir thematisieren, welche Schrecken damals verbreitet wurden. Vergessen wir daher nicht die über 6 Millionen Opfer der Shoah, darunter 1,5 Millionen Kinder. Und denken wir an die rund 80 Millionen Menschen, die im Zweiten Weltkrieg und als Opfer der NS-Vernichtungspolitik ums Leben gekommen sind", sagte Bundeskanzler Faymann.

Europa habe aus der Tragödie des Zweiten Weltkrieges gelernt und in 67 Jahren seit 1945 gezeigt, dass es ein erfolgreiches Gegenmodell zu den Katastrophen der Geschichte sein könne: "Wer Frieden und Freiheit in Europa erhalten will, wer Wohlstand und soziale Stabilität erhalten will, der muss Grenzen überwinden. Solidarität und Gemeinsamkeit sind die Baustoffe dafür", sagte Bundeskanzler Faymann. Die europäische Integration könne nicht abgeschafft werden, ohne diesen Frieden zu gefährden. "Nicht weniger Europa heißt die Lösung, sondern mehr europäische Zusammenarbeit im Kampf gegen Arbeitslosigkeit, im Streben nach Wohlstand und sozialer Sicherheit und besseren Chancen für alle Jungen auf diesem Kontinent", so der Kanzler.

Auch Professor Paul Lendvai unterstrich in seiner Festrede "Europas Ende und Europas Aufbruch" die Wichtigkeit der Europäischen Gemeinschaft. Er unternahm einen historischen Brückenschlag vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu den heutigen Herausforderungen, mit denen sich die Europäische Union konfrontiert sieht. Als ein Beispiel der jüngeren Erfolgsgeschichte verwies er auf den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts der EU nach der Aufnahme neuer Mitglieder, die nach der Diktatur des NS-Regimes auch noch unter der sowjetischen Herrschaft leiden mussten. "Es gibt keine Alternative zur Europäisierung", betonte der Professor.

Der Bundeskanzler hob hervor, dass besonders die jüngeren Generationen sich der österreichischen und europäischen Vergangenheit bewusst zu sein hätten: "Die Jungen müssen wissen, warum dieses Projekt eines gemeinsamen Hauses Europa entstanden ist. Und sie müssen Zugang zur Erinnerung an die Jahre vor 1945 haben." Aus diesem Grund seien auch Einrichtungen wie der Gedenkdienst nach den Grundsätzen "Niemals vergessen" und "Wehret den Anfängen" von großer Wichtigkeit. "Alles das, worum wir in Europa ringen - wirtschaftliche Stärke, soziale Sicherheit, ein Miteinander der Generationen - gibt es nur in einem friedlichen Europa. Ohne Frieden keine Demokratie und ohne Demokratie kein Wohlstand und keine Chancengerechtigkeit", so Bundeskanzler Faymann zum Abschluss einer Rede.

Bilder zu dieser Veranstaltung sind über das Fotoservice des Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at, kostenfrei abrufbar.

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