Bundespräsident würdigt Bedeutung des "Mariazeller Manifestes"

Fischer zu dem vor 60 Jahren im Vorfeld des Katholikentages 1952 veröffentlichten Text: "Manifest" war "Schritt in die richtige Richtung", er hat Kirche genützt und nicht geschadet" - Heutiges Kirche-Staat-Verhältnis ist "konstruktiv, vertrauensvoll und sinnvoll geregelt"

Wien, 08.05.12 (KAP) Bundespräsident Heinz Fischer hat die Bedeutung des vor 60 Jahren veröffentlichten "Mariazeller Manifestes" für das Verhältnis von katholischer Kirche und Staat in Österreich gewürdigt. Die mit dem im Vorfeld des Katholikentages vom September 1952 veröffentliche Text stelle eine "deutliche Abwendung vom politischen Katholizismus in Richtung einer freien Kirche in einer freien Gesellschaft" dar. "Diese neue Orientierung der Kirche hat sich meines Erachtens bewährt und ist auch vom Staat bzw. wichtigen Kräften in unserer Gesellschaft positiv beantwortet worden", so Fischer in einer Stellungnahme gegenüber "Kathpress".

Der Bundespräsident stellte das Manifest in den Kontext "einer tragischen Entwicklung" der Ersten Republik in Österreich. Daraus habe man in der Zweiten Republik Lehren gezogen und in vielen Punkten Veränderungen und Verbesserungen in Angriff genommen. Dies gilt laut Fischer auch für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat - abzulesen am "Mariazeller Manifest" und der darin verankerten parteipolitischen Zurückhaltung der katholischen Kirche.

Er wisse freilich, dass die Kirche nicht von einer "Äquidistanz" zu den Parteien spreche, sondern von einer "Unvoreingenommenheit" ihnen gegenüber. Dabei würden Nähe oder Distanz im Wesentlichen von den Positionierungen der politischen Parteien abhängen. "In der Praxis bedeutet dies aber, dass die Kirche auf parteipolitische Stellungnahmen, auf Eingriffe in Wahlkämpfe etc. weitgehend verzichtet, sodass es dem Gewissen der einzelnen Kirchenmitglieder überlassen bleibt, wie sie sich politisch orientieren", so Fischer.

Das derzeitige Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Österreich beurteilte der Bundespräsident als "konstruktiv, vertrauensvoll und sinnvoll geregelt". Der Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche werde ergänzt durch Themen und Bereiche der Zusammenarbeit, "und das wird auch von der Bevölkerung in Summe positiv beurteilt".

Die Frage, ob die parteipolitische Zurückhaltung der katholischen Kirche womöglich auch zu einem Verlust an gesellschaftspolitischer Relevanz geführt habe, verneinte Fischer. "Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass der frühere politische Katholizismus nichts zur gesellschaftlichen Entwicklung und Öffnung der Zweiten Republik beigetragen hätte und dass viele Menschen der Kirche verloren gegangen wären, hätte sie nicht im 'Mariazeller Manifest' eingeleitete Öffnung in Angriff genommen." Dieses Dokument sei "ein Schritt in die richtige Richtung" gewesen, er habe "der Kirche genützt und nicht geschadet".

Mehr auf www.kathpress.at (ende) rme/pwu/

nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0001