"Bremsklotz für die bessere Schule" von Liane Pircher, Tiroler Tageszeitung am 6. Mai 2012

Erste Inhalte zum neuen Lehrerdienstrecht sind durchgesickert. Obwohl keiner reden hätte dürfen. Sind wir im Kindergarten?

Innsbruck (OTS) - Der Unmut ist groß. Auf beiden Seiten. Weil Stillschweigen vereinbart war. Wer geschwätzt hat, ist unklar, aber am Samstag wurden Details aus dem 26-seitigen Entwurf für ein neues Lehrerdienstrecht an die Öffentlichkeit gebracht. So kam etwa heraus, dass neue Lehrer künftig unabhängig vom Schultyp 2400 Euro brutto bekommen sollen. Dafür müssen sie mehr Zeit an der Schule verbringen. Die Lehrervertretung betonte schnell, dass sie ausschließen könne, dass sie Informationen weitergegeben habe. Und das Unterrichtsministerium schweigt mit dem Hinweis auf das eigentlich vereinbarte Stillschweigen. Die Gewerkschaft verlangt Aufklärung und will nächste Woche über die künftige Informationsstrategie in Sachen Lehrerdienstrecht entscheiden. Äh, worum geht es jetzt? Um Kommunikationsprobleme zwischen Verhandlungspartnern oder um Reformen?
Angesichts einer überfälligen, notwendigen und mehrmals aufgeschobenen Einigung auf substanzielle Reformen ist diese Debatte eine Provokation. Eine, die wieder einmal zeigt, wie dilettantisch an das Unternehmen Schule in Österreich herangegangen wird. Alle wissen, dass es Neues braucht, damit Lehrer ihrem aktuellen Tätigkeitsfeld -dazu zählt neben dem Unterrichten längst auch Erziehen, sich um Verhaltensauffällige kümmern und mit Familien arbeiten - gerecht werden können. Bis heute gab es noch nie ein vernünftiges Signal, das Hoffnung auf ein modernes, gutes Arbeits- und Berufsfeld machen würde. Bestünde die Chance auf mehr Autonomie für Schulen und eine Verbesserung der Arbeitssituation des einzelnen Lehrers, gäbe es mehr Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen. Vielleicht könnte man dann auch über die Ferien reden. Für all das müsste man aber nachdenken. Nicht nur tratschen.

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