ORF-III-Gedenktag-Schwerpunkt mit den "Porzellangassenbuben" und einer verspäteten Erinnerung an die Opfer von Maly Trostinec

Am 5. und 6. Mai im Kultur- und Informations-Spartenkanal des ORF

Wien (OTS) - ORF III Kultur und Information erinnert am Samstag,
dem 5. Mai 2012, anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen vor genau 67 Jahren mit zwei eigenproduzierten "zeit.geschichte"-Dokumentationen an die Folgen des Holocaust: "Die Porzellangassenbuben" erzählt von zwei außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die den Holocaust und die Vertreibung aus Österreich überlebten und erst im hohen Alter eine Gemeinsamkeit in ihren Biografien entdeckten: Eric Pleskow, vielfach Oscar-gekrönter Filmproduzent, und Ari Rath, eine der journalistischen Leitfiguren des 20. Jahrhunderts. "Maly Trostinec. Eine verspätete Erinnerung" berichtet von jenem bislang vergessenen Ort, an dem 10.000 Österreicher von den Nationalsozialisten erschossen oder vergast wurden.

Am Sonntag, dem 6. Mai, nimmt ORF III Kultur und Information Wieland Wagner, den früh verstorbenen Enkel des Komponisten Richard Wagner, in den Fokus, bevor Startenor Heinz Zednik im dritten Teil von Patrice Chéreaus und Pierre Boulez' "Jahrhundert-Ring" in Bayreuth für Begeisterung sorgt.

Samstag, 5. Mai

Unser Österreich: "Land der Berge: Der Himalaya-Peter" (19.25 Uhr)

Am 6. Mai vor 110 Jahren erblickte der weltberühmte Kufsteiner Alpinist Peter Aschenbrenner das Licht der Welt. Der Bergsport-Pionier wagte sich bereits vor dem Krieg auf den Nanga Parbat, scheiterte allerdings an dessen Gipfel. Im Jahr 1953 konnte er für eine weitere Expedition zum "König der Berge" gewonnen werden. Unter seiner bergsteigerischen Leitung gelang seinem Tiroler Landsmann Hermann Buhl die Erstbesteigung des Gipfels. Aber nicht nur seine Himalaya-Expeditionen brachten Aschenbrenner internationale Bekanntheit: Der Bergführer und Hüttenwirt konnte etwa 2.400 Gipfelbesteigungen, darunter 400 Dreitausender und 68 Viertausender, verzeichnen. Am 25. Jänner 1998 verstarb er im 96. Lebensjahr. ORF III erinnert in der "Land der Berge"-Dokumentation "Der Himalaya-Peter" an dessen langes Leben und Wirken und zeigt Zeitgenossen im Interview.

ORF III erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus

200.000 inhaftierte Männer, Frauen und Kinder aus mehr als 30 verschiedenen Nationen wurden ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Etwa die Hälfte wurde ermordet oder kam aufgrund unmenschlicher Zwangsarbeit ums Leben. Am 5. Mai 1945 wurde das Lager von US-amerikanischen Truppen befreit. In Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus gilt der Tag der Befreiung seit dem Jahr 1998 in Österreich als nationaler Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus. ORF III Kultur und Information widmet diesem Jahrestag einen umfassenden Programmschwerpunkt.

zeit.geschichte: "Die Porzellangassenbuben" (20.15 Uhr)

Eric Pleskow, der legendäre Hollywood-Produzent und vielfache Oscar-Gewinner, trifft in Wien auf Ari Rath, den ehemaligen Herausgeber der "Jerusalem Post" und Publizisten von Weltrang. Eine Begegnung zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten, die erst im hohen Alter entdecken, dass ihre Biografien einen gemeinsamen Schnittpunkt haben: die Porzellangasse im 9. Wiener Gemeindebezirk. Beide sind in derselben Straße geboren, beide mussten im Jahr 1938 vor den Nazis flüchten. ORF III begleitet "Die Porzellangassenbuben" bei einem ihrer Treffen in Wien. Ein berührendes Gespräch, das zu einer gemeinsamen Reise in die Welt des jeweils anderen wird. Wenn Ari Rath und Eric Pleskow miteinander reden, sich zuhören, nachfragen und lachen, wenn sie sich empören, echauffieren und politisieren, kommen wertvolle Einblicke in das Leben und Wirken zweier ungewöhnlicher Männer ans Tageslicht, die bei allem Aberwitz ihrer Geschichte weder Humor noch Zuversicht verloren haben. Ein Film von Lukas Sturm über historische Momente zwischen Hollywood und Tempelberg, Schwarzenegger, Israel und Wiener Schnitzel sowie das Leben zwischen Emigration und Wiederkehr.

zeit.geschichte: "Deportiert von Wien nach Maly Trostinec. Eine verspätete Erinnerung" (21.10 Uhr)

Kaum jemand in Österreich weiß von Maly Trostinec, jenem kleinen Ort in Weißrussland, an dem die meisten Österreicherinnen und Österreicher als Opfer des Holocaust von den Nationalsozialisten ermordet wurden. 10.000 Menschen wurden aus Wien deportiert, um in einem Waldstück nahe dem rund zehn Kilometer von Minsk entfernten Ort erschossen oder vergast zu werden. Insgesamt wurden zwischen 40.000 und 60.000 Menschen aus europäischen Städten dorthin deportiert und getötet. Erst durch die Privatinitiative der Wienerin Waltraud Barton ist eine verspätete Erinnerung an die Deportation der jüdischen Bevölkerung von Wien nach Maly Trostinec in Gang gekommen. Basierend auf dieser Initiative erzählen die Filmemacher Ernst Pohn und Christine Tragler die Geschichte eines Ortes, der viele Jahrzehnte nahezu unsichtbar war.
Heute erinnert lediglich ein kleiner, unauffälliger Gedenkstein einer weißrussischen Initiative in Maly Trostinec an die unfassbare Tragödie vor 70 Jahren. Waltraud Barton fordert demnach von der Republik Österreich einen angemessenen Gedenkstein. Im Fokus der eigenproduzierten ORF-III-Dokumentation stehen ferner die Hinterbliebenen der Opfer sowie deren Erinnerungen an den Nationalsozialismus und den damit verbundenen Verlust. Auch Margit Fischer hat in Maly Trostinec Verwandte verloren, im Film spricht sie darüber.

Sonntag, 6. Mai

Erlebnis.Bühne-Künstlerporträt: "Wieland Wagner Porträt" (19.15 Uhr)

Dem künstlerischen Wirken von Wieland Wagner, dem früh verstorbenen Enkel des Komponisten Richard Wagner, widmet sich ORF III Kultur und Information in einem beeindruckenden "Erlebnis.Bühne"-Künstlerporträt. Obwohl der gebürtige Bayreuther bereits im Jahr 1933 der Hitlerjugend beitrat, wandte er sich nach dem Krieg vollkommen von seiner nationalsozialistischen Vergangenheit ab und entwickelte sich zu einem innovativen, Traditionsbrüche nicht scheuenden und bewusst provozierenden Regisseur und Bühnenbildner. Gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang leitete er ab dem Jahr 1951 die neu eröffneten Bayreuther Festspiele. Als Intendant gelang es ihm, die besten Sänger und Dirigenten für seine Arbeiten zu gewinnen. Neben den Werken seines Großvaters inszenierte Wieland Wagner u. a. auch Opern von Ludwig van Beethoven, Richard Strauss und Giuseppe Verdi. Gast-Engagements führten ihn dabei auch nach Wien. ORF III erinnert an das Leben und Wirken des außergewöhnlichen Regisseurs.

Erlebnis.Bühne mit Barbara Rett: "Siegfried" (20.15 Uhr)

Im Hauptabend präsentiert ORF III Kultur und Information den dritten Teil von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" und stellt damit ein weiteres Mal Kammersänger Heinz Zednik in den Mittelpunkt. In der Rolle des Schmiedes Mime, der den jungen "Siegfried" nach dem Tod seiner Mutter bei sich aufnimmt, begeisterte der damals 40-jährige Wiener das Publikum und etablierte sich international als Charaktertenor. Auf der Bühne brillieren u. a. Manfred Jung, Donald McIntyre, Hermann Becht und Gwyneth Jones. Beeindruckend entführen sie unter der Regie von Patrice Chéreau und dem Dirigat von Pierre Boulez in eine Welt voller Mythen und germanischer Helden. ORF III zeigt den "Jahrhundert-Ring" aus Bayreuth, dessen Premiere tobendes Protestgeschrei wie begeisterten Applaus auslöste.

Erlebnis.Bühne-Künstlerporträt: "Pierre Boulez probt mit den Wiener Philharmonikern" (0.10 Uhr)

Danach zeigt ORF III Kultur und Information Pierre Boulez, einen der bedeutendsten Komponisten und Dirigenten unserer Zeit, während seiner Probearbeiten mit den Wiener Philharmonikern im Musikverein.

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