Expertenrunde: Gesundheitseinrichtungen müssen stärker kooperieren

Wunsch und Wille zur Zusammenarbeit sind vorhanden - Rahmenbedingungen erschweren die Umsetzung.

Wien (OTS) - Der Schlüssel zur Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems liegt in der verstärkten Zusammenarbeit aller Akteure. Zu diesem Schluss kam gestern Abend eine prominente Runde aus Vertretern des österreichischen Gesundheitswesens und weiteren Experten, die auf Einladung der Vinzenz Gruppe über die Frage "Kooperation als Therapie für das Gesundheitssystem?" diskutierte. Das große Potenzial von Kooperationen im Gesundheitswesen wurde von allen bestätigt - durch mehr Zusammenarbeit können bei gleichbleibender oder sogar besserer Qualität wertvolle Ressourcen eingespart werden. Die Diskussionsteilnehmer waren sich aber auch darin einig, dass die gesetzlichen und bürokratischen Rahmenbedingungen die Umsetzung erschweren.

In der aktuellen Diskussion über die Finanzierbarkeit des österreichischen Gesundheitssystems geht es häufig nur um undifferenzierte Kürzungen und Schließungen - ein Vorgehen, das sich über kurz oder lang negativ auf Leistung und Qualität auszuwirken droht. Im Gegensatz dazu setzte sich das Podium in der Wiener Urania - Dr.in Andrea Kdolsky (Gesundheitsministerin a. D., Leiterin Health Care Services bei PricewaterhouseCoopers Österreich), Mag. Viktor Cypris (Sektionschef Rechnungshof), Dr. Gerald Bachinger (Sprecher der Patientenanwälte Österreichs), Dr. Thomas Czypionka (Senior Researcher am Institut für Höhere Studien) und Dr. Michael Heinisch (Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe) - unter der Leitung von Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse", mit konkreten Vorschlägen für langfristige Maßnahmen auseinander, die zur Absicherung unseres Gesundheitssystems beitragen sollen.

Die Bundesregierung sieht für die nächsten Jahre im Spitalswesen Einsparungen von rund 2 Mrd. Euro vor. Eine aktuelle IHS-Studie, die von der Vinzenz Gruppe in Auftrag gegeben wurde, zeigt auf, mit welchen konkreten Maßnahmen dieses Sparziel erreicht werden kann. IHS-Studienautor Thomas Czypionka: "Die Studie zeigt das große Potenzial für die Erhaltung und Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitswesens durch die verstärkte Zusammenarbeit aller Akteure. Dabei können bei gleichbleibender oder sogar besserer Qualität wertvolle Ressourcen eingespart werden. Auch Größennachteile kleiner Spitäler lassen sich durch spezielle Kooperationsmodelle ausgleichen."

Für Rechnungshof-Sektionschef Cypris erfordert nicht zuletzt die demographische Entwicklung neue Wege für die Finanzierung unseres Gesundheitssystems - solange die Qualität für die Patienten erhalten bleibt. Er bemängelt die häufigen Überschneidungen und Parallelstrukturen, die in vielen Bereichen im Gesundheitswesen noch bestehen. "Obwohl kein Allheilmittel, ist Kooperation ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dennoch scheitern nach wie vor Versuche und Maßnahmen, die Effizienz zu steigern, an den finanziellen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen."

Mit dem österreichischen Gesundheitssystem und den Schwierigkeiten einer Gesundheitsreform bestens vertraut ist Ex-Ministerin Andrea Kdolsky. "Eigentlich wissen wir, wie es geht. Woran es scheitert, ist die Umsetzung", bringt Kdolsky die aktuelle Situation in Hinblick auf mehr Kooperation auf den Punkt. "Wir müssen weg von der Bittsteller-Situation der Patienten und hin zu einer Dienstleister-Struktur. Darüber hinaus brauchen wir mehr Transparenz bei der Finanzierungsstruktur." In ihrem neuen Sachbuch "Hauptsache gesund" liefert die ehemalige Gesundheitsministerin tiefe Einblicke in die "unheilbaren Krankheiten des österreichischen Gesundheitswesens". Ihr Ziel ist es dabei, die Menschen in Österreich über das Gesundheitssystem aufzuklären.

Für Patientenanwalt Bachinger liefert die Studie nicht nur die erste umfassende Betrachtung des Themas, die man ernst nehmen sollte - sie kommt auch zum richtigen Zeitpunkt. "Durch mehr Zusammenarbeit kann man ohne viele Strukturänderungen große Effekte erzielen und die Qualität der Leistungen absichern. Davon profitieren nicht nur die Patienten - denn gute Qualität kostet viel Geld, schlechte Qualität kostet noch viel mehr Geld", so Bachinger.

Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass auch kleine Spitäler wirtschaftlich effizient arbeiten können, wenn sie kooperieren. Die Vinzenz Gruppe betreibt mit ihren fünf Wiener Spitälern bereits ein solches "virtuelles Großspital": "Wir haben dazu viele medizinische und administrative Serviceleistungen, die unsere Patienten nicht direkt 'spüren', konzentriert, zentralisiert oder an Dritte ausgelagert." Das betrifft sowohl gemeinsame Labors und Radiologien wie auch Einkauf, Wäscherei, Reinigung und weitere Leistungen. Der Größennachteil der kleineren Spitäler kann dadurch ausgeglichen werden. Dennoch bleiben diese eigenständig. Heinisch: "Auch die Patienten schätzen die Überschaubarkeit und persönliche Betreuung der kleineren Spitäler. Das führt zu einer nachgewiesen hohen Patientenzufriedenheit."

Die Vinzenz Gruppe kann bereits auf eine Reihe von erfolgreichen Kooperationsprojekten verweisen - trotz aller Hindernisse. Denn die Praxis ist nach wie vor mit gesetzlichen und bürokratischen Hürden gepflastert, die eine erfolgreiche Umsetzung oft verhindern. Um das Einsparungspotenzial durch mehr Zusammenarbeit im Gesundheitswesen freisetzen zu können, braucht es daher neue Rahmenbedingungen.

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