Die Unsichtbaren

Gesellschaft für bedrohte Völker startet in Österreich internationale Kampagne zum Schutz unkontaktierter indigener Völker in Brasilien und Peru.

Wien (OTS/GfbV-Int.) - "Je mehr Menschen über die Existenz unkontaktierter Völker Bescheid wissen, desto größer ist ihre Überlebenschance", betont José Carlos Meirelles. International bekannt wurde der 64-jährige Brasilianer, der sich seit vier Jahrzehnten für das Überleben der in freiwilliger Isolation in Brasilien lebenden Völker engagiert, durch eine BBC-Dokumentation wo erstmals unkontaktierte Indigene gefilmt wurden (www.youtube.com/watch?v=sLErPqqCC54&feature=related).

Die Kampagne

Meirelles kommt heute nach Österreich, wo er gemeinsam mit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine internationale Kampagne für das Überleben unkontaktierter Völker in Brasilien und Peru startet. Kooperationspartner der Kampagne: Österreichische Entwicklungszusammenarbeit; Klimabündnis; RIO + 20 - Gerechtigkeit in einer endlichen Welt; Museum für Völkerkunde Wien, Freunde der Völkerkunde; ÖH Graz, Linz und Salzburg; Landesregierung Steiermark, FAIR Styria; Stadt Graz; Friedensbüro Graz; Karl-Franzens-Universität Graz: Institut für Geschichte, Geisteswissenschaftliche Fakultät, Zentrum für systematische Musikwissenschaft; Afro-Asiatisches Institut Graz und Salzburg; Südwind Steiermark und Salzburg; Europahaus Eisenstadt; Intersol; Grüne Akademie Graz; GEA und KulturPlakat.

Die Unsichtbaren

"Wir nennen unsere Kampagne 'Die Unsichtbaren', weil diese Völker im Verborgenen leben, man auf ihre Existenz nur anhand von Indizien menschlicher Anwesenheit schließen kann, wie etwa Hütten, Pflanzungen, angelegte Trampelpfade, Nahrungsreste, Feuerstellen, Pfeile, Schmuckgegenstände ectera", sagt Franz Fluch, Obmann der Gesellschaft für bedrohte Völker und Leiter der Kampagne unkontaktierte Völker, der als Ö1-Journalist in Lateinamerika zwei Jahrzehnte lang für den ORF tätig war.

Pionier der ersten Stunde

José Carlos Meirelles hat in Brasilien für unkontaktierte Indigene, die dort als "Isolados" bezeichnet werden, Pionierarbeit geleistet. Im Auftrag der Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) hat er in den späten 1980er-Jahren eine eigene Abteilung für unkontaktierte Völker gegründet. Als Sertanista - so werden in Brasilien Ethnologen, Anthropologen oder FUNAI-Mitarbeiter bezeichnet, die den Erstkontakt zu indigenen Völkern herstellen und mit deren Kultur und Lebensweise sehr eng vertraut sind - hat Meirelles 40 Jahre lang selbst wie ein Isolado im Regenwald gelebt. Ohne Reiseproviant ernährte er sich auf seinen oft wochenlangen Fußmärschen ausschließlich von dem, was der Regenwald tagtäglich bot. Er weiß aufgrund der Beschaffenheit des Regenwalds, welche Säugetiere, Vogelarten und Insekten dort beheimatet sind und zu welcher Tageszeit und an welchem Ort sie bestimmte Laute von sich geben.

Peru

Im Nachbarland Peru, in der Provinz Purús, soll jetzt auf Initiative des örtlichen Pfarrers von Puerto Esperanze nach Inapari eine Straße durch das Gebiet von Isolados gebaut werden, die im Volksmund "carretera del cura" - die "Straße des Pfarrers" genannt wird. Vertreter der indigenen Organisation FECONAPU (Federación de Comunidades Nativas del Alto Purús) haben dafür eine andere Bezeichnung: "carretera del la muerte" - "Straße des Todes".

Proyeco de Ley Nr. ID35/2011

Am 19. April wurde in der peruanischen Hauptstadt Lima von 26 Kongressabgeordneten ein diesbezüglicher Gesetzesentwurf eingebracht. "Es ist zu vermuten, dass auch die in der Region aktiven Drogenkartelle den Straßenbau unterstützen, da der Drogenschmuggel nach Brasilien intensiviert werden könnte. Es ist dringend notwendig - auch vom Ausland aus - auf die Konsequenzen dieses Straßenbauprojekts hinzuweisen", berichtete der deutsche Anthropologe Klaus Rummenhöller, der sich in Peru seit Jahren für das Überleben unkontaktierte Völker einsetzt, am 26. April in einer E-Mail aus Lima.

Ziel der Kampagne

Langfristiges Ziel der Kampagne für unkontaktierte Völker ist die Schaffung einer binationalen Schutzzone, die auf Initiative von Indigenen am 18. Juni in Rio de Janeiro von José Carlos Meirelles und der Gesellschaft für bedrohte Völker - International als Side-Event der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung "Rio + 20" präsentiert wird - gemeinsam mit Vertretern der indigenen Organisationen AIDESEP, FENAMAD, COIAB aus Peru und Brasilien.

Weitere Informationen: www.gfbv.at

Pressekonferenz


Ort:
Museum für Völkerkunde Wien, wo am 8. Mai um 19.30 Uhr auch die
Eröffnungsveranstaltung stattfinden wird.

Weitere Veranstaltungsorte: St. Pölten, Linz, Innsbruck, Eisenstadt,
Salzburg, Bozen, Graz, Schrems/Waldviertel. Termine unter:
www.gfbv.at/projekte_aktionen/unkon/programmUnkon.html

Datum: 7.5.2012, um 10:00 Uhr

Ort:
Museum für Völkerkunde
Hofburg, 1010 Wien

Rückfragen & Kontakt:

Kontakt und Interviewtermine mit Meirelles
Franz Fluch, Tel. 0699 11 460 625

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