Hundstorfer: Österreichs Arbeitsmarkt kann sich schwacher Wirtschaftsentwicklung in Europa nicht entziehen

Zusätzliche 20 Millionen Euro als Soforthilfe für Langzeitarbeitslose - Österreich hat nach wie vor geringste Arbeitslosigkeit in Europa

Wien (OTS/BMASK) - "Der österreichische Arbeitsmarkt kann sich der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa leider nicht entziehen", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer anlässlich der Arbeitsmarktdaten für den Monat April. "Wenn Österreichs zweitwichtigster Handelspartner Italien, aber auch Ungarn, Großbritannien, Spanien und eine Reihe anderer Länder wirtschaftlich schrumpfen, leidet der Arbeitsmarkt im Exportland Österreich", so Hundstorfer. So reichte das nach wie vor hohe Beschäftigungswachstum im April nicht aus, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. Mit 3.430.000 Beschäftigten gibt es heute den höchsten Beschäftigtenstand in der Geschichte Österreichs, unterstrich Hundstorfer. Im Vergleich zu Vorjahresmonat wurden 54.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Gleichzeitig stieg im April aber auch die Zahl der Arbeitslosen fast so stark wie im Februar um 15.519 oder 6,6 Prozent auf 251.823. Die Zahl der AMS SchulungsteilnehmerInnen erhöhte sich um 4.573 oder 7,0 Prozent auf 69.994. Insgesamt waren beim Arbeitsmarktservice 321.817 Menschen vorgemerkt, ein Zuwachs um 20.092 oder 6,7 Prozent, erläuterte Hundstorfer. ****

"Trotz der steigenden Arbeitslosigkeit ist Österreich mit einer Arbeitslosenquote von 4,0 Prozent neuerlich das Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit in der EU. Österreich hat die niedrigste Frauenarbeitslosigkeit und die geringste Männerarbeitslosigkeit in der EU. Außerdem gibt es nirgendwo in der EU weniger Langzeitarbeitslose. Österreich liegt bei der Jugendarbeitslosigkeit an zweiter Stelle in der EU", sagte der Sozialminister. "In dieser schwieriger gewordenen Situation am Arbeitsmarkt müssen wir jetzt weitere Impulse setzen. Die österreichisch Bundsregierung startet daher heute eine Beschäftigungsoffensive für jene Menschen, die am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen sind: zusätzliche 20 Mio. Euro werden noch 2012 für die Beschäftigung von Langzeitbeschäftigungslosen bereitgestellt", hob Hundstorfer hervor.

Damit werden noch heuer für zusätzlich mindestens 1500 langzeitbeschäftigungslose Menschen Arbeitsplätze in sozialökonomischen Betrieben und gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten finanziert. Dort arbeiten Langzeitbeschäftigungslose, werden gleichzeitig umfassend betreut, qualifiziert und stabilisiert und werden anschließend auf den Normalarbeitsmarkt vermittelt. Diese 20 Millionen Euro werden 2012 investiert und wirken zusätzlich zu den im Konsolidierungspaket vereinbaren 750 Millionen Euro in der Zeit von 2013 bis 2016, erklärte der Sozialminister.

Zu den Details der Arbeitsmarktdaten erklärte Hundstorfer, dass Männer (+ 7,5 Prozent) vom Anstieg der Arbeitslosigkeit etwas stärker betroffen sind als Frauen (+5,5 Prozent), AusländerInnen (+15 Prozent) deutlich stärker als ÖsterreicherInnen (+4,4 Prozent) und über 50-jährige (+10,6 Prozent) stärker als Jugendliche (+4,5 Prozent). Gleichzeitig wächst die Beschäftigung bei den über 50-Jähigen besonders stark: 40.000, das sind drei Viertel der im letzten Jahr geschaffenen Arbeitsplätze werden von über 50-Jährigen eingenommen. Gründe sind die stärkere Erwerbsbeteiligung von älteren Frauen, der längere Verbleib im Erwerbsleben und der demografische Anstieg dieser Bevölkerungsgruppe, so der Minister.

Die demografische Entwicklung sorgt hingegen für eine leichte Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt. Die Zahl der offenen Lehrstellen steigt deutlich stärker (+280 oder +8,2 Prozent) als die Zahl der Lehrstellensuchenden (+146 oder +3,3 Prozent). Gleichzeitig bleibt nicht nur die Ausbildungsgarantie für Jugendliche aufrecht, sondern durch das Jugendcoaching sollen ausgrenzungsgefährdete Jugendliche bereits während ihrer Schulzeit beraten, unterstützt und am Weg in den Arbeitsmarkt begleitet werden.

Die Zahl der offenen Stellen sinkt um 11,1 Prozent. Durch die hohe Schulungs- und Vermittlungstätigkeit des AMS sinkt die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 2,7 Prozent. Der überdurchschnittlich hohe Anstieg der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen (+15 Prozent) geht hingegen auf eine geänderte statistische Erfassung zurück, durch die mehr Menschen mit Behinderungen erfasst werden. Die Branchenentwicklung zeigt anhand der Arbeitslosenzahlen im Tourismus, dass sich ein negativer Ostereffekt - letztes Jahr fiel Ostern auf das letzte Aprilwochenende - bemerkbar macht. Ende März sank die Tourismusarbeitslosigkeit noch um 3,4 Prozent, nun stieg die Arbeitslosigkeit im Tourismus überdurchschnittlich stark um 9,2 Prozent. Auch am Bau steigt die Arbeitslosigkeit mit plus acht Prozent kräftig an. Neuerlich verzeichnet die Leiharbeitsbranche mit +15,7 Prozent Arbeitslosigkeit den stärksten Zuwachs an Arbeitslosen. Weniger betroffen ist hingegen die Stammbelegschaft in der Industrie. Dort steigt die Arbeitslosigkeit nur um 2,6 Prozent. Auch der Handel (+4 Prozent) ist unterdurchschnittlich betroffen.

Die Arbeitslosigkeit steigt in allen Bundesländern: am stärksten im Burgenland (+11,8 Prozent), der Steiermark (+11,3 Prozent) und Tirol (+10,2 Prozent). Den geringsten Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit verzeichnen Vorarlberg (+1,9 Prozent), Kärnten (+2,9 Prozent) und Wien (+3,1 Prozent), schloss Hundstorfer.

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