TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 30. April 2012 von Alois Vahrner "Ein Triumph mit vielen Scherben"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Der Sieg von Christine Oppitz-Plörer in
der Bürgermeisterstichwahl fiel überraschend deutlich aus. Nach der Schlammschlacht im Wahlkampf gilt es jetzt für alle Beteiligten, rasch die Scherben wegzuräumen.

Das beinharte und teilweise ins Persönliche gehende Duell der früheren Listen-Kollegen Christine Oppitz-Plörer und Christoph Platzgummer, den die ÖVP nach miserablen Umfragewerten ins Rennen schickte, ist entschieden. Und das klarer als vielfach prognostiziert wurde.
Für den früheren Zach-Kronprinzen Platzgummer, der einen Rückzieher von seinem einstigen Politik-Rückzieher gemacht hatte, brachte die Wahl aber dennoch mehr als nur einen Achtungserfolg. Die zuvor nur auf Platz 4 gelegene ÖVP eroberte vor Oppitz-Plörers Liste Für Innsbruck Platz 1 (inklusive dem gekoppelten Seniorenbund zehn gegenüber neun Mandaten). 44 Prozent in der Stichwahl sind beachtlich, den schon plakatierten Sprung an die Stadtspitze ("Ihr neuer Bürgermeister") hat Platzgummer aber deutlich verfehlt.
Für Oppitz-Plörer ist der gestrige Wahlsieg nach den jüngsten Gefechten mit Sicherheit eine riesige persönliche Genugtuung. Und für die 1994 von Herwig van Staa von der ÖVP abgespaltene Liste Für Innsbruck bedeutet er so etwas wie eine Überlebens-Versicherung als führende Kraft in der Stadt. Bei einem Sieg Platzgummers und gleichzeitigem Rückzug Oppitz-Plörers (den diese vor der Stichwahl aber ausgeschlossen hatte) wären die Rufe nach einem Zusammenrücken von ÖVP und FI wohl lauter geworden. Nach diesem heftigen Wahlkampf und diversen Ausrutschern (von Unterstellungen bis zum grenzwertigen Ausländer-Brief der Bürgermeisterin) sind FI und ÖVP aber derzeit voneinander weiter entfernt denn je. Zumal sich die beiden Kontrahenten nicht nur nichts schuldig geblieben sind, sondern Oppitz-Plörer auch scharfe Attacken gegen ÖVP-Chef und LH Günther Platter ("Günstlingswirtschaft") geritten hat. Und auch weil die Gerüchte nicht verstummen wollen, dass im Hintergrund eifrig an einer Gegen-ÖVP namens Für Tirol nach Innsbrucker Vorbild gebastelt wird. Oppitz-Plörer wird wie alle anderen gut daran tun, die richtigen Lehren aus der Wahl zu ziehen. Auch mit Blick auf die extrem schwache Wahlbeteiligung. Diese ist ein massiver Warnschuss, dass die Politik in der bisherigen Form viele Bürger abgeschreckt hat. Der Wahlkampf ist vorbei, das muss rasch auch in die Köpfe. Jetzt geht es nicht um Eitelkeiten und Machtspiele, sondern darum, den Wählerwillen zu erfüllen. Und der heißt, schnell eine Koalition (wohl aus FI, ÖVP, fix den Grünen und eventuell auch der SPÖ) und ein mutiges Regierungsprogramm zusammenzustellen. Der Name der Gelben sollte dabei gleichzeitig für alle Motto sein: Für Innsbruck.

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