AK Tumpel zum 1. Mai: Arbeiten möglich machen!

Wien (OTS) - "Wir müssen den Menschen das Arbeiten möglich machen", fordert AK Präsident Herbert Tumpel anlässlich des 1. Mai:
"Dazu zählt, dass Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden und darauf geachtet wird, dass Arbeit nicht krank macht. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit muss konsequent weitergeführt werden - auf nationaler Ebene genauso wie auf europäischer. Besonders gegenüber den Jungen müssen wir Verantwortung zeigen. Wir müssen ihnen die Chancen auf eine gute Zukunft wahren. Außerdem muss die Wirtschaft Frauen wie Männern den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit bezahlen."

+ Wirtschaft muss mit an einem Strang ziehen
Insbesondere ältere ArbeitnehmerInnen haben auf dem Arbeitsmarkt schlechte Karten. Tumpel begrüßt, dass die Arbeitsmarktpolitik gezielte Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit Älterer ins Auge gefasst hat. "Wirklichen Erfolg gibt es aber nur, wenn auch die Wirtschaft und die Unternehmen mit an einem Strang ziehen und auch längeres Arbeiten möglich macht: mit altersgerechten Arbeitsplätzen, gesunden Arbeitsbedingungen und der Bereitschaft ältere Arbeitnehmer auch tatsächlich zu beschäftigen, statt sich, wie leider üblich, von den Älteren zu trennen", sagt Tumpel.
Frauen sind heute gut ausgebildet und auf dem Arbeitsmarkt integriert. Trotzdem erhalten sie für gleichwertige Arbeit immer noch nicht den gleichen Lohn wie Männer. Mit den Gehaltangaben in Stelleninseraten erhalten Frauen heute zwar eine Orientierung, was in einer Branche bezahlt wird. Und die Gewerkschaften haben erreicht, dass Karenzzeiten auf Lohnvorrückungen angerechnet werden. "Es braucht aber auch mehr Frauenförderung in den Unternehmen: Die Wirtschaft kann nicht auf das weibliche Potenzial in den Unternehmen verzichten."

+ Gesundbleiben in der Arbeit
Die Arbeitsmarktpolitik und die gezielten Maßnahmen zur gesundheitlichen Rehabilitation und Aus- und Weiterbildung sind wichtig und richtig, daneben braucht es aber dringend Maßnahmen, die bereits greifen "bevor es zu spät ist", verlangt Tumpel nach einer Novellierung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes. Die Arbeitswelt hat sich verändert, der Druck in der Arbeit nimmt zu. "Das hat auch Folgen: Bei Personen, die von psychischen Arbeitsbelastungen betroffen sind, ist die Häufigkeit gesundheitlicher Probleme größer. Die Zahlen sind alarmierend", verlangt Tumpel dringend ein Gegensteuern: 32 Prozent aller Neuzugänge bei den krankheitsbedingten Frühpensionierungen erfolgen mittlerweile aus psychischen Gründen. Die Hauptquelle krankmachender Faktoren ist oft die falsche Arbeitsorganisation. Ist Mitgestalten möglich, gibt es Arbeitsplatzsicherheit, faire Entlohnung, Aufstiegschancen und Unterstützung durch KollegInnen und Vorgesetzte bleiben die ArbeitnehmerInnen, sinken die belastenden Faktoren und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben eine höhere Arbeitszufriedenheit. Die AK verlangt daher insbesondere die gesetzliche Verankerung von Arbeits- und OrganisationspsychologInnen und die Verankerung der Evaluierung psychischer Arbeitsbelastungen in den Betrieben. "Derartige Maßnahmen haben bereits bei der Bekämpfung der physischen Krankmacher in der Arbeit geholfen. Wir brauchen das jetzt auch gegen die psychischen Krankmacher", sagt Tumpel.

+ 1 Jahr Arbeitsmarktöffnung
Die Entwicklung hat gezeigt, dass sich der Einsatz der AK für Übergangsfristen gelohnt hat. Durch diese Maßnahme konnte sichergestellt werden, dass die Zuwanderung unter den ursprünglichen Prognosen geblieben und insgesamt arbeitsmarktverträglich verlaufen ist. Außerdem konnte die Zeit genutzt werden, um die Arbeitsmarktmittel von rd 600 Mio auf über eine Milliarde Euro auszuweiten und dadurch ein stärkeres Ansteigen der Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Besonders wichtig als Vorbereitung für die Arbeitsmarktöffnung war die Schaffung des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes. "Hier werden wir sehr genau darauf achten, dass die Arbeitgeber die Arbeitsmarktöffnung nicht dazu missbrauchen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich zu verschlechtern. Dagegen muss mit harten Strafen vorgegangen werden", betont Tumpel.

+ EU-Beschäftigungspakt und Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit Rekordarbeitslosigkeit in Europa, 5,5 Millionen Junge ohne Arbeit -endlich reagiert die EU mit einem Beschäftigungspaket. Für Tumpel wird entscheidend sein, wie rasch und konsequent die EU ihre Initiativen umsetzen und vorantreiben wird. "Mit einer Politik des Sparens und des Sozialabbaus wird das nicht funktionieren", warnt Tumpel und verlangt eine expansive Nachfragepolitik.
Außerdem fordert Tumpel eine massive Aufstockung der Mittel für den Europäischen Sozialfonds und eine Fokussierung der Politik auf die europaweite Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit: "Wenn sich die EU ernst nimmt, darf sie nicht zulassen dass - wie in manchen Regionen-jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit und ohne Perspektive bleibt. Daher braucht es sehr viel mehr Einsatz für den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit, nur so hat Europa eine gute und eine soziale Zukunft."

+ Beschäftigung und Wachstum fördern
Mit dem Stabilitätspaket hat die Regierung Maßnahmen gegen einen weiteren Anstieg der Staatschulden gesetzt. Die Steuereinnahmen Österreichs haben sich heuer sogar besser entwickelt, als man das ursprünglich angenommen hat. Während die Arbeitslosigkeit in anderen Ländern dramatisch angestiegen ist und die Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern bereits erschreckende Ausmaße angenommen, steht Österreich sehr gut da. Aber: "Dass es Österreich vergleichsweise gut geht, hilft dem einzelnen österreichischen Arbeitslosen nicht. Deshalb sollte jetzt in Beschäftigung und Wachstum investiert werden", sagt Tumpel. Dafür sind der Ausbau der Kinderbetreuungs- und Pflegeplätze, regionaler Arbeitsmarktinitiativen und die Ausweitung der Sozial- und Integrationsarbeit besonders gut geeignet: "Solche sozialen Dienstleistungen haben einen doppelten Nutzen: Die Leute brauchen sie dringend, sie sind nachhaltig und es entstehen besonders viele Arbeitsplätze", betont Tumpel: "Wenn die Förder-Töpfe auf EU Ebene jetzt neu verhandelt werden, sollte endlich ein weit größerer Anteil als bisher für Beschäftigungsmaßnahmen reserviert werden."

+ Regulierung der Finanzmärkte endlich umsetzen
Die EU wird in den Augen ihrer BürgerInnen zu einem Synonym fürs Sparen und einen Sozialabbau. Bei der Regulierung der Finanzmärkte geht dagegen nichts weiter. "Europa braucht rasch einen wirtschaftspolitischen Umkehrschwung, der der EU wieder eine Zukunft gibt", fordert Tumpel. Europa braucht einen Zukunftspakt, der die Verteilungsfrage neu stellt und einen Turboschub bei der Regulierung der Finanzmärkte, damit sie endlich wieder ihrer dienenden Rolle für die Realwirtschaft gerecht werden. "Die gefährlichsten Brandbeschleuniger - wie das Schattenbanksystem, die anhaltende Macht der Ratingagenturen, die vielfältigen Möglichkeiten der Spekulation -müssen endlich entschärft werden. Und wir fordern nach wie vor die Finanztransaktionssteuer: Sie würde dafür sorgen, dass sich der Finanzsektor endlich an den Kosten der Krise beteiligt", sagt Tumpel.

Rückfragen & Kontakt:

AK Wien Kommunikation
ChefIn vom Dienst: 0664/8454 200
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0001