ORF III gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Am 30. April im Kultur- und Informations-Spartenkanal des ORF

Wien (OTS) - ORF III Kultur und Information startet am Montag, dem 30. April 2012, anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Mauthausen einen besonderen Programmschwerpunkt, zeigt die letzten Zeitzeugen des NS-Regimes als Botschafter der Erinnerung, wirft einen Blick auf den Werdegang von Kindern der ersten Gastarbeitergeneration und analysiert, welche gesellschaftlichen Veränderungen den Begriff "Gutmensch" zum Schimpfwort werden ließen. Im Anschluss begrüßt ORF-Religionsjournalist Christoph Riedl den Schweizer Kardinal und "Ökumeneminister" im Vatikan, Kurt Koch, zum Gespräch.

Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gilt der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen am 5. Mai 1945 in Österreich als nationaler Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus. ORF III Kultur und Information widmet diesem Jahrestag einen umfassenden Programmschwerpunkt und erinnert mit berührenden Porträts, eindrucksvollen Filmen, eigenproduzierten Dokumentationen und der Live-Übertragung der Gedenkfeierlichkeiten aus dem Parlament an die unfassbaren Bedingungen während des NS-Regimes und stellt Überlebende sowie Hinterbliebene der Opfer in den Mittelpunkt.

Der ORF-III-Programmschwerpunkt im Überblick:

Montag, 30. April 2012

20.15 Uhr: Doku.Zeit: "Die Sterne verlöschen nicht. Überleben im Versteck"
21.05 Uhr: DokuMente: "Kolaric' Erben. Die Tschuschenkinder von einst"
22.10 Uhr: DokuMente: "Die Gutmenschen"

Freitag, 4. Mai 2012

10.00 Uhr: Gedenkfeierlichkeiten live aus dem Parlament (auch in ORF 2)
20.15 Uhr: Der österreichische Film: "Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen"
22.35 Uhr: Der österreichische Film: "Der Fall Jägerstätter"

Samstag, 5. Mai 2012

20.15 Uhr: zeit.geschichte: "Die Porzellangassen-Buben"
21.10 Uhr: zeit.geschichte: "Deportiert von Wien nach Maly Trostinec - Eine verspätete Erinnerung"

Doku.Zeit: "Die Sterne verlöschen nicht. Überleben im Versteck" (20.15 Uhr)

Die Hälfte der Menschen, die sich während der NS-Zeit versteckten, wurden verraten oder entdeckt. Wie viele tatsächlich überlebten, kann nur geschätzt werden. Im Rahmen des größten Zeitgeschichte-Projekts Österreichs "A Letter to the Stars" wurden Menschen in den Mittelpunkt gestellt, die auf der Flucht vor den Nazis überlebten. Schüler aus ganz Österreich begegneten diesen letzten Zeitzeugen als Botschafter der Erinnerung.

Filmemacherin und Historikerin Helene Maimann hat den Jugendlichen bei ihren Treffen mit den Überlebenden über die Schulter geschaut und nach einer Idee von Andreas Kuba, Josef Neumayr und Alfred Worm ein berührendes Filmdokument österreichischer Zeitgeschichte konzipiert. "Die Sterne verlöschen nicht. Überleben im Versteck" ist ein Film über Zufall und Glück, Zivilcourage und Mut, Anständigkeit und Hoffnung. Im Mittelpunkt stehen neben den Überlebenden auch deren Retter. Denn ohne sie, die ihren Kopf hinhielten, hätten die Verfolgten keine Chance gehabt.

DokuMente: "Kolaric' Erben. Die Tschuschenkinder von einst" (21.05 Uhr)

Zu Beginn der 1970er Jahre sorgte ein Plakat für Aufsehen, das für Toleranz gegenüber Gastarbeitern werben sollte: "I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogn's zu dir Tschusch?", fragt ein kleiner Bub einen offensichtlich Fremden. Seither gilt der Kolaric als Inbegriff für die Gastarbeitergeneration der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Peter Liskas und Meryem Citaks Film kann als Spurensuche betrachtet werden. Ein Blick auf den Werdegang von Kindern der ersten Gastarbeitergeneration, die alltägliche Fremdenfeindlichkeit von damals und heute sowie die Glück- und Schattenseiten des Gastarbeiterlebens. Dreimal waren die Protagonisten dieser Dokumentation mittlerweile vor der Kamera:
Anfang der 70er Jahre, im Jahr 2000 sowie acht Jahre später. "Kolaric' Erben" zeigen, dass trotz schwierigster Startbedingungen ein sozialer Aufstieg möglich ist.

DokuMente: "Die Gutmenschen" (22.10 Uhr)

Seit einiger Zeit existiert ein sonderbares Schimpfwort, dass u. a. an jene Menschen gerichtet ist, die sich für die Integration von Flüchtlingen und Ausländern einsetzen: Gutmensch. Welche gesellschaftlichen Veränderungen diesen Begriff zum Schimpfwort werden ließen und warum sich am Thema "Flüchtlinge" und "Asylanten" immer wieder die Geister scheiden, zeigt ORF III Kultur und Information in Andreas Grubers Film "Die Gutmenschen". Der engagierte Filmemacher spricht u. a. mit Superintendentin Gertraud Knoll, Musiker Willi Resetarits, Rhetorikprofessor Walter Jens, Philosoph Konrad Paul Liessmann, Theologe Johann Baptist Metz, Kulturberater Andreas Mölzer und Psychoanalytiker Arno Gruen. Die Dokumentation präsentiert Flüchtlingsschicksale sowie die Motivation der "Gutmenschen" zu helfen. Welche einschneidenden Augenblicke hat die Helfer veranlasst, aktiv zu werden?

Das ganze Interview: "Christoph Riedl im Gespräch mit Kardinal Kurt Koch" (23.10 Uhr)

Seit dem Jahr 2010 ist der Schweizer Kardinal Kurt Koch, als Nachfolger von Kardinal Walter Kasper, Präsident des "Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen". Als "Ökumeneminister" im Vatikan spricht Koch mit ORF-Religionsjournalist Christoph Riedl über den nicht immer leichten Dialog, den er im Auftrag der römisch-katholischen Kirche derzeit mit 16 christlichen Religionen und Religionsgemeinschaften führt.

Den von Kritikern attestierten Stillstand in Sachen Ökumene im Pontifikat Benedikt XVI. ortet er eher im Auge der kritischen Betrachter, schließlich habe der aktuelle Papst einige wichtige Schritte im Bereich der Ökumene gesetzt. Als Mitglied der Glaubenskongregation ist Kardinal Koch mit den laufenden Verhandlungen des Vatikans mit der traditionalistischen Piusbruderschaft befasst. Er sehe keine Gefahr, dass die katholische Kirche durch eine Überwindung der Spaltung und eine "Rückholung" der Piusbrüder an den rechten Rand rutschen könnte. Als Katholik befürworte er die Bemühungen von Benedikt XVI., die Spaltung zu überwinden und kein Schisma zuzulassen.

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