"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Zweidrittelgesellschaft"

Ungerechtigkeiten der modernen Gesellschaft fördern extremistische Parteien.

Wien (OTS) - Der verstorbene Paradeintellektuelle der deutschen Sozialdemokraten, Peter Glotz, hat bereits im Jahr 1984 von der Zweidrittelgesellschaft gesprochen. Damals gab es eine Diskussion darüber, dass uns die Arbeit ausgehen könnte. Glotz setzte sich mit der Frage auseinander, wie das unbeschäftigte Drittel sozial abzusichern sei. Glotz war auch einer der Ersten, die sich mit der -für viele zu radikalen - Beschleunigung der Gesellschaft durch die Digitalisierung beschäftigten.
Noch keine politische Bewegung konnte das Vertrauen der Verlierer dieser globalen Entwicklung gewinnen. Wenn zuletzt in Frankreich rund 20 Prozent der Wähler zur extremistischen Rechten gehen und dazu noch 10 Prozent in die Nähe der Kommunisten rücken, dann locken ja nicht Lösungsvorschläge der Extremisten, sondern es siegen die Ressentiments.
Jetzt wird zwischen Sarkozy und Hollande ein nationalistischer, anti-europäischer Wettbewerb einsetzen, obwohl die beiden wissen, dass die Grande Nation alleine ziemlich klein auf dieser Welt geworden ist.
Europa darf die Zweidrittelgesellschaft nicht akzeptieren. Das Gefühl der wachsenden Ungerechtigkeit hat Ursachen, da können nur europäische Lösungen helfen.

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