"Österreich hat historische Chance, Logistikdrehscheibe Europas zu werden"

Tag der Logistik im Zeichen der Herausforderungen des wachsenden europäischen Güterverkehrs

Wien (OTS/PWK257) - Der Export ist eine wesentliche Stütze für unser Wirtschaftswachstum. Der Anteil der Warenexporte am österreichischen Bruttoinlandsprodukt beträgt nahezu 40 %, inklusive Dienstleistungen sogar mehr als 50%.

35.000 Verkehrsunternehmen sämtlicher Verkehrsträger (Personen-und Güterbeförderer auf Straße, Schiene, Schifffahrt und in der Luftfahrt) sowie der Seilbahnen, Garagen, Tankstellen und Fahrschulen, sorgen in Österreich für Mobilität. Mehr als 200.000 Mitarbeiter finden im Verkehrssektor Beschäftigung. Ihre direkte Bruttowertschöpfung beträgt 14 Mrd. Euro.

122 Mrd. Euro betrugen die Einnahmen aus Österreichs Exporten letztes Jahr. "Dies wird erst möglich durch die zuverlässlichen Dienstleistungen der heimischen Mobilitätsunternehmen. Wir freuen uns zu Recht über unser wirtschaftlichen Wohlstand, allzu oft vergessen wir dabei, dass ein Hochlohnland wie Österreich gerade durch Innovationen, gut ausgebaute Infrastruktur und hochwertige Mobilitätsdienstleistungen erst international erfolgreich sein kann", so Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ anlässlich der Veranstaltung "Next Eleven Märkte der Zukunft neue Herausforderungen an die Logistik" zum Internationalen Tag der Logistik.

Die prognostizierte Verkehrsleistung in der EU 2050 wird im Verhältnis zu 2009 im Güterverkehr um rund 80% und im Personenverkehr um rund 50% steigen. "Österreich hat dabei die einmalige Chance, sich als Logistikdrehscheibe in Europa zu positionieren und Wertschöpfung entstehen zu lassen. Die Voraussetzung dafür ist aber eine leistungsfähige und zuverlässige Verkehrsinfrastruktur verbunden mit einer aktiven Ansiedlungspolitik", unterstrich Klacska.

Mit dem Donau-Korridor, der Brennerachse sowie dem Baltisch-Adriatischen Korridor verlaufen drei der zehn geplanten prioritären Verkehrskorridore Europas durch Österreich, so der Verkehrssprecher der heimischen Wirtschaft.

Wettbewerbsfähigkeit der Donau stärken
Die EU-Donauraumstrategie biete eine historische Chance für Österreich, die Donauschifffahrt stärker in den Fokus zu bringen. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Donau mit gegenwärtig 15 % Verkehrsauslastung muss verbessert werden", so Klacska. Voraussetzung dafür ist die Sicherstellung der ganzjährigen Schiffbarkeit, einer ausreichenden Abladetiefe, sowie Intermodalität der Donauhäfen mit Hinterland-Anbindung. Die Donau als natürlichen Wohlstandskorridor von zehn Staaten mit einem Einzugsgebiet von rund 100 Millionen Menschen und die Schwarzmeerregion haben großes Potential, so der Branchensprecher.

Dafür brauche es aber eine übergreifende, verschränkte Raumordnung, Förder- und Verkehrspolitik , die von Europa, wo die zentralen Verkehrskorridore entworfen werden bis hinunter auf Landes und Gemeindeeben mitgedacht und umgesetzt werden. "Nur so ist sichergestellt, dass unser Produktionsstandort die notwendigen Verkehrsanbindungen hat, dass Wohn- und Gewerbegebiete sinnvoll getrennt und beide noch über Kapazität zur Erweiterung verfügen."

Produktion näher an Logistikknoten bringen
Wenn Industrieunternehmen heute in strukturschwachen Regionen am Rand Europas platziert werden, fernab der Verkehrskorridore bzw. "alternativer" Verkehrsinfrastruktur, dürfe es nicht verwundern, wenn die dort produzierten Güter quer durch Europa, überwiegend auf der Straße, transportiert werden. "Transit entsteht dadurch, dass der Ort der Produktion von jenem des Konsums losgelöst ist, und nicht, weil ihn die Mobilitätswirtschaft will", stellte der Obmann klar.

Die EU-Kommission setzt im Weißbuch "Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum - Hin zu einem wettbewerbsorientierten und ressourcenschonenden Verkehrssystem" auf ambitionierte Ziele, was die Verringerung der Treibhausgas-Emissionen des Verkehrsbereichs um mindestens 60 % bis 2050 betrifft. Hierbei soll die Ko-Modalität der Verkehrsträger helfen. Mit der Zielvorgabe, 50% des Güterverkehrs über 300 km bis 2050 von der Straße auf andere Verkehrsträger zu verlagern, gebe man jedoch die Neutralität anderen Verkehrsträgern gegenüber auf.

Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Kosten durch Umwegverkehre
Die Unübersichtlichkeit und die Vielzahl von Fahrverboten beeinträchtigen einen reibungslosen Lkw-Einsatz und damit die heimische Wirtschaft. "Lieferverkehre werden durch lokales Kirchturmdenken und die mangelnde Einbindung der Wirtschaft beeinträchtigt", kritisierte Klacska. Für Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, den Überblick über die Vorschriften zu bewahren. Beschränkungen, die basierend auf der Straßenverkehrsordnung (StVO) oder dem Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L) erlassen werden, sind nicht abgestimmt

Diese erzwungenen Umwegverkehre verursachen Kosten. Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Lärm, Infrastruktur, Unfallfolgekosten und Klimaveränderung beziffert eine WU-Studie mit ca. 210 bis 280 Millionen Euro pro Jahr. Zusätzlich erhöht sich der CO2-Ausstoß im heimischen Straßenverkehr um 370 bis 490 Tausend Tonnen - und diese Zahlen wurden lediglich auf Basis von Verkehren von österreichischen Unternehmen berechnet. Umwegverkehre ausländischer Unternehmen sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Generalverkehrsplan aus einem Guss
Ein Umdenken ist nötig, denn ökologische Argumentation der Politik für Fahrverbote gehen meist bei genauer Analyse ins Leere. Auch die betriebswirtschaftlichen Schäden für den Wirtschaftsstandort sind erheblich, wie ebendiese Studie belegt. Pro Jahr entstehen für österreichische Transportunternehmen durch Fahrverbote zusätzliche Kosten von rund 2000 Euro pro Lkw. "Wenn wir Verkehr verhindern, verhindern wir auch die Wirtschaft in Österreich. Auch eine vernünftige und übergreifend abgestimmte Planung von Fahrverboten gehört hier dazu. Wir brauchen eine Standortentwicklung, die Verkehrsanbindung und Erreichbarkeit mit berücksichtigt. Wir brauchen eine bundesweite Koordinierung und einen Generalverkehrsplan aus einem Guss." Die nationale Politik müsse in die Pflicht genommen werden, so Klacska.

Der internationale Tag der Logistik findet jährlich an jedem dritten Donnerstag im April statt. Heute, am 19. April 2012, wird in Österreich bereits zum 5. Mal die Möglichkeit geboten, Logistik hautnah zu erleben und Unternehmen kennenzulernen, deren Türen sonst verschlossen bleiben. (PM)

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