Untersuchungsauschuss: Experten kritisieren mangelhafte Vorbereitung der Parteien bei Grasser-Befragung

Parteien sind sich einig: Ex-Finanzminister Grasser wird auf jeden Fall mindestens noch einmal geladen

Wien (OTS) - Für ihr Vorgehen bei der Befragung von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Untersuchungsausschuss am Dienstag hagelt es in der gestrigen ATV Live-Diskussionssendung "Am Punkt" scharfe Kritik für alle anwesenden Parteien. Journalistin Anneliese Rohrer war selbst bei der Befragung des Ex-Politikers im Parlament als Zuhörerin anwesend: "Was mich wirklich fassungslos gemacht hat ist, dass man Karl-Heinz Grasser die Gelegenheit zu einer unglaublichen Show gegeben hat, ohne dass irgendjemand eingegriffen hätte und gesagt hätte `Herr Grasser, Sie missverstehen Ihre Rolle'".

Und auch für "NEWS"-Chefreporter Kurt Kuch ist klar: "Der am besten vorbereitete Mann war der Finanzminister A.D. Der war bis unter die Fingerspitzen vorbereitet und gebrieft."

Im Gegensatz dazu seien die Parteienvertreter im Ausschuss schlecht vorbereitet gewesen, so Anneliese Rohrer und Kurt Kuch. Peter Pilz von den Grünen gibt zu: "Wir müssen, auch wenn es einige nicht wollen - speziell Abwesende (ÖVP, Anmerkung der Redaktion) -uns besser im Ausschuss koordinieren."

Die Schuld an der schlechten Vorbereitung gibt der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner den Regierungsparteien. 50 000 Akten mit Inhalten, die man schon zur Grasser-Befragung gebraucht hätte, seien erst am Tag danach eingetroffen: "Das hat man also gestern nicht fragen können, weil man die Akten dazu nicht hatte und nicht kannte. Es war ein Fehler natürlich - und das muss die Regierung verantworten - schon zu laden. Ich sehe das aber relativ entspannt, der Herr Grasser wird noch einmal kommen müssen."

SPÖ-Fraktionsführer im Untersuchungsausschuss, Hannes Jarolim, verteidigt die frühe Ladung von Grasser: ""Ich kann jetzt nur für die Sozialdemokraten sprechen und nicht für die ÖVP: Die Idee war eben, dass wir ihn zu Beginn konfrontieren - insbesondere mit der Struktur, warum jemand eigentlich, der nix zu verbergen hat, erstens einmal eine Reihe von Stiftungen hat, zweitens eine Konstruktion aufbaut, die nicht uninteressant wirkt, die jedenfalls undurchsichtig ist, eine Reihe von Treuhandschaften aufbaut und das ist das was mich interessiert."

Peter Pilz und Stefan Petzner fordern einmal mehr, dass Karl-Heinz Grasser ein weiteres Mal vorgeladen wird. Auf Nachfrage von Moderator Knapp bestätigt auch Hannes Jarolim (SPÖ), dieser Forderung nachkommen zu wollen: "Ja, er muss. Die zentrale Befragung ist jeweils am Schluss."

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