Präsentation der Hermann-Hesse-Verfilmung "Die Heimkehr" in Berlin

ORF/SWR-Koproduktion von Jo Baier mit Heike Makatsch, August Zirner und Herbert Knaup - am 2. Mai in ORF 2

Wien (OTS) - Zum 50. Todestag von Hermann Hesse präsentiert der
ORF die erste deutsche Verfilmung eines Werks des Literaturnobelpreisträgers. Als bekennender Hesse-Fan inszenierte Regisseur Jo Baier ("Henri 4") die Erzählung "Die Heimkehr" mit Heike Makatsch und August Zirner in den Hauptrollen. Darin geht es um die Suche nach Heimat, nach seelischer Verwurzelung und nach Geborgenheit. In weiteren Rollen sind Herbert Knaup, Margarita Broich, Oliver Stokowski, Annette Paulmann, Robert Spitz u. v. m. zu sehen. Im Rahmen der Präsentation am Mittwoch, dem 18. April 2012, in der ASTOR Film Lounge in Berlin führten Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier sowie die Hauptdarsteller Heike Makatsch, August Zirner und Herbert Knaup die Literaturverfilmung erstmals einem breitem Publikum vor.

August Zirner: "Die Beschäftigung mit Hermann Hesse als Vorbereitung einer Rolle, eines Films, ist eine dankbare Aufgabe"

"Als ich das Drehbuch von Jo Baier bekam und las, dass es auf der Grundlage einer Hesse-Erzählung entstanden ist, zudem die Rolle 'August' heißt, konnte ich nicht umhin, zuzusagen. Die Beschäftigung mit Hermann Hesse als Vorbereitung einer Rolle, eines Films, ist eine dankbare Aufgabe", sagt August Zirner und meint weiter: "'Die Heimkehr' ist für mich ein ewiges Thema. Der heimkehrende August Schlotterbeck (im Film heißt er Staudenmeyer) und sein fremder Blick auf die eigene Heimat und Herkunft hat auch viel mit mir zu tun."

Heike Makatsch: "Ich habe Verständnis für das Gefühl, nicht dazuzugehören und nicht hineinzupassen in einen allseits gepflegten Konsens"

"Ich sehe in Katharina Entriß eine Frau, die ihr Außenseiterdasein akzeptiert, es jedoch nicht gesucht hat. Sie wird aus verschiedenen Gründen aus der moralischen, feindseligen Gemeinschaft ausgeschlossen - der Preis, der zu zahlen wäre, um dort aufgenommen zu werden, ist ihr zu hoch. Sie kann sich nicht der Heuchelei, der Doppelmoral, der Frustration aufgrund von gescheiterten Lebensentwürfen unterordnen. Katharina Entriß bleibt sich treu, geht unbeirrbar ihren Weg, verbiegt sich nicht durch den Druck der Gesellschaft. Doch erst als sie August kennenlernt, kann sie sich aus ihrer Verpanzerung befreien. In der Liebe findet sie Heimat und Schutz", beschreibt Heike Makatsch ihre Rolle und erklärt weiter, was sie an der Rolle fasziniert hat: "Katharina Entriß in ihrer Einsamkeit, ihrem Stolz, ihrer Liebe zu Berta und dem selbstgewähltem Leben außerhalb der gesellschaftlichen Normen und Etiketten hat mich angerührt. Ich habe Verständnis für das Gefühl, nicht dazuzugehören und nicht hineinzupassen in einen allseits gepflegten Konsens. Und mich interessiert eine Figur, die ihre Heimat in ihren eigenen Wahrheiten finden muss, auch wenn diese gesellschaftlich nicht anerkannt werden."

Herbert Knaup: "Hesses Romane haben mich schon als 14-Jähriger begeistert"

"Die Rolle des Bürgermeisters in 'Die Heimkehr' zu entwickeln war eine spannende und herausfordernde Aufgabe. Hesses Romane haben mich schon als 14-Jähriger begeistert. 'Narziss und Goldmund', 'Siddhartha' und 'Der Steppenwolf' waren prägende Bücher zur Selbstfindung. Der Mensch Hesse, der aus dem engen, sperrigen, festgefahrenen Calwer Milieu ausbricht, stieß einen wichtigen Meilenstein meiner Generation an."

Mehr zum Inhalt:

Mit einem Erdbeerbäumchen von der Krim als Erinnerungsstück kehrt August Staudenmeyer (August Zirner) in seinen Heimatort Gerbersau zurück. Vor 30 Jahren verließ er die Stadt im Unfrieden. Nun hat er Sehnsucht nach vertrauten Gerüchen, heimatlichen Klängen und der Landschaft des Schwarzwalds. In Amerika und Russland zu Wohlstand gekommen, will er sich niederlassen und ein neues Unternehmen gründen. Offen und neugierig begegnet August der fremdgewordenen Heimat. In der kleinen Stadt erregt er Aufsehen, Bürgermeister (Herbert Knaup) und Honoratioren umwerben den wohlhabenden Rückkehrer. August selbst freut sich besonders über die Wiederbegegnung mit Hermann Mohr (Oliver Stokowski), seinem besten Freund aus Schultagen. Anders als August hat der begabte Zeichner und Karikaturist 'Mohrle' seine Heimatstadt nicht verlassen, obwohl sein Talent dort nie richtig anerkannt wurde und er nur mühsam seinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Zunächst amüsiert August sich über die Beflissenheit der Gerbersauer genauso wie über die pietistische Frömmelei bei seinem Vetter Lukas Pfrommer (Robert Spitz). Das ändert sich, als er Katharina Entriß (Heike Makatsch) kennenlernt und sich für sie interessiert. Die verwitwete Frau lebt sehr zurückgezogen, kümmert sich um ihre geistesschwache Schwägerin Berta (Annette Paulmann) und um ihren Garten, der unter ihrer Fürsorge üppig blüht. In der Stadt muss August immer wieder beobachten, wie Katharina ausgeschlossen und geschnitten wird. Mit ihrer Zurückhaltung und ihrer Unabhängigkeit ist sie den Gerbersauern offensichtlich ein Dorn im Auge. Es gibt Gerüchte über ihren schlechten Lebenswandel, mit dem sie schon zwei Männer ins Grab gebracht habe. Einzig Hermann Mohr ist Katharina ein ergebener Freund, der seine Zuneigung zu ihr scheu für sich behält. Unter dem Vorwand, sie kümmere sich nicht genug um ihre Schwägerin, versuchen der Bürgermeister und die Spitzen der Gerbersauer Gesellschaft bei Tage, sie aus der stillgelegten Spinnerei zu vertreiben. In der Dämmerung dagegen bedrängt der Bürgermeister die reizvolle Frau mit seinen Anträgen.

Augenscheinlich hat sich in Gerbersau weniger geändert, als August gehofft hatte. Engstirnigkeit und kleinliche Ängste herrschen wie eh und je in vielen Köpfen. Nach seinen Erfahrungen im Ausland, wo er ebenfalls ein Außenseiter war, fühlt er sich der ausgegrenzten Katharina verbunden. Aber es fällt der jungen Witwe schwer, seine vorsichtigen Annäherungen zu akzeptieren. Dass August sich für die verachtete Katharina einsetzt und bei einem Besichtigungstermin in der Fabrik sogar gegen den Bürgermeister und die übrigen Honoratioren offen für sie Partei ergreift, schadet auch seinem Ansehen. August erkennt, dass sein Traum von einem glücklichen Neuanfang in der Heimat wenig Aussicht auf Erfüllung hat. Er will mehr vom Leben, als die Gerbersauer akzeptieren oder auch nur denken wollen. Und so folgt er einer Einladung nach Ulm, um sich ein mögliches Gelände für die geplante Baumwollspinnerei anzusehen. Doch kaum ist er abgereist, ereignet sich bei Katharina eine Katastrophe: Leonore (Margarita Broich), die frustrierte Ehefrau des Bürgermeisters, die ihren Mann schon lange mit ihrem stadtbekannten Hang zum Alkohol provoziert, steckt in ihrer Eifersucht auf Katharina heimlich deren Haus an. Berta, allein zu Hause, gerät in Panik und kommt in den Flammen um. Als August von dem Unglück erfährt, eilt er sofort nach Gerbersau zurück. Er geht direkt zu Katharina und versucht, die Trauernde zu trösten. Das schreckliche Geschehen bestärkt ihn in seinem Entschluss: Er wird Gerbersau wieder verlassen und sich anderswo ganz frei eine neue Existenz aufbauen. Am liebsten möchte er dabei Katharina an seiner Seite haben. Und auch sie ist jetzt bereit, ihm ihr Herz zu öffnen.

"Die Heimkehr" ist eine Produktion der Bavaria Fernsehproduktion GmbH in Koproduktion mit SWR, ARD Degeto, BR und ORF. Gefördert durch die MFG Baden-Württemberg und den FFF Bayern.

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