ÖAMTC Fahrtechnik kritisiert mangelhafte Umsetzung und fehlende Kontrollen in der Berufskraftfahrer-Weiterbildung (+Foto)

Experte fordert verpflichtende Vorgaben für eine praxisnahe Umsetzung und klare Qualitätsstandards für Trainer

Wien (OTS) - In Österreich gibt es ca. 75.000 hauptberufliche Lkw-und Bus-Fahrer. Um der Verantwortung von Berufskraftfahrern gerecht zu werden, hat die EU die Qualifikationskriterien in der Aus- und Weiterbildung mit einer Richtlinie europaweit geregelt. "Mit der Grundqualifikations- und Weiterbildungsverordnung (GWB) wurde vor zehn Jahren eine solide Basis geschaffen, um Sicherheitsstandards im Personen- und Schwerverkehr zu erhöhen. Leider hapert es an der Umsetzung und deren Kontrolle", kritisiert Gerhard Blümel, Leiter der Berufsfahrer Akademie der ÖAMTC Fahrtechnik. Außerdem befürchtet der Fahrtechnik-Experte, dass einerseits der akute Fahrermangel dazu verleiten könnte, die Qualitätskriterien weiter zu untergraben, und dass andererseits am Markt "Goldgräberstimmung" aufkommt, in der Anbieter ans "schnelle Geld" kommen wollen. Blümel fordert die Festlegung von Praxiseinheiten statt ausschließlicher Kurse in Hörsälen, Qualitätsstandards für Ausbildungsstätten und Trainer, klare fachliche Inhalte für die Umsetzung der Weiterbildung sowie regelmäßige Kontrollen dieser Vorgaben.

Aus der EU-Richtlinie 2003/59/EG wurden unterschiedliche nationale Verordnungen. "Die Umsetzung in Österreich ist Ländersache und lässt viel Interpretationsspielraum. Manchmal zu viel", erklärt der Experte der ÖAMTC Fahrtechnik. Trotz Weisung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, dass die Weiterbildung Praxis enthalten soll, kommt es vor, dass die gesamte Weiterbildung als Theoriekurs absolviert wird - also auch die Bereiche Fahrtechnik, Spritsparen oder Ladungssicherung. "Die für die Umsetzung notwendigen Ziele und Inhalte sind sehr mangelhaft beschrieben, damit wäre auch eine Überprüfung kaum möglich", kritisiert Blümel. Der Leiter der Berufsfahrer Akademie hinterfragt auch die Sinnhaftigkeit von Kursen, in denen 35 Stunden an einem Wochenende in einem Hörsaal angeboten werden. "Eine Weiterbildung für Lkw- und Busfahrer muss viele Praxisteile enthalten, die den Anforderungen des Fahrers gerecht werden", weiß der ÖAMTC Fahrtechnik Profi und fordert hier klarere Vorgaben und schärfere Kontrollen der Ausbildungsstätten.

Schwachpunkt Trainer - "Ohne Weiterbildung keine Qualitätssicherung"

Auch bei den Trainern ortet der ÖAMTC Fahrtechnik Experte einen Schwachpunkt. "Es ist zwar festgelegt, wer die Weiterbildung absolvieren muss und welche Inhalte angeboten werden müssen. Es gibt aber kaum definierte Qualitätskriterien für die Trainer - als Fahrschullehrer brauchen sie in manchen Bundesländern keine Weiterbildungen mehr. In der Qualitätssicherung eines seriösen Schulungs-Unternehmens wäre das in der Form nicht möglich", kritisiert Blümel den Status quo.

Als weiteren Kritikpunkt nennt der Leiter der Berufsfahrer Akademie der ÖAMTC Fahrtechnik die Ausbildungsstättengenehmigung. Denn auch diese ist in jedem Bundesland anders. "Man muss für jedes der neun Bundesländer extra eine Ausbildungsstätte genehmigen lassen. Wer fürs Burgenland eine Trainer-Genehmigung hat, darf nicht automatisch auch in Niederösterreich einen Kurs abhalten. Abhilfe würden hier einheitliche Kriterien schaffen", erklärt Blümel.

Bei der Weiterbildung auf Qualität achten

Wie kann nun der Kunde erkennen, ob ein Weiterbildungs-Angebot gut ist? "Im Prinzip sagt schon der Preis viel über die Qualität aus. Ein Gesamtpaket mit 35 Stunden um z. B. 200 Euro lässt darauf schließen, dass die Umsetzung nicht mit dem Schwerpunkt Praxis durchgeführt wird", erklärt der ÖAMTC Fahrtechnik Experte. Als weitere Qualitätskriterien definiert der Fachmann die Gruppengröße und die Zeiteinteilung. "In einer 25-Personen-Gruppe werde ich in einem Theorie-Vortrag über Ladungssicherung wenig mitnehmen. Wenn 12 Personen praktisch selbst Hand anlegen müssen, macht die Weiterbildung wirklich Sinn", fasst Blümel zusammen.

Die Investitionen in eine gute Weiterbildung rechnen sich:
Fahrtechnikkurse können die Anzahl der Unfälle um bis zu 50 Prozent verringern. Ladungssicherungskurse reduzieren Transportschäden bis zu 70 Prozent. Durch Eco Trainings kann der Durchschnittsverbrauch nachhaltig um fünf Prozent gesenkt werden. "Schon mit einer Strafe für falsche Ladungssicherung kann man eine gute Weiterbildung bezahlen", appelliert der ÖAMTC Fahrtechnik Profi an den Hausverstand.

Nähere Informationen zur Berufsfahrer Akademie der ÖAMTC Fahrtechnik findet man unter www.oeamtc.at/fahrtechnik sowie unter www.oeamtc.at/berufskraftfahrer-weiterbildung .

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