Offener Brief gegen eine Kriminalisierung aktionistischer künstlerischer Manifestationen

Anlässlich einer drohenden Verurteilung der Künstlergruppe Pussy Riot in Moskau

Wien (OTS) - Als führende, einem progressivem künstlerischem Schaffen verpflichtete Österreichische Kunstinstitutionen verfolgen die hier Unterzeichneten die Szene junger Künstlerinnen und Künstler in Moskau mit großem Interesse - so auch die dortigen Manifestationen aktionistischen Kunstschaffens, darunter das Schaffen der Gruppe Pussy Riot.

Bei einer Performance am 21. Februar in der Moskauer Christie Erlöser Kirche sangen die als Punk-Rockerinnen auftretenden feministischen Künstlerinnen die provokante Parole "Heilige Maria, gesegnete Jungfrau vertreibe Putin", um auf die Verflechtungen von politischer Macht und Kirche zu verweisen. In der Folge wurden zunächst zwei und mittlerweile drei der mutmaßlich beteiligten Künstlerinnen inhaftiert und sitzen mittlerweile schon länger als ein Monat in Untersuchungshaft. Im Falle einer Anklage drohen ihnen hohe Haftstrafen (von bis zu sieben Jahren), die exemplarisch abschreckend wirken sollen.

Formen aktionistischer Kunst spielen seit dem frühen 20. Jahrhundert international eine wesentliche Rolle und sind in vielen Fällen einer Analyse und Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse und damit emanzipatorischen Anliegen verpflichtet. Die Auseinandersetzung mit der jeweiligen gesellschaftlichen Situation ist eine der ureigensten Aufgaben von Kunst, deren Freiheit zu den wesentlichsten und wertvollsten Gütern eines funktionierenden Gemeinwesens zählt.

In diesem Sinne erfüllt uns die Inhaftierung und Kriminalisierung von mutmaßlichen Mitgliedern der Moskauer Gruppe Pussy Riots aufgrund von deren künstlerischen Aktivitäten mit großer Sorge. Wir treten dafür ein, deren Arbeit als Kunst anzuerkennen und von einer Strafverfolgung abzusehen.

Aica Austria
Akademie der bildenden Künste Wien
Camera Austria
Generali Foundation Wien
Universalmuseum Joanneum
Kunsthalle Krems
Kunsthalle Wien
Lentos Kunstmuseum Linz
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst mumok, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
rotor, association for contemporary art
Salzburger Kunstverein
springerin, Hefte für Gegenwartskunst
Wien Museum
Viennale, Vienna International Film Festival

Rückfragen & Kontakt:

für alle alphabetisch gereihten Institutionen aussendend
mumok Presse
Eva Engelberger, Barbara Hammerschmied
Tel.: +43-1-52500-1400/-1450
press@mumok.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MUM0001