WKÖ-Gleitsmann: Arbeitnehmer in Österreich sehr gut geschützt

Österreich mit höchster Tarifbindung in der EU - Pauschalkritik nicht angebracht - Tritscher: Unklare Rechtslage erschwert, ja verunmöglicht korrekte Zuordnung manchmal geradezu

Wien (OTS/PWK250) - "Rund 98 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer sind von Kollektivverträgen und damit von Mindestlöhnen erfasst. Das ist Europaspitze, in Deutschland etwa ist nur jeder zweite Arbeitnehmer geschützt", entgegnet Martin Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Pauschalkritik, Arbeitnehmer würden bei Einstufungen benachteiligt. "Es ist Aufgabe der Arbeitnehmer, anspruchsbegründende Zeiten nachzuweisen. Macht der Arbeitnehmer das nicht, stuft das Unternehmen entsprechend ein", sagt Gleitsmann und stellt klar: "Verfallsfristen dienen der Rechtssicherheit beider Seiten, weil niemand mit jahrelangen Rückforderungen, die auch den Arbeitnehmer treffen können, konfrontiert sein will."

Dazu kommt, dass Einstufungen vielfach komplex und nicht eindeutig sind. Erst 2011 hat der Oberste Gerichtshof die langjährige Frage entschieden, wo Kassiere im Kollektivvertrag für Handelsangestellte einzustufen sind - noch die zweite Instanz hatte den entgegengesetzten Standpunkt vertreten. Es ist Aufgabe der Kollektivvertrags-Parteien, Arbeitnehmer und Unternehmen, insbesondere KMU über Einstufungsmodi zu informieren. "Sich über seinen Kollektivvertrag zu erkundigen, ist aber auch eine Holschuld und liegt in der Eigenverantwortung des Einzelnen", so Gleitsmann.

"Österreichische Arbeitnehmer sind sehr gut geschützt: Die korrekte Entlohnung wird auch von den Gebietskrankenkassen streng kontrolliert und schließlich gehen die heimischen Unternehmen - im Gegensatz zu anderen Ländern - sogar oft weit über das kollektivvertragliche Niveau hinaus", unterstreicht der WKÖ-Experte.

"Unternehmen stufen Beschäftigte ja nicht aus Jux und Tollerei falsch ein", stellt René Tritscher, Geschäftsführer der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer, vehement klar: "Vielmehr erschwert, ja verunmöglicht eine unklare Rechtslage manchmal geradezu die korrekte Zuordnung in die richtige Gehaltsgruppe. Deshalb ist die Bundessparte Handel auch in Sachen einer umfassenden Reform des Beschäftigungsgruppenschemas im Kollektivertrag aktiv tätig. Jetzt liegt der Ball bei der Gewerkschaft", so Tritscher.

Als positives Beispiel für ein pro-aktives Vorgehen der Unternehmen in Sachen Einstufung zu Gunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nennt Tritscher die Maßnahmen der Handelsbetriebe auf Basis eines Entscheides der Obersten Gerichtshofes bezüglich der Einstufung von Kassiererinnen und Kassieren: "Der OGH hat Rechtssicherheit geschaffen, die Unternehmen haben die Einstufung rasch umgesetzt", so Tritscher. (PM/JR)

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Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Handel
Mag. René Tritscher
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