Bildungs-Volksbegehren: Ausschuss setzt Beratungen fort ExpertInnen einig: Schule muss Wissensdurst und Neugierde erhalten

Wien (PK) - Der zur Behandlung des Bildungs-Volksbegehrens eingesetzte Spezialausschuss des Nationalrats setzte heute seine Beratungen fort. Dabei ging es zunächst um Fragen der Pädagogik. Die VertreterInnen des Volksbegehrens fordern unter anderem eine bessere Förderung von Talenten und Fähigkeiten, mehr Unterstützung für "RisikoschülerInnen", mehr Vielfalt im Unterricht, eine Sprengung des Korsetts der 50-Minuten-Stunde, fächerübergreifende Stoffvermittlung, die systematische Abschaffung des Sitzenbleibens und ein weitgehendes Ende der Nachhilfe. Mittel- bis langfristig treten sie zudem für eine gemeinsame Schule bis zum Ende der Schulpflicht und ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen ein.

Eine weitere Sitzung des Ausschusses ist für den 7. Mai geplant, wobei die Abgeordneten heute ihre Absicht bekräftigten, über eine gemeinsame Entschließung als Beratungsergebnis zu verhandeln. Ausschussvorsitzender Elmar Mayer (S) will dazu bereits im Vorfeld gemeinsame Standpunkte der Fraktionen ausloten. Unterrichtsministerin Claudia Schmied betonte heute unter anderem, man müsse in der Schule zu "einer Kultur des Gelingens" kommen.

Androsch: Kein Kind darf zurückgelassen werden

Eingeleitet wurde das Hearing zum Themenkomplex "Pädagogische Schwerpunkte" durch Stellungnahmen von VertreterInnen des Bildungs-Volksbegehrens. Den Anfang machte dabei der Bevollmächtigte des Volksbegehrens Hannes Androsch, der auf die Notwendigkeit verwies, das österreichische Bildungssystem "wirkungsvoll in das 21. Jahrhundert zu bringen" und das Bildungsniveau insgesamt zu heben. Auf Initiative von Unterrichtsministerin Schmied seien bereits wichtige Teilschritte gesetzt worden, meinte er, weitere Schritte müssten aber folgen.

Androsch hält es insbesondere für notwendig, an den Schulen den Wissensdurst zu wecken und zu erhalten. Der Unterricht und dessen Ergebnis könnten aber nur so gut sein, wie das Lehrpersonal, unterstrich er. Seiner Ansicht nach kommt daher der LehrerInnenauswahl und -ausbildung eine hohe Bedeutung zu. LehrerInnen müssten ihre Aufgabe als Berufung und nicht vorrangig als Erwerbsarbeit begreifen, appellierte Androsch und sprach sich für eine gemeinsame Ausbildung auf akademischem Niveau aus. Um kein Kind auf dem Bildungsweg zurückzulassen, braucht es ihm zufolge außerdem ganztägige Schulen und eine altersmäßig deutlich spätere Differenzierung. Weiters trat der Initiator des Volksbegehrens für eine einheitliche Bundeszuständigkeit für Bildung und mehr Schulautonomie ein.

Wentner: Halbtägiges Regelschulsystem erzwingt Teilzeitarbeit

Die Mitinitiatorin des Volksbegehrens, Unternehmensberaterin Gundi Wentner, stellte zentrale Problemfelder dar, die ihrer Analyse zufolge aus den Versäumnissen in der Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte resultieren. Als erstes beschrieb sie den Arbeitskräftemangel in vielen Wirtschaftssektoren. Es sei bereits jetzt ein erhöhter Bedarf an Lehrlingen mit notwendigen Grundkenntnissen zu verzeichnen, und die "Knappheit" an qualifizierten Arbeitskräften setze sich in kaufmännischen und technischen Bereichen fort, meinte sie. Auch im Lehrpersonal würden auf Grund der anstehenden Pensionierungen in den kommenden Jahren Lücken zu füllen sein. Gleichzeitig gebe es in Österreich 75.000 Jugendliche ohne Schulabschluss.

Wentner erachtet daher eine Verbesserung der schulischen Rahmenbedingungen für dringend angeraten und machte sich unter anderem für die Ganztagsschule stark. Schließlich habe das derzeitige halbtägige Regelschulsystem auch negative Auswirkungen auf die Stellung der Frauen am österreichischen Arbeitsmarkt, gab sie zu bedenken. Eltern und insbesondere Mütter müssten das schulische Weiterkommen ihrer Kinder bis zu deren Schulabschluss intensiv mitbetreuen, da an den Halbtagsschulen für die Vorbereitung für Schularbeiten, Hilfestellung bei Hausübungen sowie für sportliche und künstlerische Aktivitäten keine Zeit sei, monierte die Unternehmensberaterin. In Folge wäre für die meisten Frauen nur eine Halbtagsanstellung bis zum 18. Lebensjahr ihrer Kinder möglich, wodurch sie geminderte Karrierechancen und weniger Gehalt in Kauf nehmen müssten. Das führe gerade für Alleinerzieherinnen oft in die "Armutsfalle" und zu sozialer Diskriminierung, prangerte Wentner an.

Schilcher: Modernisierung des Bildungssystems dringend notwendig

Als weiterer Vertreter des Volksbegehrens forderte Bildungsexperte Bernd Schilcher, der Früherkennung von Talenten bei Kindern und der Kompensation von Schwächen mehr Aufmerksamkeit in der Bildungspolitik zu widmen und, wie im Bildungs-Volksbegehren vorgeschlagen, in den Jahren 2013 bis 2020 konkrete Schritte zu setzen. Es gelte, den Unterricht und die damit verbundene Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu modernisieren, etwa durch selbständige Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit und Praktika oder kreatives Lernen, schlug Schilcher vor. An österreichischen Schulen werde noch zu viel Theorie weitergegeben, es mangle jedoch am "Erfahrungslernen", das eine selbstständige Reflexion über die erworbenen Lerninhalte miteinbezieht.

Wie seine Vorrednerin erwähnte auch Schilcher die 75.000 jungen Menschen in Österreich, die über keinen Schulabschluss verfügen. Er ortet diese Risikogruppe vor allem in bildungsfernen Schichten sowie bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Eine aktive Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik müsse daher neben der bereits bestehenden Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen, ebenfalls die Option für einen nachträglichen Berufsschulabschluss bieten, so der Universitätsprofessor. Außerdem sei die Zahl der Arbeitsplätze an überbetrieblichen Lehrwerkstätten aufzustocken, um Perspektivenlosigkeit bei jungen Leuten zu vermeiden. Immerhin würden SchulabbrecherInnen dem Staat und damit den SteuerzahlerInnen enorme Kosten in Milliardenhöhe verursachen, warnte Schilcher. Derzeit, so merkte der Redner an, gebe es in Österreich bis zu 30% "RisikoschülerInnen", deren Lesevermögen und naturwissenschaftliche sowie mathematische Kompetenzen unter dem OECD-Vergleichswert liegen. Dieser Prozentsatz müsse bis 2020 zumindest halbiert werden.

Koenne: Es darf nicht möglich sein, SchülerInnen "loszuwerden"

Christa Koenne, Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Universität Klagenfurt, plädierte für einen gemeinsamen Unterricht aller Schulpflichtigen, gab aber zu bedenken, dass die Ausbildung von AHS-LehrerInnen nicht darauf ausgerichtet sei und es daher auch Vorbehalte der LehrerInnen gegen eine gemeinsame Schule gebe. Ihrer Ansicht nach benötigt man ein Bildungssystem, das es unmöglich macht, Kinder bis zum Ende der Schulpflicht "loszuwerden". Schulisches Versagen dürfe bzw. könne erst nach dieser Zeit möglich sein. Dann aber sollten die SchülerInnen mehr Verantwortung für ihre Bildung übernehmen. Derzeit würden OberstufenschülerInnen nicht anders behandelt als UnterstufenschülerInnen, kritisierte Koenne, man müsse von dieser "Infantilisierung" wegkommen.

Enzenhofer urgiert Bildungspflicht für Jugendliche

Der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer, warf den ProponentInnen des Bildungs-Volksbegehrens vor, einige Daten und Fakten durcheinanderzumischen. So führt er etwa das gute Abschneiden finnischer SchülerInnen beim Lesen darauf zurück, dass es dort viel weniger MigrantInnen als in Österreich gibt. Überdies wies er darauf hin, dass es im Bereich der auch von ihm als wichtig qualifizierten Talenteförderung bereits etliche Angebote gebe. In der Schule gehe es nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, eine wesentliche Frage sei auch die der Menschenbildung, betonte Enzenhofer.

Die Zahl jener SchülerInnen, die nach der Pflichtschule weder eine weiterführende Schule besuchen noch eine Berufsausbildung machen, konnte laut Enzenhofer von 17% auf 12% gesenkt werden. Er erachtet in diesem Bereich aber noch weitere Anstrengungen für erforderlich und sprach sich dafür aus, eine Art Bildungspflicht für Jugendliche einzuführen. Seiner Meinung nach sollte man außerdem berufsbildende Schulen auch für SchülerInnen aus dem Ausland öffnen.

Fischer: Selektion findet bereits in Volksschule statt

Peter Fischer, Pädagogische Hochschule Vorarlberg, gab in seinem Statement zu bedenken, dass die frühe Trennung der SchülerInnen "fatale" Auswirkungen auf die Volksschulen habe, weil bereits dort "Selektion pur" stattfinde. Junge LehrerInnen würden sehr darunter leiden, dass sie ihre pädagogischen Konzepte auf Grund des Drucks der Eltern in der dritten und vierten Volksschulklasse über Bord werfen müssten, weil nur eines gefordert werde: "Leistung, Leistung, Leistung". Man brauche in der Schule eine andere Beurteilungskultur, mahnte Fischer, nur so könne die Begeisterung der SchülerInnen erhalten bleiben. Das Bildungssystem dürfe nicht selektieren. Fischer wies überdies auf eine erfolgreiche Umstellung des Bildungssystems in Polen hin: dort seien nun nach sechs Pflichtschuljahren noch drei AHS-Jahre für alle vorgesehen.

Amlinger: Freie Schulwahl ist wichtig

Florian Amlinger, stellvertretender Bundeselternsprecher der österreichischen Waldorfschulen, hob ebenfalls die Notwendigkeit hervor, die Neugierde und die Begeisterungsfähigkeit von Kindern in der Schule zu erhalten. Es gebe eine enorme Vielfalt von Begabungen, betonte er, daher sei auch eine Vielfalt bei den Schulprofilen wichtig. Schulen sollten sich autonom entscheiden können, welche Art der Methode, welche Schwerpunkte und welche Geschwindigkeit beim Unterricht sie wählten. Gleichzeitig müsse die Schule für Eltern und SchülerInnen frei wählbar sein. Als Aufgabe des Staates sieht es Amlinger, Rahmenbedingungen zu schaffen und darauf zu achten, dass kein Schüler bzw. keine Schülerin aus dem Bildungssystem herausfällt.

Bundesschulsprecherin Kolmann fordert "gläserne Note"

Cornelia Kolmann, Bundesschülervertretung, trat unter anderem für mehr Autonomie der Schulen und für eine fundierte Lehrerausbildung ein. Die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik sollte ihrer Meinung nach allerdings erhalten bleiben. Für SchülerInnen erachtet Kolmann einen Talente- und Kompetenzcheck für sinnvoll. Noten lehnt sie nicht per se ab, demotivierend sei aber die Intransparenz der Notengebung. Die Bundesschulsprecherin forderte in diesem Sinn "gläserne Noten".

Kimberger: LehrerInnen brauchen mehr Zeit zum Unterrichten

Paul Kimberger, Vorsitzender der Pflichtschullehrergewerkschaft, unterstrich, gute Schule sei nur mit guten LehrerInnen zu machen. Österreich habe gute Schulen, er lasse sich diese nicht schlecht reden, hielt er fest. LehrerInnen bräuchten aber mehr Zeit für ihre eigentliche Kernaufgabe, das Unterrichten. Derzeit ginge viel zu viel Zeit für Disziplinierungsmaßnahmen und Organisation auf. Kimberger plädierte in diesem Sinn für interne und externe Unterstützungssysteme und hob etwa die Nachmittagsbetreuung durch FreizeitpädagogInnen hervor. Qualitätssicherung koste aber Geld, gab der Lehrergewerkschafter zu bedenken. Kimberger bekannte sich weiters zur universitären Lehrerausbildung auf Masterniveau.

Schmied: Schule braucht "Kultur des Gelingens"

Unterrichtsministerin Claudia Schmied führte aus, die Forderungen des Bildungs-Volksbegehrens würden im hohen Maß ihren bildungspolitischen Zielen entsprechen. Auch sie halte die Förderung von Talenten, Freude am Lernen, den Erwerb sozialer Fähigkeiten und Persönlichkeitsentwicklung für enorm wichtig. Man brauche auch gegenseitigen Respekt und Wertschätzung, hier könnten die Schulpartnerschaft und die LehrerInnen als Vorbild wirken. Schmied zufolge führt aber kein Weg an der Erziehungsverantwortung der Eltern vorbei.

Die Unterrichtsministerin wies darauf hin, dass zuletzt mehrere Gesetzesbeschlüsse zur Verbesserung des Bildungssystems gefasst worden seien. Im Konkreten nannte sie die Ausweitung der schulischen Tagesbetreuung, die Oberstufe Neu, die Integration in der neunten Schulstufe, die Neue Mittelschule, das erleichterte Nachholen von Bildungsabschlüssen, das neue Dienstrecht für Pädagogische Hochschulen und Änderungen bei der Schulaufsicht. Was man dringend in den Schulen brauche, sei eine "Kultur des Gelingens", sagte Schmied, eine Haltung, die geprägt sei vom Motto "Yes, we can".

Die Reaktion der Abgeordneten

Im Anschluss an die Expertinnen und Experten waren die Abgeordneten an der Reihe, ihre Schwerpunkte zu formulieren.

Abgeordneter Ewald Sacher (S) trat für eine Ausdehnung des Modularsystems nach dem Vorbild der im letzten Jahr beschlossenen Oberstufenreform ein, um, wie er sagte, das Wiederholen einer ganzen Schulstufe wegen einer Teilleistungsschwäche hintanzuhalten. In der Ganztagsschule wiederum sah er einen wichtigen Schritt, der eine Förderung ohne Diskriminierung und unter Rücksichtnahme auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der Kinder ermöglicht. Für seine Fraktionskollegin Abgeordnete Rosa Lohfeyer (S) waren ganztägige Schulformen das einzige Mittel, Stress sowohl für LehrerInnen als auch für SchülerInnen zu vermeiden. Abgeordneter Franz Riepl (S) sprach von der Notwendigkeit, den Abschluss einer Berufsausbildung nachzuholen, während Abgeordnete Ulrike Königsberger-Ludwig (S) die Kinder mit Behinderungen ins Bild rückte und für gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern in der Schule plädierte.

Die Inklusion war auch Anliegen von Abgeordnetem Franz-Joseph Huainigg (V), der in diesem Zusammenhang auch seine Skepsis gegenüber den Sonderschulen zum Ausdruck brachte. Abgeordneter Werner Amon (V) setzte Akzente vor allem auf die Bereiche frühkindliche Pädagogik und Sprachförderung und betonte zudem mit Nachdruck, die Schulpflicht sollte automatisch mit dem Erreichen des definierten Bildungsziels verknüpft werden, wobei er die Idee einer Bildungsgarantie bis zur Volljährigkeit zur Diskussion stellte. Abgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager (V) brachte die Berufsbildung zur Sprache und wünschte eine Verbesserung der Durchlässigkeit und Anrechenbarkeit zum Hochschulbereich, meinte aber grundsätzlich, Berufsbildung sollte insgesamt im Sekundarbereich verbleiben.

Abgeordneter Walter Rosenkranz (F) trat dafür ein, die Lehrpläne zu entrümpeln und auf den Wissensstand zu konzentrieren, den man zu Beginn des 21. Jahrhunderts braucht. Bei den ganztägigen Schulformen wiederum wäre seiner Meinung nach darauf zu achten, dass manche Eltern aufgrund ihrer Vorbildung und ihrer Möglichkeiten das Geschick über die Bildung ihrer Kinder nicht gänzlich der Schule übergeben wollen. Es sollte jedenfalls zu denken geben, dass gerade in den Ländern mit Gesamtschulpraxis das Angebot an Privatschulen am größten ist. Insgesamt rief Rosenkranz dazu auf, Ideologie und Parteipolitik aus dem Bildungsbereich herauszuhalten.

Abgeordneter Harald Walser (G) unterstrich, im Mittelpunkt sämtlicher Überlegungen habe das Kind zu stehen, Aufgabe der Schule sei es, Leistung und angstfreies Lernen zu ermöglichen. Hauptübel des derzeitigen Systems sei die zu frühe Trennung der Kinder auf Basis der Noten in der Volksschule, kritisierte der Bildungssprecher der Grünen und plädierte deshalb für die gemeinsame Schule der Zehn- bis Vierzehnjährigen. Abgeordnete Helene Jarmer (G) wies auf die besonderen Bedürfnisse behinderter Kinder sowie auf den damit verbundenen finanziellen Mehraufwand hin und forderte einen barrierefreien Zugang zu den Universitäten.

Abgeordnete Ursula Haubner (B) stellte ihrerseits fest, die Schule der Zukunft müsse ein pädagogischer Dienstleister sein, der auf die geänderten Lebens- und Familienverhältnisse der Eltern Bedacht nimmt, und dürfe kein Kind zurücklassen. An einem flexiblen Angebot von ganztägigen Schulen werde man nicht vorbeikommen, schloss sie daraus. Wichtig war für Haubner überdies ein neues Lehrerdienstrecht, das sich nicht nur am Unterricht, sondern auch an den sonstigen pädagogischen Aufgaben orientiert. Auch gehe es darum, die Vielfalt der weiterführenden Schulen sowie die duale Ausbildung in Österreich beizubehalten.

Die Expertinnen und Experten

Bernd Schilcher trat seitens der Proponenten des Volksbegehrens für eine schrittweise Erweiterung der Schulpflicht ein und unterstrich ferner die Forderung nach Support-Systemen an den Schulen hinsichtlich psychologischer Betreuung oder Sprachvermittlung. Insgesamt vermisste er klare Zielsetzungen in der Schulpolitik.

Gundi Wentner präzisierte den Vorschlag der Ganztagsschulen als Abfolge von Lerneinheiten, Sport- und Projekteinheiten inklusive Mittagsverpflegung.

Hannes Androsch wandelte das "Yes we can"-Motto der Unterrichtsministerin in den Satz "Yes we could, yet we have still to do" um und betrachtete gerade die Einführung von Ganztagsschulen als entscheidenden Faktor.

Christa Koenne, die eine abschließende Runde der Expertinnen und Experten eröffnete, gab zu bedenken, bei den ganztägigen Schulformen seien nicht nur die Tage, sondern auch die Woche und das Jahr neu zu gestalten. Klar sollte dabei sein, dass die gemeinsame Zeit der Eltern mit ihren Kindern nicht für Schule und auch nicht für private Nachhilfe zu verbrauchen sei. Die Integration sah Koenne wiederum als Inklusion sämtlicher Formen von Behinderung, aber auch sämtlicher Kulturen.

Fritz Enzenhofer wandte sich gegen jegliche Dramatisierung und betonte unter Hinweis auf eine Umfrage unter Top-Managern in Europa, die österreichische Schule genieße aufgrund ihrer hohen Qualität großes internationales Ansehen. Wichtig wäre es seiner Meinung nach aber, den Lehrberuf für die jeweils Besten attraktiv zu machen.

Peter Fischer sprach sich vehement gegen eine frühe Trennung der Kinder nach der Volksschule und gegen die Sonderschule aus. Er forderte eine aussagekräftige Leistungsbeurteilung und kritisierte das derzeitige System der Ziffernbenotung.

Florian Amlinger erinnerte, viele Forderungen des Volksbegehrens seien in den Waldorfschulen bereits verwirklicht. Wichtig war für ihn vor allem die Freiheit der Bildung, wobei er betonte, die Kompetenz für die Bildung liege nicht beim Staat, sondern bei den PädagogInnen.

Cornelia Kolmann meinte, wichtig sei weniger die Organisationsstruktur als vielmehr die Qualität der Schule. Ihre Anliegen waren die Erhöhung der Autonomie der einzelnen Schulen, die Erstellung eines Förderangebotes sowohl für begabte als auch für schwache SchülerInnen, aber auch die Entlastung der LehrerInnen durch den Einsatz von SchulpsychologInnen, SozialarbeiterInnen oder LebensberaterInnen.

Paul Kimberger betrachtete die Herstellung von Chancengerechtigkeit als Aufgabe der Bildungspolitik und meinte, es müsse dabei auf die unterschiedlichen Begabungen, aber auch auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land Rücksicht genommen werden. Spaß allein könne nicht die Maxime pädagogischen Handelns sein, warnte er überdies. Hohen Stellenwert wies er auch einem modernen und attraktiven Lehrerdienstrecht zu, das geeignet ist, viele junge Menschen zu überzeugen, in den Lehrberuf einzusteigen. Die Bezahlung sollte dabei seiner Meinung nach auf Masterniveau aufbauen.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied nannte als ihr politisches Ziel die gemeinsame Ganztagsschule, schränkte jedoch ein, in der Politik gehe es um das Machbare. Dieses sei in der jetzigen Situation eine Kombination aus neuer Mittelschule und ganztägigen Schulangeboten. (Fortsetzung Besonderer Ausschuss)

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