Neue AK-Studie bestätigt arbeitsbedingte Zunahme psychischer Krankheiten

Maßnahmenpaket ohne kassenfinanzierte Psychotherapie bleibt wirkungslos!

Wien (OTS) - Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) begrüßt die Forderungen des AK-Präsidenten Tumpel nach Präventionsstrategien und Ausbau des ArbeitnehmerInnen-Schutzes gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz.

Psychische Störungen haben immer vielfältige Ursachen

Psychische Probleme und Störungen sind in den meisten Fällen multifaktoriell zu erklären. Krankheitssymptome treten besonders häufig dann auf, wenn zu den arbeitsbedingten Problemen auch noch andere Belastungsfaktoren, wie z. B. private und soziale Probleme oder generell erhöhte Verletzbarkeit aufgrund der persönlichen Lebensgeschichte hinzukommen. Beispielsweise haben auch MigrantInnen und Arbeitslose ein besonders hohes Risiko, von psychischen Störungen und langfristiger Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit betroffen zu sein.

Bei psychischen Krankheitssymptomen soll immer PsychotherapeutIn aufgesucht werden

Gründsätzlich sind Präventionsmaßnahmen immer als ungenügend anzusehen, wenn bereits Kranheitssymptome wie Depression, Angststörungen, Schlafstörungen, Müdigkeit und Erschöpfungszustände aufgetreten sind. Selbst psychische Leiden, die rein im Berufsleben durch dauerhaften Stress, erhöhten Leistungsdruck, Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, Überbelastung oder Mobbing entstanden sind, erfordern zur Wiederherstellung der Gesundheit meist eine Auszeit vom Beruf und psychotherapeutische Behandlung während des Krankenstandes.

Nicht zuletzt fürchten die Betroffenen oft, die Probleme am Arbeitsplatz im Unternehmen anzusprechen. Sie brauchen dafür neutrale Ansprechpersonen, die Hilfe, konkrete Unterstützung und Empowerment außerhalb des Unternehmens anbieten.

Ein wirkungsvolles Maßnahmenpaket muss also auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen mit psychischen Problemen zugeschnitten sein. Neben der Verbesserung der Arbeitsplatzqualität muss es prioritär auch die Möglichkeit zur kassenfinanzierten psychotherapeutischen Behandlung von psychischen Störungen geben. Ohne leistbare Behandlungsangebote bleiben Präventionsmaßnahmen ansonsten bruchstückhaft.

ArbeitsmedizinerInnen und -psychologInnen sollen zur Psychotherapie schicken können

Jeder Arbeitsmediziner wird jemanden mit arbeitsbedingtem Bluthochdruck selbstverständlich zum Facharzt zu schicken. Im Bereich der psychischen Erkrankungen ist die Zuweisung zum/r PsychotherapeutIn jedoch noch immer mit großen Hindernissen verbunden. Die kassenfinanzierte Psychotherapie ist seit 20 Jahren eine gesetzlich verankerte Pflichtleistung der Krankenkassen - die von den Kassen aber noch immer nicht erfüllt wird. In Österreich sind psychisch Kranke aus diesem Grund nicht mit somatisch Kranken gleichgestellt. Wie Untersuchungen zeigen, kann sich die Mehrheit der Betroffenen eine Psychotherapie aus eigener Tasche mit dem geringen und seit 20 Jahren (!) nicht wertangepassten Zuschuss der Kassen von Euro 21,80 pro Behandlungsstunde nicht leisten.

Die Folgen von Nicht-Behandlung und lückenhaften Maßnahmenpaketen:

Laut AK-Studie gesamtwirtschaftliche Kosten in der Höhe von 3,3 Milliarden Euro jährlich!

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Mag.a Barbara Zsivkovits
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