Verschnaufpause für Platter

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: Mit seinem fulminanten Sieg bei
den Innsbrucker Gemeinderatswahlen sorgt Christoph Platzgummer vorerst für Ruhe in der ÖVP. Größter Verlierer ist angesichts der historisch schlechten Wahlbeteiligung die Demokratie.

Von Mario Zenhäusern
Tirols VP-Granden befanden sich gestern in Feierlaune. Die Innsbrucker Gemeinderatswahlen verliefen ganz nach dem Geschmack von Parteichef Günther Platter und seinem Innsbrucker Obmann Franz X. Gruber. Zumindest vordergründig ist das Kalkül der beiden, der bis dahin den Wahlkampf dominierenden Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer mit Christoph Platzgummer einen echten Gegner vorzusetzen, aufgegangen. Der neue VP-Star Platzgummer hat die Bürgermeisterin nicht nur in eine Stichwahl gezwungen, in seinem Sog stieg die ÖVP auch zur stärksten Kraft in Innsbruck auf.
Ob auch der zweite Teil des Plans aufgeht, dass sich nämlich die beiden VP-Listen zusammenraufen und gemeinsam das Rückgrat einer neuen Stadtregierung bilden werden, steht in den Sternen. Nicht nur, weil Oppitz-Plörer zuletzt auch mit anderen Konstellationen geliebäugelt hatte. In den vergangenen Wochen haben beide Spitzenkandidaten viel Porzellan zerschlagen - und es ist nicht zu erwarten, dass sie in den zwei Wochen bis zur Stichwahl plötzlich die Samthandschuhe auspacken. Schließlich haben beide das gleiche Ziel:
den Bürgermeistersessel.
Wie nicht anders zu erwarten, blieben die anderen Parteien in diesem Duell auf der Strecke - mit Ausnahme der Grünen und den erstmals in Innsbruck antretenden Piraten. Beide dürften in erster Linie vom schlechten Image der Politik ganz allgemein und der zuletzt arg gebeutelten Tiroler ÖVP im Besonderen profitiert haben. Dass es trotz allem nicht zu mehr gereicht hat - gerade die Grünen sind angetreten, bestimmende Kraft in Innsbruck zu werden -, liegt wohl hauptsächlich an der historisch schlechten Wahlbeteiligung. Nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten machten gestern von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Das macht betroffen und stimmt nachdenklich. Die Politiker müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie mit den Werten, die sie vertreten, nicht mehr zur Bevölkerung durchdringen. Fest steht, dass jene, die von ihrem Wahlrecht nicht Gebrauch gemacht haben, nur der ÖVP in die Hände gespielt haben.
Mit seinem fulminanten Wahlsieg hat Christoph Platzgummer der ÖVP und vor allem Landeshauptmann Günther Platter eine Verschnaufpause verschafft. Die zuletzt immer aufmüpfigeren Kritiker in den eigenen Reihen sind zumindest für die zwei Wochen bis zur Stichwahl ruhig gestellt. Wies danach weitergeht, wird auch davon abhängen, inwieweit Oppitz-Plörer und Platzgummer imstande sind, die im Wahlkampf aufgerissenen Gräben zuzuschütten.

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