Gesundheitsreform: Rating für Spitäler gefordert

Wien (OTS) - Ordensspitäler: Mehr Transparenz bei Qualität und Effizienz als Voraussetzung für Erhalt des AAA des Gesundheitswesens - Leistungsorientierte Finanzierung und sinnvolle Investitionen notwendig - Bewertung durch unabhängigen Dritten

Ein "Rating" für die Leistungen im Gesundheitsbereich fordern die österreichischen Ordensspitäler. Besonders bei den Krankenanstalten sei ein solches Benchmarking notwendig, um endlich mehr Transparenz in das Spitalsangebot zu bekommen, erklärte Pater Leonhard Gregotsch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs, bei einem Pressegespräch am 13. April in Wien. Dies sei eine der wesentlichen Forderungen an die Politik im Rahmen der bevorstehenden Gesundheitsreform.

"Nur so können wir den hohen Standard des heimischen Gesundheits-wesens erhalten. Mehr Transparenz bedeutet eine Absicherung unseres AAA im Gesundheitsbereich", so Pater Gregotsch. Eine sinnvolle Spitalsreform müsse überdies auch die Angebotsvielfalt für die Patienten erhalten. "Dies soll endlich durch eine Gleichbehandlung der Ordensspitäler mit den öffentlich-rechtlichen Krankenhäusern durch die Bundesländer garantiert werden."

Pater Gregotsch betonte, dass in einer Spitalsreform auch die Finanzierung aus einer Hand enthalten sein müsse, um das derzeitige System von undurchsichtigen Geldströmen mit diversen Förderungen, Zuschüssen etc. zu optimieren.

"Effizienz = Verhältnis von Kosten und Nutzen" - auch und gerade im Gesundheitssystem

"Das Gesundheitswesen ist neben den Bereichen Pensionen und öffentliche Verwaltung einer der drei Kernbereiche bei der Budgetkonsolidierung in Österreich", betonte Univ.-Prof. Dr. Gottfried Haber, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt sowie designierter Leiter des Zentrums für Management im Gesundheitswesen an der Donau-Universität Krems. "Auch hier gilt: Effizienz ergibt sich aus dem Verhältnis von Kosten und Nutzen.

Der Nutzen muss sowohl in Hinblick auf die Qualität der medizinischen Leistung als auch unter dem gesamtwirtschaftlichen Aspekt, also Wertschöpfung und Arbeitsplätze, gesehen werden." Daher sei für sinnvolle Entscheidungen im Gesundheitssystem vollkommene Transparenz bei Kosten, Qualität und regionalökonomischer Wirkung notwendig.

Im Sinne von Transparenz müsse daher die medizinische Leistung für alle Krankenhäuser gleich bezahlt werden. Ein LKF(Leistungsorientierte Krankenhausfinanzierung)-Punkt müsse also überall gleich viel wert sein. Haber: "Selbstverständlich gibt es aber regionale Unterschiede in den Kosten der Leistungserstellung, die berücksichtigt werden sollen. Allerdings nicht in Form unterschiedlicher Werte der LKF-Punkte, sondern über klare zusätzliche Leistungsvereinbarungen der öffentlichen Hand mit den Krankenhäusern für besondere Versorgungsaufgaben."

Eine generelle Subventionspolitik mit jeweils unterschiedlichen LKF-Werten und Zuschüssen mache die Steuerung des Systems fast unmöglich. "Wir müssen weg von Systemen, die fast die Hälfte der Gesamtkosten über systematische Abgangsdeckungen finanzieren, hin zu echten leistungsorientierten Finanzierungssystemen", so Prof. Haber. Gegen undifferenzierte Sparpolitik - für sinnvolle Investitionen "Will man die Finanzierbarkeit und die Qualität des österreichischen Gesundheitswesens auf Dauer sichern, wird man investieren müssen -und zwar konsequent in Qualität und Effizienz", erklärte Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe und Mitglied der Bundesgesundheitskommission. "Undifferenzierte Ausgabenkürzungen werden jedoch medizinische Leistungs- und Qualitätseinbußen nach sich ziehen."

Um konsequent in Qualität und Effizienz investieren zu können, müsse, so Heinisch, eine nachhaltige Gesundheitsreform zuerst Transparenz hinsichtlich der erbrachten medizinischen Qualität und des Effizienz-niveaus der einzelnen Gesundheitseinrichtungen schaffen. Derzeit werden bereits Qualitätserfassungssysteme auf nationaler Ebene vorbereitet. "Die Ergebnisse von Erhebungen hinsichtlich medizinischer Qualität und Patientenzufriedenheit müssen ausschlaggebend für künftige Investitionsentscheidungen sein", betonte Heinisch. Überdies liegen für sämtliche Krankenanstalten Kosten- und Effizienzvergleiche des Gesundheitsministeriums vor, die zu berücksichtigen sind.

Heinisch: "Die Forderung nach mehr Transparenz im Gesundheitswesen ist auch ein Akt der Wertschätzung gegenüber dem Engagement und dem Einsatz der Mitarbeiter in den Gesundheitseinrichtungen."

Rating durch unabhängigen Dritten

Kennzahlen für einen objektiven Vergleich der Krankenanstalten müssten auch laut Rechtsanwalt Dr. Christian Kuhn, Mitglied der Bundesgesundheitskommission, die Qualität und die Effizienz der Spitalsleistungen sowie die Patientenzufriedenheit umfassen. Die Objektivierung bei einem solchen Rating sollte durch unabhängige Dritte erfolgen und nicht durch Personen, die von einem der Leistungsanbieter bezahlt werden. Überdies müsse im Spitalsbereich dem Dogma der Einsparungen eine Offenheit für sinnvolle Investitionen weichen.

Rückfragen & Kontakt:

P. Leonhard Gregotsch
Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs
1010 Wien, Freyung 6/1/2/3, E-Mail: sekretariat.sk@kath-orden.at

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