Zwischen Leistung und Lebensbeichte

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: Der Lobbyist Peter Hochegger gibt sich bei seinem zweiten Auftritt im Korruptions-U-Ausschuss als geläuterter Leistungsträger. Der Einblick in die Welt der politischen Kontaktpflege ist ein Leistungsnachweis für den Ausschuss.

Von Cornelia Ritzer
Den Weg ins Parlament kannte Peter Hochegger bereits, und von den Fragen der Abgeordneten ließ sich der 63-jährige PR-Profi auch bei seiner zweiten Befragung im U-Ausschuss nicht aus der Ruhe bringen. Geduldig erklärte er den Abgeordneten, was seine Aufgabe als Telekom-Lobbyist von 2004 bis 2008 gewesen war. Wie er bei den insgesamt 7,3 Millionen Euro schweren Aufträgen gleichzeitig Leistungserbringer und Geldverteiler war. Zehn Prozent der Umsätze der Firma Valora waren frei verfügbar für die "Erfüllung von Wünschen, die an die Telekom herangetragen wurden", erzählte er. Kleine Geschenke in alle Richtungen halfen beim Aufbau des Netzwerkes und der Pflege der guten Kontakte - diese mussten nur den Zielen des Auftraggebers nützen. So freimütig der Netzwerker seine Arbeit erklärte, so geläutert gab er sich gleichzeitig: Ja, manches war nicht in Ordnung. Aber es war so, meinte er.
Noch ist die Telekom-Blase nicht vollständig geöffnet, noch möchte die Opposition weitere Zeugen laden. Immer wieder werden mehr Nutznießer des Systems Hocheggers bekannt, und Grüne, FPÖ und BZÖ wollen erfahren, wie die Zahlungen an das Bauernbund-nahe Forum Land, an die ÖAAB-Zeitung oder für den Wahlkampf der VP-Abgeordneten Karin Hakl eingefädelt wurden. Auch SPÖ-nahe Zeugen wie Echo-Verlag-Chef Christian Pöttler und Unternehmer Ali Rahimi sollen ihre Leistungen erklären. Es scheint unmöglich, alle Rechnungen bis ins letzte Detail zu durchleuchten. Dabei hat die Aufarbeitung der facettenreichen Verdachtsfälle rund um die Buwog-Privatisierung noch gar nicht begonnen. Die Zeit drängt also - wie auch Politiker von ÖVP und jetzt auch SPÖ, die den U-Ausschuss wenn schon nicht abdrehen, so doch bis Sommer beendet wissen wollen.
Auch wenn der Ausschuss Gefahr läuft, sich durch zu viele Nebenschauplätze zwischen Gesetz und Moral zu verzetteln, und auch wenn sich manche Mandatare in ihrer Rolle als Aufdecker allzu gut gefallen und das parteipolitisch motivierte Hickhack im Parlament durchsichtig ist: Die Einblicke in die (Halb-)Welt der politischen Kontaktpflege sind erhellend. Und lassen die Wähler lauter nach mehr Transparenz rufen.
Politiker, die nicht hinterfragen, wer ihre Zeitung oder ihren Wahlkampf finanziert, sind nicht mehr zeitgemäß. Und das kann der Korruptions-U-Ausschuss als einen Leistungsnachweis für sich verbuchen.

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