WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir sind vor lauter Angst gelähmt - von Esther Mitterstieler

Der Feind sitzt jedenfalls immer fern der österreichischen Heimat

Wien (OTS) - Es ist schon ein seltsames Bild, das dieses
Österreich im April 2012 hergibt: Wir haben einen U-Ausschuss des Parlaments zum Thema Korruption, und keiner will dabei gewesen sein oder die seltsamen und bisweilen enormen Geldflüsse als Bestechungsgelder erkannt haben. Schon gar nicht will man in irgendeiner Form in Zusammenhang mit Korruption genannt werden. Egal ob ÖVP, SPÖ, BZÖ/FPÖ: Ein bisschen mitpartizipiert haben sie alle bei fröhlichen Einladungen. Da muss den Herrschaften geradezu angst und bange werden, weil das System erodiert und plötzlich nicht mehr sein darf, was mal selbstverständlich war: ein kleiner Jagdausflug da und eine günstige Mietwohnung dort. So etwas muss Angst machen.

Umfragen zeigen, dass Österreicherinnen und Österreicher mehr Unmut über die Korruption empfinden als Angst etwa vor einer gröberen Eurokrise zu haben. Darauf muss die Politik natürlich reagieren. Jetzt gibt es wieder einige bezeichnende Kampagnen gegen die Höhe des Benzinpreises, gegen genmanipulierte Lebensmittel, gegen die böse Macht der Atomkraft. Das sind alles nicht zu vernachlässigende Bereiche, die aber eines gemein haben: Sie sind derart unkonkret formuliert, dass man das Volk einfach und schnell auf die Barrikaden treiben kann. Der Feind sitzt jedenfalls immer fern der österreichischen Heimat und ist meist in Brüssel zu finden.

Die Ölmultis für die vor Ostern konstatierte Treibstofferhöhung abzuwatschen, ist zu billig, nascht doch die Finanzministerin kräftig mit. Abgesehen davon, dass eine Erhöhung des Benzinpreises sozial gerechter ist als manch andere Steuer. Ohne genmanipulierte Lebensmittel wäre der Hunger in der Welt noch ärger. Ohne Atomkraft wären in vielen Teilen Europas die Lichter aus.

Es geht nicht darum, ob wir dafür oder dagegen sind: Der Wirtschaftsstandort Österreich ist in Gefahr, wenn man nur den Per-se-Neinsagern das Wort überlässt. Im Nichtlebensmittelbereich ist Genmanipulation doch allemal begrüßenswert. Forschung trägt einen bedeutenden Teil für das Wachstum einer Gesellschaft bei. Aber wir tun uns sogar damit schwer, gute Forscher ins Land zu lassen, vor lauter behördlichen Beschränkungen. Nur weil früher alles so war, muss es heute und morgen nicht so bleiben. Lassen wir uns doch von der Angst nicht lähmen!

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