Ärztekammer: Ministerium und Länder planen weitere Verschlechterung der Ärzteausbildung

Turnusärzte als Springer zwischen Abteilungen und Spitälern - als Systemerhalter legalisiert - Gefahr für Jungmediziner und Patienten

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0109 vom 05.04

Die Reform der ärztlichen Ausbildung kommt nicht vom
Fleck: Während wesentliche Fragen der Ausbildung zur Allgemeinmedizin sowie die verpflichtende einjährige Lehrpraxis nach wie ungeklärt sind, plant nun das Gesundheitsministerium, auf Druck der Länder, Änderungen, die nach Auskunft der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) zu weiteren Verschlechterungen führen. Turnusärzte in Ausbildung zur Allgemeinmedizin und zu einem Sonderfach sollen künftig nach betrieblichen Erfordernissen eines Spitals und nicht mehr nach den Erfordernissen einer angemessenen ärztlichen Ausbildung eingesetzt werden. Die Obfrau der Bundessektion Turnusärzte in der ÖÄK, Katharina Gordon, bezeichnete diesen Plan am Sonntag in einer Aussendung als "kontraproduktive Legalisierung der Turnusärzte als Lückenbüßer und Systemerhalter".

Konkret wollen die Länder als Spitalserhalter, dass Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zwischen Abteilungen und Spitälern "springen", also gleichzeitig tätig werden. Gordon: "Turnusärztinnen und Turnusärzte werden auf diese Weise pro Spital oder Region gepoolt und kommen dort zum Einsatz, wo gerade aus Spargründen die Ärzte reduziert wurden und personelle Lücken zu schließen sind." Eigentlich müssten sie sich auf ihre Ausbildung, auf die Patienten ihrer Ausbildungsabteilung und deren Krankheitsverläufe konzentrieren. Indes würden sie als Systemerhalter legalisiert. "Wie sollte ein angehender Chirurg das Operieren lernen, wenn er gestern auf einer internen Abteilung in Zell am See und heute auf der Gynäkologie in St. Johann im Pongau einspringen muss?"

Für die Ärztekammer sei dieses Vorhaben laut Gordon Zeichen dafür, "dass nunmehr faktisch auch die letzten Qualitätsansprüche in der ärztlichen Ausbildung dem Spargedanken geopfert werden". Gleichzeitig nehme man eine weitere grobe Verschärfung der schon bisher "grenzwertigen" Arbeitsbedingungen für Turnusärzte durch den ständigen Ortswechsel und die sich damit täglich ändernden Ansprüche in Kauf. Gordon: "Das ist sehr stressig. An die damit verbundenen zusätzlichen physischen und psychischen Belastungen denkt niemand mehr. Geschweige denn an das Patientenwohl. Das ist schlicht unmenschlich und gefährlich." Die Ärztekammer lehne daher diese "Pool-Tätigkeit" im Hinblick auf die Gewährleistung der Ausbildungs-und Behandlungsqualität strikt ab.

Die Turnusärzte-Chefin fordert darüber hinaus die Einhaltung der bestehenden Gesetze sowie die politische Klarstellung, dass ein gleichzeitiges Tätigwerden und damit eine Zuständigkeit der Turnusärzte für mehrere Krankenhausabteilungen oder Organisationseinheiten prinzipiell nicht zulässig seien. (sl)

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