Tag des Praktikums: Schatz fordert gesetzliche Regelung gegen Scheinpraktika und für Qualitäts-Praktika

Grüne: Regierung und Sozialpartner verweigern seit Jahren Problemlösung

Wien (OTS) - "Ob Ausbeutung durch Scheinpraktika nach der
Ausbildung oder unbezahlte, miese Praktika während der Ausbildung -tausende junge Menschen in Österreich sind mit diesen Problemen noch immer auf sich allein gestellt", sagt Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen. Die Probleme seien der Regierung zwar bekannt, 2011 erschienen von ihr selbst erstmals beauftragte Studien zur Lage der PraktikantInnen in Österreich. Doch bis auf wenige Informationskampagnen wurden bisher keine Konsequenzen gezogen. Schatz: "Sozialpartner wie Regierung verweigern eine rechtliche Lösung für Ausbildungspraktika."

Tausenden AbsolventInnen österreichischer höherer Schulen, Universitäten und Fachhochschulen wird statt einer regulären Arbeit, von der sie nach ihrem Abschluss leben können, nur noch ein Praktikum angeboten. Laut Statistik Austria absolvieren bereits 13,1 Prozent aller AbsolventInnen höherer Schulen nach dem Studienabschluss mindestens ein Praktikum. Dabei ist der Anteil der Frauen mit 16,5 Prozent wesentlich höher als jener der Männer mit 9,6 Prozent. Trotz qualifiziertem Studienabschluss erfolgen 23 Prozent dieser Praktika unbezahlt und 30,5 Prozent gegen eine Bezahlung unter der Geringfügigkeitsgrenze (Statistik Austria 2009).

"Es werden immer mehr reguläre Jobs gegen atypische, meist prekäre Arbeitsverträge wie Praktikumsverhältnisse ersetzt, der rechtliche Graubereich öffnet Tür und Tor für weiteren Missbrauch", kritisiert Schatz. PraktikantInnen agieren entsprechend der gültigen Gesetzeslage im rechtlichen Graubereich zwischen Lernen und Arbeiten, übernehmen Tätigkeiten von regulär Beschäftigten, erhalten aber keinen oder zu geringen Lohn. Praktika werden so häufig zu getarnten Beschäftigungsverhältnissen bzw. "Scheinpraktika". Die Problembranchen sind bekannt: Marketing-, Medien-, Sozial- und Kulturberufe, sowie der Non-Profit-Sektor. Ein Teil der Praktika findet sogar gänzlich unbezahlt statt.

Laut Studierendensozialerhebung werden nur 55 Prozent aller Praktika bezahlt (66 Prozent bei männlichen Studierenden und 47 Prozent bei weiblichen). Bei den freiwilligen Praktika sind es laut Studie 68 Prozent - allerdings nur 36 Prozent der Pflichtpraktika.
"Ich fordere nachdrücklich ein PraktikantInnenausbildungsgesetz und dass Praktika nur noch im Rahmen einer Ausbildung stattfinden dürfen", so die ArbeitnehmerInnensprecherin. Das Gesetz muss den Graubereich zwischen Ausbildung und Arbeit regeln, um Scheinpraktika zu verhindern und Praktika mit guter Qualität und fairen Bedingungen zu ermöglichen."

Wichtige Bestandteile eines solchen Gesetzes wären neben einer klaren Definition und Abgrenzung zu anderen Tätigkeitsformen, Standards in Bezug auf Arbeitszeit, Arbeitsvertrag, Mindestentgelt und Betreuungsqualität. Weiters fordern die Grünen die Aufnahme der Verwendungsgruppe "PraktikantInnen" in die Lohntabellen der Kollektivverträge und ein Stipendiensystem für Ausbildungspraktika im non-profit-Bereich sowie zielgruppenorientiertere und hochwertigere arbeitsmarktpolitische Programme des AMS für AbsolventInnen von Universitäten und Fachhochschulen.

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