Missglückter blauer Reim - Leitartikel von Alois Vahrner

Mit ihrem Marokkaner-Plakat setzte die FPÖ im Innsbrucker Wahlkampf doch noch einen Höhepunkt - wenn auch nur einen besonders negativen.

Innsbruck (OTS/TT) - Bisher spielte die FPÖ trotz eines Strache-Auftritts beim Innsbrucker Gemeindewahlkampf bestenfalls eine Statistenrolle. In der letzten TT-Umfrage lagen die Freiheitlichen mit gerade einmal 6 Prozent weit unter ihren Ansprüchen und Möglichkeiten, Querseinsteiger August Penz wollen nur 4 Prozent als Bürgermeister. Die auffälligste und von den anderen Parteien mit Kopfschütteln bedachte Forderung war bisher die nach einer berittenen Polizei. Und beim TT-Forum mit den Spitzenkandidaten diese Woche zeigte sich: Die FPÖ wird auch nach der Wahl keine große Rolle in Innsbruck spielen können. Mit den Freiheitlichen will niemand koalieren. Im Gegensatz dazu wird der stets für Law & Order eintretende Rudi Federspiel auch von SPÖ und den Grünen nicht als Partner ausgeschlossen.

Mit ihrem umstrittenen Wahlplakat "Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe" hat die FPÖ jetzt wenigstens eines geschafft: zu provozieren und Aufmerksamkeit zu erregen. Und den Regional-Wahlkampf sogar zum Fall der internationalen Diplomatie zu machen. In Marokko musste Österreichs Botschafter zum Rapport. Nach dem Staatsanwalt muss die FPÖ nun auch rechtliche Schritte des Königreichs befürchten.

Der Inhalt der wohl aus Wien beigesteuerten blauen Wahlkampf-Dichtkunst ist ohnehin an den Haaren herbeigezogen. Innsbruck hatte und hat ein Problem nicht mit Dieben, sondern mit Drogendealern aus Marokko, aber nicht nur von dort. Hier wurde von der Polizei viel unternommen, dem beizukommen. Da geht es weniger um Heimatliebe, sondern um den Schutz aller unbescholten lebenden In-und Ausländer in Tirol.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001