WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Bei der AUA sind gefährliche Spiele im Gang - von Günter Fritz

Die rot-weiß-rote Heckflosse ist nett, aber wer braucht sie wirklich?

Wien (OTS) - Die jüngste Eskalation im Streit um einen neuen und günstigeren Kollektivvertrag bei der AUA ist bedenklich - vor allem, weil offenbar noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. AUA-CEO Jaan Albrecht sieht den Betriebsübergang der AUA-Piloten und -Flugbegleiter auf den günstigeren Tyrolean-KV als einzige Möglichkeit, die defizitäre Airline angesichts des scharfen Wettbewerbs in der Branche wieder in die schwarzen Zahlen zu bekommen. Obwohl die Gewerkschaft den KV der Tiroler Tochter einseitig gekündigt hat, um den kostensenkenden Wechsel zu verhindern, hält der AUA-Vorstand mit Nachdruck daran fest. Entsprechende Arbeitsgruppen, die sich mit den Modalitäten beschäftigen, sind bereits eingerichtet.

Das wieder bringt die Gewerkschaft so sehr auf die Palme, dass sie bei der KV-Kündigung gegen den Willen der Tyrolean-Mitarbeiter agiert hat. Der dadurch ausgelöste Streit zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft nützt auf den ersten Blick der AUA, hat aber Explosionspotenzial. Denn auch ÖGB-Chef Erich Foglar will sein Gesicht wahren. Sein Vorschlag, nun einen Konzern-KV zu verhandeln, wird aber vom AUA-Vorstand nur auf Tyrolean-Kostenbasis akzeptiert -und das kommt für die Gewerkschaft nicht infrage. Folglich werden wohl die Juristen das letzte Wort haben. Sollte die Gewerkschaft Überlegungen, den Klagsweg bis zum EUGH beschreiten zu wollen, wahr machen, würde das die Situation zusätzlich komplizieren.

Der Ruf der AUA ist trotz aller Turbulenzen nach wie vor gut, die Schlagzeilen der letzten Woche sind aber dazu angetan, ihn zu beschädigen. Wenn ein Unternehmen monatelang nur mit negativen Meldungen in Verbindung gebracht wird, tritt das ein, was gemeinhin als "Self-fulfilling prophecy" bezeichnet wird. Abgesehen davon, dass die Geduld der Konzernmutter Lufthansa mit der verlustträchtigen Tochter wohl enden wollend sein dürfte. Die kürzlich genehmigte Kapitalerhöhung in Höhe von 140 Millionen Euro erfolgte unter der Auflage, die nötigen Hausaufgaben zu erledigen. Passiert das nicht, fließt auch das Geld nicht und "die AUA fliegt zwangsläufig an die Wand" ((C) Albrecht). Damit wäre das Schreckensszenario für Mitarbeiter und Wirtschaftsstandort, vor dem alle warnen, perfekt. Andererseits: Die rot-weiß-rote Heckflosse ist nett, aber wer braucht sie wirklich? Das Geschäft würde rasch von der Lufthansa und Mitbewerbern übernommen werden. Um das zu verhindern, wird der Gewerkschaft wohl nur übrig bleiben, in den sauren Apfel zu beißen und wettbewerbsfähige KV-Bedingungen bei der AUA zu akzeptieren.

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