KMU-Gipfel mit Bürgermeister Michael Häupl: "EPU und KMU sind nicht die kapitalistischen Ausbeuter!"

GR Katharina Schinner: "Wir glauben an die Generation Wirtschaft!"

Wien (OTS) - Im Designtower "Stilwerk Wien" fand der 33.
KMU-Gipfel mit Bürgermeister Michael Häupl statt, moderiert von LAbg. GR Katharina Schinner, Vize-Präsidentin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV Wien). Rund 300 Unternehmerinnen und Unternehmer folgten der Einladung des Jungen SWV Wien. Katharina Schinner:"Auf den KMU-Gipfeln wollen wir den Selbstständigen die Möglichkeit zur Vernetzung und neueste Informationen, z.B. über passende Förderungen bieten. Diesmal gab es aber auch die Gelegenheit, von Bürgermeister Häupl direkt Antworten auf brennende Fragen zu bekommen. Ich freue mich sehr, dass so viele das Angebot angenommen haben und unsere Gäste waren!"****

Rekord bei internationalen Ansiedlungen

Trotz der angespannten Wirtschaftsituation ist Wien noch immer ein guter Standort für internationale Betriebsansiedlungen. 2011 konnte Wien mit 126 Betrieben, 13 mehr als 2010, einen Rekord bei den internationalen Betriebsansiedlungen vermelden. "52% aller Auslandsinvestitionen in Österreich werden in Wien getätigt", brachte der Wiener Bürgermeister die Sache auf den Punkt. Für internationale Manager seien im Wesentlichen zwei Kriterien wichtig: die betriebswirtschaftlichen "hard facts" wie Steuern oder Personalkosten, aber auch die Verlässlichkeit. "Einige Unternehmen, die in Ungarn investiert hatten, kommen wieder nach Österreich zurück, weil in unserem Land Rechtssicherheit herrscht", erklärt Michael Häupl. Und da seien auch noch die "soft facts", immerhin sei Wien zum dritten Mal Weltmeister in Bezug auf Lebensqualität geworden. "Trotzdem befinden wir uns in einem Wettbewerb, wir haben uns jeden Tag um Investoren zu bemühen", so Häupl.

Europäische Städte stehen vor neuen Herausforderungen

Wien stehe trotz Sparkurs im Vergleich mit anderen Städten gut da. "Wenn wir vom sparen reden, heißt das beispielsweise im Spitalswesen, dass wir statt des prognostizierten Leistungszuwachses von 7% nur 3,5% haben werden. Sofern die Prognosen stimmen, können wir 2016 260 Mio Euro weniger ausgeben." In Rom, Mailand oder Madrid hingegen ginge es um ein Minus von bis zu 20%.

Intelligentes Sparen ist gefragt

Die Stadt tut sehr viel, um die Auswirkungen des Sparpakets abzumildern und gleichzeitig die Folgen für die Wienerinnen und Wiener und damit natürlich auch für die Wiener Unternehmen möglichst gering zu halten. "Wir müssen uns das im Detail anschauen, wo wir höhere Effizienz erreichen können, z.B. sollte nur eine Stelle bestimmte Förderungen machen und nicht drei", erklärt Häupl. Zum Thema Gebührenerhöhung findet der Bürgermeister ganz klare Worte:
"Kein Mensch freut sich über Gebührenerhöhungen, aber da geht es den Wiener Stadtwerken genauso wie jedem anderen Unternehmen. Wir müssen betriebswirtschaftlich denken. Ich lasse es aber nicht zu, dass wir, wenn wir keine Preiserhöhungen machen, den Vorwurf bekommen, wir wären nicht in der Lage, ein Unternehmen zu führen und man daher privatisieren müsse." Am Beispiel U - Bahn Steuer erläutert Katharina Schinner, dass viele Menschen nicht wüssten, dass diese Steuer 100% zweckgebunden ist und damit dem U - Bahnausbau voll und ganz zu Gute kommt. "Die Investitionen lohnen sich, wie man z.B. in Ottakring sieht. Dort sind viele neue Unternehmen rund um die Infrastrukturmaßnahmen entstanden", ergänzt Häupl.

Veränderung der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt von heute hat sich sehr verändert:
Einpersonenunternehmen, Bürogemeinschaften, Co-Working-Spaces sind Alltag geworden. Oft stecken EPU in vergleichbar schlechten Verhältnissen wie unselbständig Beschäftigte. "Es spricht viel für die EPU als neue Kernklientel der Sozialdemokratie. Die alten Vorstellungen vom armen Unselbständigen auf der einen Seite und dem kapitalistischen Ausbeuter auf der anderen Seite haben sich durch gesellschaftliche Realitäten überholt. Wir müssen vielmehr darauf achten, wie die realen sozialen Verhältnisse eines Individuums aussehen", zeigt Häupl Verständnis für die Situation vieler KMU und EPU.

Bekämpfung der Wirtschaftskrise - Konjunktur beleben

Für die Bekämpfung der Wirtschaftskrise gäbe es kein Allheilmittel. Es bedürfe der Zusammenarbeit aller in Europa, um die Krise nachhaltig zu bekämpfen. Österreich hätte rechtzeitig Maßnahmen ergriffen, um den öffentlichen Haushalt in Ordnung zu bringen. Jetzt bräuchte es wirtschaftsfördernde Maßnahmen: "Wenn wir den Wohlstand und die Arbeitsplätze erhalten wollen, dann dürfen wir die Konjunktur nicht abwürgen, weil es das Wachstum hemmt und wir sonst niemals aus der Spirale herauskommen. Wir brauchen nachhaltige Investitionen in den Bereichen Bildung, Forschung und Wissenschaft", so Häupl. Es gehe auch darum, klare politische Signale zu setzen, z.B. beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs als Alternative zum Individualverkehr, wo 25.000 Arbeitsplätze gesichert würden. Das unterstütze nicht nur Großbetriebe, sondern auch KMU und EPU.

Bildung als entscheidender Faktor für die Zukunft

In Wien hätte man bereits mit der Einführung des Gratiskindergartens begonnen, die Bildung aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Kindergärten seien "die ersten Bildungseinrichtungen und keine Kindergarderobe", formuliert Häupl. Die gemeinsame Schule der 10 bis 14-jährigen sei ein wichtiger Schritt, der heute schon Realität sei. Es werden 18 neue Ganztagsschulen gebaut, 11 davon mit einem Campus. Dazu seien aber auch Veränderungen in der Lehrerausbildung und eine Weiterentwicklung der Lehrpläne notwendig. Sprachkenntnisse, und nicht nur Englisch, seien unerlässlich: "Wir leben in einem neuen Mitteleuropa, Bratislava liegt so nahe bei Wien wie St. Pölten. Wir brauchen bestausgebildetes Personal sowohl für die Wirtschaftsentwicklung als auch für die Menschen selbst. Bildung ist mehr als nur wissen, nämlich das Wissen darüber, wie bewältige ich mein Leben!" schloss Bürgermeister Michael Häupl. (Schluss)

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