TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 23. März 2012, von Christian Willim: "Fleisch muss teurer werden"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Österreicher essen nach wie vor zu fett, zu süß, zu salzig - und zu viel Fleisch. Geheimnis ist das keines. Darum wird Aufklärung nur bedingt etwas verändern. Den Fleischkonsum schränkt man am besten über den Preis ein.

In Wien beraten dieser Tage 600 Diätologen, wie sie die Ernährungsgewohnheiten der Österreicher verändern können. Denn die lebensstilbedingten Erkrankungen nehmen zu. Einer kürzlich vorgeschlagenen Junkfood-Steuer haben heimische Experten eine Absage erteilt. Doch Lebensmittel, die nur selten konsumiert werden sollten, müssen teurer werden. Dass die Österreicher etwa zu viel Fleisch essen, wird ihnen nämlich schon lange vorgebetet. Geändert hat sich dadurch gar nichts. Der jährliche Fleischkonsum pro Kopf liegt seit Jahren unverändert bei rund 100 Kilogramm. Vor einem halben Jahrhundert waren es 47 Kilogramm. Fleisch war ein Luxusgut, das sich der Großteil der Bevölkerung nur zu besonderen Anlässen leisten konnte. Und genau so sollte es sein. Nicht nur, um die Menschen zu einer gesünderen Ernährung zu zwingen.
Denn Billigpreise lassen sich auf Dauer nur durch Massentierhaltung gewährleisten. Ein kleiner Schweinezüchter sieht sich nämlich mit ständig steigenden Futterkosten konfrontiert. Gleichzeitig soll er auch noch in tiergerechte Haltung investieren. Ein Ferkel verkauft er jedoch seit fast zwanzig Jahren für den gleichen Preis. Ein gutes Geschäft sieht anders aus. Fleisch muss also teurer werden.
Eine Steuer ist da der falsche Weg. Vielmehr wäre die EU gefordert, die erlaubte Zahl der Tiere, die für die Fleischproduktion gehalten werden, pro Betrieb drastisch zu begrenzen. Eine Preissteigerung wäre die logische Folge. Von der würden dann allerdings kleine bäuerliche Landwirtschaften profitieren. Und genau von denen wollen die Österreicher laut Umfragen ihre Lebensmittel. Ein verminderter Fleischkonsum ist zudem ein Gewinn für die Umwelt. Bis ein Tier geschlachtet wird, verzehrt es ein Vielfaches jener Kalorien, die es schlussendlich liefert. Der Wasserverbrauch ist in der Tierhaltung im Vergleich zum Gemüseanbau enorm, der ökologische Fußabdruck eines Schnitzels tief. Auch weil Österreich ein Futtermittelimporteur ist. Bei ausgewogener Ernährung, das hat eine Studie gezeigt, könnte sich das Land hingegen selbst versorgen. Eine Verteuerung von Fleisch dürfte indes nicht einmal die Umsätze der Supermarkt-Ketten besonders schmälern. Denn statt fünf mal in der Woche billiges Fleisch würde der Österreicher wohl einfach einmal teures kaufen. Denn er liebt sein Schnitzel. Zur Zeit nimmt er jedoch zwölf Prozent der Kalorien in Form von Fleisch und Wurst zu sich. Empfohlen sind fünf Prozent.

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