ORF-DialogForum "Afrika - zwischen Fakten und Vorurteilen"

Fachleute aus Medien, Wissenschaft und NGO einig: Vorurteile überwiegen

Wien (OTS) - Wachstumsraten, von denen Europa nur träumen kann, jung wie kein anderer Kontinent, Heimat der "Löwenstaaten" - das ist Afrika. Aber auch der Kontinent der Krisen und Katastrophen, von Hunger und Not. Vorurteil oder Nachricht - welches Afrikabild wird in den Medien transportiert? Darüber diskutierte am Mittwoch, dem 21. März 2012, bei einem "ORF-DialogForum" anlässlich des 15-jährigen Bestehens von Radio Afrika International eine hochrangig besetzte Fachrunde im ORF-RadioKulturhaus. Fazit: Boulevardmedien und Nachrichten stärken zumeist Vorurteile, (zu) wenige Qualitätsmedien und Hintergrundmagazine bieten differenzierte Hintergrundinformationen, die Verantwortung anderer Kontinente an Konflikten, Krisen und Krankheiten wird kaum hinterfragt und Afrikaner/innen kommen zu wenig zu Wort.

Die Berichterstattung über Afrika stecke in einer Dramatisierungsfalle, so Petra Herczeg vom Institut für Publizistik der Universität Wien. Die Serie von Konflikten, Kriegen, Krisen und Krankheiten bediene die Logik der Medien, differenzierte Berichterstattung sei schwierig und in Mainstream-Medien kaum zu finden. Auch für NGOs sei das ein Dilemma, so Petra Navara-Unterluggauer, Geschäftsführerin der NGO-Plattform "Globale Verantwortung": Hilfsorganisationen müssten mit Bildern arbeiten, die Klischees eher bedienen als ihnen entgegenwirken. Dahingegen bemühten sich die entwicklungspolitischen Organisationen, ebendiese Klischees aufzubrechen, erreichen damit aber weitaus weniger mediale Aufmerksamkeit. Alexis Neuberg, Gründer und treibende Kraft von Radio Afrika International, vermisst insbesondere Hintergrundberichterstattung zu den Ursachen der Konflikte und Katastrophen - viele davon lägen in westlichen Ländern wie Österreich begründet, etwa dem Ressourcenverbrauch. Und Christian Jungwirth, Geschäftsführer des Community-Fernsehens Okto, fordert, dass auch in Mainstream-Medien Afrikanerinnen und Afrikaner sowohl als Fachleute als auch als Betroffene selbst zu Wort kommen sollten. Andreas Pfeiffer, Leiter des ORF-TV-Auslandsressorts, beschreibt die Bemühungen des ORF, die aktuelle und plakative Berichterstattung in Nachrichten durch Hintergrundinformationen in Magazinen zu ergänzen. Auch arbeite der ORF daran, verstärkt Migrantinnen und Migranten in Redaktionen einzubinden - etwa durch die Lehrredaktion des Aktuellen Dienstes im Hörfunk. Diese Bemühungen des ORF wurden von der Fachrunde gewürdigt, insbesondere gab es Lob für Ö1, FM4 und die Sendungen der TV-Religion.

Diskutiert wurde auch das Image der in Österreich lebenden Afrikanerinnen und Afrikaner, hier würden von Boulevardmedien Vorurteile geradezu geschürt, Qualitätsmedien wie jene des ORF hätten hier gegenzusteuern.

Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, das Gespräch mit seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.

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