Biene Österreich: Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektiziden Beizmitteln durch Projekt Melissa bestätigt.

Trotz behördlicher Verbesserungen weiter regional gehäufte Bienenschäden

Wien (OTS) - Mit dem Forschungsprojekt "MELISSA" wurden in Österreich seit 2009 Bienenschädigungen und mögliche Zusammenhänge mit Bienenkrankheiten und dem Einsatz von insektizid gebeiztem Maissaatgut wissenschaftlich untersucht. Am 17. März wurde der Abschlussbericht des Projektes in der AGES vorgestellt. Durch umfangreiche Auflagen für die Saatgutbeizung und die Anwendung bei der Aussaat kam es zu einer Reduktion von Bienenverlusten. Trotzdem wurden auch 2011 Schäden an Bienenvölkern durch Maisbeizmittel nachgewiesen, gehäuft in den bereits aus den Vorjahren bekannten Gebieten der Steiermark. In vielen Fällen waren die gleichen Bezirke, Gemeinden und Bienenstände betroffen. Eindeutig ist daher auch der Befund im Endbericht der AGES, dass es einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektizidgebeiztem Saatgut gibt. Die Aussage von LK Österreich-Präsident Gerhard Wlodkowski, dass es "keine systemischen Schäden durch Maisbeize" gibt, ist damit klar widerlegt und falsch.

Fruchtfolge ist wirksamste Maßnahme gegen den Maiswurzelbohrer

Klar wird von der AGES die Fruchtfolge als wirksamste Maßnahme gegen den Maiswurzelbohrer gesehen, weil mit der Beizung alleine der Schädling nicht in den Griff zu bekommen ist. Erstmals wird nun auch die Fruchtfolge beim Maisanbau vorgeschrieben, allerdings in verwässerter Form. Demnach darf in drei aufeinanderfolgenden Jahren am selben Feld Mais angebaut werden und erst im vierten Jahr muss ein Fruchtwechsel erfolgen. Das entspricht nach wie vor nicht einer guten landwirtschaftlichen Praxis. Hier wurde eine Chance vergeben, umso mehr, als in den Regionen, wo eine weite Fruchtfolge eingehalten wird, nicht gebeizt werden muss und es zu keinen Schäden für Honigbienen kommen kann. Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, das mit seiner kleinstrukturierten Landwirtschaft durchaus vergleichbar mit Österreich ist und über einen durchaus nennenswerten Maisanbau verfügt, ist man einen viel konsequenteren Weg gegangen. Der Schädling wird mit ackerbaulichen Maßnahmen der Fruchtfolge unter der Schadensschwelle gehalten. Dazu hat das Landwirtschaftsministerium angeordnet, dass nach zweijährigem Maisanbau im dritten Jahr ein Fruchtfolgewechsel stattfinden muss.

Pestizidabgabe gefordert

Laut der EU-Verordnung 2010/21 muss der Einsatz von neonikotinoiden Pflanzenschutzmitteln durch ein Monitoring überwacht werden. Da das Projekt Melissa beendet ist, kommt 2012 dieses verpflichtende Monitoring zum Tragen. Dieses muss finanziell so dotieret sein, dass eine effektive Überwachung und die Untersuchung der gemeldeten Verdachtsfälle möglich wird. Auch die Entschädigung der ImkerInnen, deren Bienenvölker durch insektizide Pflanzenschutzmittel nachweislich geschädigt wurden, muss endlich erfolgen. Dies kann am besten durch eine Pestizidabgabe auf insektizide Pflanzenschutzmittel erreicht werden, die die Imkerbranche seit Jahren vergeblich einfordert. Dies auch deshalb, weil neben Rückständen von Neonikotinoiden auch andere, zum Teil für Bienen gefährliche und nicht mehr zugelassenen Pflanzenschutzmittel in toten Bienen und Bienenbrot gefunden wurde.

Geduld der ImkerInnen zu Ende

Imkereibetriebe, die seit drei Jahren im selben Gebiet Bienenschäden hinnehmen müssen, oder Betriebe, die trotz der Verschärfung der Auflagen zur Anwendung der Beizung 2011 Bienenschäden erlitten haben, können schwer nachvollziehen, dass es zu einer weiteren Zulassung der Maisbeizmittel kommt. Das Jahr 2012 wird die Nagelprobe bestehen müssen: Treten wiederum Bienenschäden auf, dürfen neonikotinoide Beizmittel, wie in Italien, Deutschland oder Slowenien, nicht mehr eingesetzt werden.

Rückfragen & Kontakt:

Biene Österreich
DI Christian Boigenzahn
Tel.: 01-334172170, E-Mail: office@biene-oesterreich.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0002