Fette Schlagzeile über fette Beamten-Zulagen

Wien (OTS) - Die Wiener U-Bahn- bzw. Unter-jedem-Niveau-Zeitung "Heute" hat wieder zugeschlagen. In der heutigen Ausgabe wurde auf Seite 13 ein Beitrag zum Thema "Geheim-Beschluss über fette Beamten-Zulagen" mit einer dicken Schlagzeile aufgemacht.

Mit journalistischem Eifer hat der Heute-Redakteur Robert Zwickelsdorfer "Fakten" zusammengetragen - so z.B: dass der Nebengebührenkatalog 370 Seiten umfasst, 1500 Zulagen beinhaltet und die Steuerzahler eine Milliarde Euro pro Jahr kostet. Und er hat nach eingehender Recherche festgestellt, dass die Stadtbeamten ein "mehr oder weniger üppiges Körberlgeld" erhalten.

In den Salzburger Nachrichten war zuletzt davon zu lesen, dass die Frühpensionierungen der Wiener Beamten allein in dieser Periode eine Milliarde koste. Nun wurde also die nächste Milliardenverschwendung der Wiener Beamten aufgedeckt. So ein Schwachsinn!

Berücksichtigt man, dass in Wien rund 70.000 Gemeindebedienstete beschäftigt sind - und teilt man dann die Milliarde auch noch auf 12 Monate auf, dann würde jede und jeder Gemeindebedienstete monatlich rund 1.200.- Euro an Zulagen erhalten. Dass dies trotz unseres seltsamen und veralteten Besoldungssystem Unsinn ist, liegt auf der Hand.

Es ist aber wirklich ärgerlich, wenn unberücksichtigt bleibt, dass es bei der Gemeinde Wien ein Besoldungssystem mit wenigen Grundschemata gibt, die im Wesentlichen die Qualifikation und das Dienstalter berücksichtigen. Die konkrete Leistungskomponente wird über sehr differenzierte Nebengebühren abgegolten. Dies ist notwendig, weil eben eine große Vielzahl an unterschiedlichen Berufsgruppen in Bereichen wie Pflege, Medizin, Kindergärten, Feuerwehr, Verwaltung, Personennahverkehr, Infrastruktur usw. mit vielfältigsten Beanspruchungen ihren Job erledigen.

Selbst wenn ein moderneres Besoldungssystem berufsgruppenbezogene Schemata bereitstellt und die zu den jeweiligen Berufsgruppen gehörenden Nebengebühren schon enthält, wäre für oberflächliche Betrachter nichts gewonnen. Weil dann nämlich die große Anzahl der Berufsgruppenschemata wieder eine Unübersichtlichkeit erzeugt, die bei entsprechender Veranlagung wieder zu Phantasien über Privilegien verführt.

Wer mit komplexen Themen nicht anständig umgehen kann, sollte kein Journalist werden. Und wer Bullshit produziert, weil es ihm eigentlich nicht um Richtigkeit geht, sondern um fette Schlagzeilen, muss mit scharfer Kritik rechnen.

Gleiches gilt natürlich auch für den Themenspender Dr. Wolfgang Ulm, Gemeinderat der Wiener ÖVP, der seit Jahren gegen das sicherlich veraltete Besoldungssystem der Gemeinde Wien ankämpft. Wer sich aber nicht anders als mit dem Inkaufnehmen solcher Beamten-Hetze öffentlich bemerkbar machen kann, sollte seine Medienkompetenz überdenken.

Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
Vorsitzender

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