- 19.03.2012, 11:24:37
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"DINGE. schlicht & einfach"
MAK-Ausstellung erforscht das Ideal der Einfachheit als ein prägendes Element der Stilgeschichte

Wien (OTS) - In einer außergewöhnlichen Herangehensweise erforscht
die MAK-Ausstellung "DINGE. schlicht & einfach" das Ideal der
Einfachheit epochen- und kulturübergreifend als ein prägendes und
bedeutendes Element der Stilgeschichte. Die breit angelegte
Sammlungsausstellung, die ab 13. Juni 2012 im MAK Wien zu sehen ist,
beschäftigt sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Prinzip der
Reduktion, wobei Einfachheit nicht nur als Prämisse der Ästhetik
sondern auch im Kontext gesellschaftspolitischer und soziologischer
Phänomene diskutiert wird.
"DINGE. schlicht & einfach" vereint in einem bemerkenswerten
kuratorischen Experiment drei parallel laufende Themenausstellungen.
Kuratiert von drei Sammlungsleitern des MAK, spürt die Ausstellung
der Ästhetik der Einfachheit sowohl in der europäischen als auch in
der asiatischen Kunstgeschichte nach. Eindrucksvoll belegen die
gezeigten Exponate, wie Reduktion über die Jahrhunderte in nahezu
periodischen Wellen immer wieder stilgebend ist.
Während Einfachheit in der Aufarbeitung des Möbeldesigns vor allem
als gestalterisches Problem der Moderne untersucht wird, konzentriert
sich der Ausstellungsteil zur Schlichtheit von alltäglichen Dingen
auf die Gegenpole der Funktionalität im Gebrauch sowie der Mäßigung
im Luxus. Die Erforschung der asiatischen Kunstgeschichte setzt
Einfachheit in Relation zu Lebensart und Weltanschauung und
gleichzeitig zu europäischen Tendenzen.
Einfache Möbel
Funktionalismus und Purismus, Bescheidenheit und Mäßigung,
Ärmlichkeit und Luxus: Der Streifzug durch die einfache
Möbelgestaltung vom Biedermeier über Möbel des frühen 20.
Jahrhunderts und der Zwischenkriegszeit bis zu heutigen Positionen
stellt im Ausstellungsteil Einfache Möbel die Fülle der
Assoziationsfelder des Ideals der Einfachheit zur Schau. Exemplarisch
liest sich diese stilistische Vielfalt dabei an einer Auswahl von
Tischsituationen - Wohnzimmer- und Küchentische, aber auch Schreib-
und Arbeitstische samt Stühlen und Hockern - seit dem frühen 19.
Jahrhundert: Damals gewann einfache Zweckmäßigkeit erstmals als
eigene ästhetische Qualität an Relevanz bei der Gestaltung von
Gebrauchsgegenständen.
Mit den klassischen Attributen, die man mit Einfachheit verbindet,
also mit reduzierten Formen, Verzicht auf Dekor und strenger
Funktionalität, konnten sich etwa die Bugholzmöbel der Firma Gebrüder
Thonet gegen den opulenten Zeitgeschmack des Historismus durchsetzen.
Einfachheit gewann allerdings quer durch alle Bevölkerungsschichten
an Relevanz. So wurden die um 1900 - entsprechend den beengten
Wohnverhältnissen und geringen finanziellen Mitteln der
Arbeiterklasse - vermehrt einfach entworfenen Möbel durchaus auch von
der wohlhabenden Schicht geschätzt.
Das Paradoxon des "Reichtums der Einfachheit" ist heute aktueller
denn je. Die minimalistische Ästhetik der amerikanischen Minimal Art,
einer der bedeutendsten Künstlerbewegungen der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts, gilt als stilbildend für Architektur und Design der
Gegenwart. In einer Zeit, in der alles verfügbar zu sein scheint,
schmückt man sich mit Einfachheit.
Schlicht im Gebrauch / Einfach im Luxus
Exponate aus Keramik, edlem und unedlem Metall, Glas und Textil
skizzieren im Ausstellungsteil Schlicht im Gebrauch / Einfach im
Luxus die Entwicklung der Schlichtheit im Gebrauchsgegenstand vom 15.
Jahrhundert bis heute. An den Dingen des Alltags wird die der
Einfachheit innewohnende Dichotomie zwischen Kargheit und Luxus
besonders evident. So orientierten sich Gebrauchsdinge ab dem 15.
Jahrhundert mit klaren Formen und äußerst sparsamem Dekor an der
gewünschten Funktion und den vorherrschenden handwerklichen
Fähigkeiten. Als ästhetisches Ideal fand Einfachheit allerdings schon
damals Einlass in das Design des luxuriösen, repräsentativen und aus
hochwertigen Materialien gefertigten Tafelgeräts.
Mit einer unübertroffenen Einfachheit im Ausdruck üben
undekorierte Silbergegenstände als Tischgerät und
Toilettengarnituren, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in
Wien ausgeführt wurden, noch heute eine besondere Wirkung aus. Eine
ähnliche Ästhetik findet sich bei zeitgleichen Erzeugnissen der
Wiener Porzellanmanufaktur. Produkte beider Materialgruppen könnten
Impulsgeber für die Entwerfer der Wiener Werkstätte gewesen sein.
Einfache Gitterobjekte in Eisenblech und Silber nach Entwürfen von
Josef Hoffmann und Koloman Moser sind ebenso einzigartige Beispiel
der schlichten Form wie Bestecke, Kassetten oder Tee- und
Kaffeeservice.
Dieser Ausstellungsteil zeigt darüber hinaus Schmuck der 1980er
und 1990er Jahre des 20. Jahrhunderts, mit einer charakteristischen
Reduktion im Entwurf bei gleichzeitiger Perfektion in der Ausführung.
Mit den Protagonisten Peter Skubic, Manfred Nisslmüller, Gert
Mosettig und Helfried Kodré nimmt Wien hier eine wichtige Position
ein.
Einfachheit: der ostasiatische Weg
Die Zuwendung zur Einfachheit lässt sich in den ostasiatischen
Ländern erstmals in China ab dem 11. Jahrhundert, parallel zum
Übergang vom Militärstaat zur Zivilverwaltung, durch Gelehrte und
Beamte festmachen.
In Anlehnung an den florierenden Chan-Buddhismus sowie an die
eigene antike Denktradition schuf sich die neue regierende Schicht
ihre eigene, vor allem gesellschaftspolitisch motivierte Ästhetik.
Reduktion wurde zum Ausdruck einer vorbildhaften Bescheidenheit und
fand auch ihren Niederschlag in der Gestaltung von
Alltagsgegenständen. Die Song-Kultur übte einen starken Einfluss auf
die Nachbarstaaten aus, die wiederum in Verbindung mit ihren eigenen
Traditionen eigenständige Weiterentwicklungen hervorbrachten.
Auch wenn sich Japan mit einem bis ins 19. Jahrhundert regierenden
Militärstand politisch konträr zu China entwickelte, fand auch dort
die "Bescheidenheit" in einer entpolitisierten Ebene ihre eigene
Ausprägung. Das nicht wörtlich übersetzbare Begriffspaar "wabi-sabi"
deutet eine raffinierte, aber simple Schönheit an.
Lange Zeit war Europa vom Dekor- und Formenreichtum asiatischer
Kulturen fasziniert; der ästhetische Gestaltungswille der neu
importierten schlichten Dinge aus China, Japan und Korea regte in
Europa ebenso zur Nachahmung an. Mit ausgewählten Objekten verfolgt
dieser Ausstellungsteil ostasiatische Gestaltungsprinzipien durch die
Jahrhunderte.
Zur Ausstellung erscheint ein MAK/zine in deutscher und englischer
Sprache.
Der Pressetext sowie Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum
Download bereit.
PRESSEDATEN:
Pressekonferenz: Dienstag, 12. Juni 2012, 10.30 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 12. Juni 2012, 19.00 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle, MAK, Weiskirchnerstraße 3,
Wien 1
Ausstellungsdauer: 13. Juni -30. September 2012
Öffnungszeiten: Di 10.00-22.00 Uhr, Mi-So 10.00-18.00 Uhr.
Jeden Dienstag 18.00-22.00 Uhr Eintritt frei.
Kuratoren: Sebastian Hackenschmidt, MAK-Kustode Möbel und
Holzarbeiten; Elisabeth Schmuttermeier, MAK-Kustodin Metall und
Wiener-Werkstätte-Archiv; Johannes Wieninger, MAK-Kustode Asien
Publikation: MAK/zine #2 in Vorbereitung
Rahmenprogramm: In Vorbereitung
MAK-Eintritt: Euro 9,90 mit MAK-Guide / Euro 7,90 / ermäßigt Euro
5,50
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Presse MAK Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung) Sandra Hell-Ghignone Veronika Träger Lara Steinhäußer Tel. (+43-1) 711 36-233, 229, 212 Fax (+43-1) 711 36-227 [email protected] MAK.at
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