Elsners fantasierte Hintermänner

OÖNachrichten-Leitartikel von Josef Achleitner; Ausgabe vom 19. März 2012

Linz (OTS) - Der Exklusivbericht der Oberösterreichischen Nachrichten über den Barbesuch des krankheitshalber haftunfähig geschriebenen Ex-Bawag-Generaldirektors Helmut Elsner hat österreichweit Reaktionen ausgelöst. Elsner hat den Haftaufschub nach einer jahrelangen Medienkampagne seiner Frau Ruth bekommen, unterlegt mit ärztlichen Gutachten. Der Tenor von Ruth Elsners Argumenten: Ihr Mann würde sterben, wenn er noch länger im Gefängnis sitzen müsse. Der Haftstress könne für den Bypass-operierten, an Herzschwäche leidenden 76-Jährigen tödlich wirken. Seit Sommer 2011 ist der wegen Untreue und Betrug in Milliardenhöhe zu zehn Jahren Haft verurteilte Ex-Banker auf Vorbehalt in Freiheit.
Das Engagement einer schwer besorgten Gattin in Ehren: Der an sich harmlose Besuch in der Eden-Bar in der Wiener Innenstadt lang nach Mitternacht (nicht um ein Uhr nachts, wie die Elsners argumentieren) bekommt eben im Fall ihres Mannes eine andere Bedeutung. Elsner hat schon 2006 gemeinsam mit seinem Anwalt die österreichische Justiz über Monate an der Nase herumgeführt, um seine Verhaftung zu verhindern. Daher ist auch jetzt die Frage berechtigt, wie schwer krank Elsner wirklich ist. Das wird die Justiz demnächst feststellen lassen.
Geschickt kann man sein Verhalten jedenfalls angesichts der Vorgeschichte nicht nennen. Abstrus werden die Rechtfertigungen von Helmut und Ruth Elsner, wenn sie von Intrige und Verschwörung möglicherweise im Auftrag des Investmentbankers Wolfgang Flöttl reden. Berichte unabhängiger Zeitungen wie der Oberösterreichischen Nachrichten entstehen selbstverständlich nur im eigenen Auftrag und in eigener Verantwortung. Die Fakten sind mehrfach bezeugt. Es bleibt dem Ehepaar unbenommen, gegen den ungeschoren aus dem Verfahren hervorgegangenen Flöttl vorzugehen, dem es vorwirft, Hunderte Bawag-Millionen nicht bei Spekulationen verloren, sondern gestohlen zu haben.
Der Prozess um den Untergang der einstigen ÖGB-Bank hatte, wie wir mehrmals berichtet haben, schwere Mängel. Das ist auch höchstgerichtlich bestätigt. Doch auch wenn es Elsner gelingt, Flöttl den Diebstahl der Spekulationsmillionen nachzuweisen, bleibt er bis zur Wiederaufnahme des Verfahrens als damaliger Hauptverantwortlicher rechtskräftig verurteilt. Darum geht es, und nicht um fantasierte Hintermänner.

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