Neues Volksblatt: "Verhalten" von Markus EBERT

Ausgabe vom 15. März 2012

Linz (OTS) - Das Papier, das die Wurstsemmel umhüllte, fällt dem Halbwüchsigen mitten auf dem Gehsteig und in Griffweite eines Mistkübels aus der Hand; natürlich bückt er sich nicht, wird schon jemand aufheben.
Einzelfall oder Symptom - darüber lässt sich trefflich streiten. Man weiß, dass das Klagelied über die im Vergleich zu früher ach so missratene Jugend so alt ist, wie es darüber schriftliche Aufzeichnungen gibt. Wären früher wirklich alle brav gewesen, hätte es in der Schule kaum Disziplinierungsmethoden gegeben, die heute zurecht verpönt und aus dem Schulalltag verbannt sind.
Aber, wie man sieht: durch gutes Zureden alleine werden aus den Gfrastern auch noch keine Engerl. Bitte, danke, Grüß Gott, Rücksicht auf den Nächsten: dass elementare Umgangsformen aus dem Elternhaus nicht mehr selbstverständlich in die Schule mitgebracht werden, darf man den Lehrern nicht nur nicht anlasten, sondern man darf es ihnen vor allem auch nicht zur Last werden lassen.
Wird die Akzeptanz von Regeln nicht mitgebracht, bedeutet das für das System Schule eine zusätzliche Belastung. Verhaltensvereinbarungen sind sozusagen Notbremse und Unterrichtsfach in einem: Man braucht ein Instrument der Ordnung, und an diesem Instrument können jene üben, die Nachholbedarf haben.

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