Strafe oder nicht Strafe - das sollte nicht die Frage sein

Wr. Kinder- und JugendanwältInnen zur aktuellen Schuldebatte:

Wien (OTS) - Welche Form von Strafen erlaubt sein sollten und
welche nicht, darf nicht im Vordergrund der Überlegungen in den geplanten Arbeitsgruppen stehen.
Strafen sind Zeichen von Hilflosigkeit sowie von Überforderung eines Systems und tragen in keinster Weise dazu bei den Schulalltag zu verändern/zu verbessern.
Kein einziges Kind darf verloren gehen - über diesen Leitsatz sollte diskutiert werden.
Es ist dringend notwendig, dass auch das Selbstverständnis von Lehrerinnen und Lehrern, in den geplanten Arbeitsgruppen hinterfragt wird.
LehrerInnen sollten sich als PartnerInnen von Kindern und Jugendlichen sehen deren Aufgabe es ist Kinder/Jugendliche dabei zu unterstützen ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen und die Erfahrungswelt der Kinder durch spannend gestaltete Inputs zu bereichern.
Es geht vorrangig darum: was braucht Schule, was benötigen Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern, damit Schule ein Ort gegenseitiger Wertschätzung und gegenseitigen Respekts werden kann?
Auch sollte es darum gehen, dass Schule alleine vorhandene Verhaltensdefizite junger Menschen nicht entsprechend verändern kann. Nur die Eltern oder Erziehungsberechtigten können jene Bindungen und Beziehungen aufbauen, die für eine Änderung des Verhaltens notwendig sind. Wird das zu Hause verabsäumt können LehrerInnen maximal durch Ihre Vorbildwirkung Kinder und Jugendliche begeistern und somit zu adäquatem Verhalten motivieren. Mehr nicht.
Dafür jedoch müssen LehrerInnen das Handwerkzeug erlernen, wie mit SchülerInnen die unter Verhaltensproblemen leiden im Interesse der gesamten Klasse richtig umgegangen werden kann.
Wichtig dabei ist auch die positiven Ressourcen von Kindern/Jugendlichen und nicht - wie leider teilweise jetzt -Defizite in den Vordergrund zu stellen.
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten bei Fortbildungen sich diese Methoden anzueignen - und LehrerInnen sollten auch diese Kompetenzen verpflichtend ausbauen.
Die Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen müssen ausgebaut werden und ein modernes Schulsystem muss gewährleisten, dass jede/r einzelne SchülerIn optimale Voraussetzungen für die Entfaltung und Entwicklung ihrer oder seiner Talente vorfindet.
Wir erwarten uns mehr SchülerInnenzentriertheit und Individualisierung des Lernens durch in Bezug auf die Vielfalt der Schüler und SchülerInnen, ihrer Fähigkeiten und Leistungspotentiale, persönliche Erfahrungswelten und ihrer vitalen Interessen.
Eine geänderte Lernkultur soll sich an den Fähigkeiten und Ressourcen der SchülerInnen orientieren, um das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen zu stärken und sie so zu eigenverantwortlichem Arbeiten motivieren. Jugendanwalt Schmid: Wer straft ist überfordert, wer vereinbarte Konsequenzen durchsetzt, ist pädagogisch tätig.
Wir benötigen eine Schule die auf jedes/r Kinder/Jugendliche individuell eingeht , die bestehende Ressourcen fördert und wir brauchen ein Schulsystem in dem sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen und mit Freude lernen, so Jugendanwältin Pinterits.

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Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Frau DSA Monika Pinterits & Herr Dr. Anton Schmid
Tel.: (++43-1) 70 77 000
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