WKÖ-Klacska: "Volkswirtschaftliche Kosten durch Fahrverbote bis zu 280 Mio. Euro"

Österreich braucht Generalverkehrsplan - Transportbranche dringend auf der Suche nach qualifizierten Lenkern

Wien (OTS/PWK184) - Die aktuelle Situation der Fahrverbote verursacht erhebliche Kosten. Das belegt eine Studie des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik der WU Wien im Auftrag der Bundessparte Transport und Verkehr der WKÖ.

"In der letzten Zeit hat es eine Inflation an Fahrverboten gegeben. Weil Fahrverbote in erheblichem Umfang zu Umwegverkehren führen, steigen dadurch die negativen Effekte. Fahrverbote schützen jedoch nur partiell. Auch eine Verkehrsverlagerung schaffen wir dadurch nicht. Die Vielzahl und der Wildwuchs der Fahrverbote in Österreich bedürfen einer dringenden Neuregelung durch die Politik", betont Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Die volkswirtschaftlichen Kosten durch Lärm, Infrastruktur, Unfallfolgekosten und Klimaveränderung beziffert die WU-Studie mit ca. 210 bis 280 Millionen Euro pro Jahr. Zusätzlich erhöht sich der CO2-Ausstoß im heimischen Straßenverkehr um 370 bis 490 Tausend Tonnen - und diese Zahlen wurden lediglich auf Basis von Verkehren von österreichischen Unternehmen berechnet. Umwegverkehre ausländischer Unternehmen sind hier noch gar nicht berücksichtigt. Klacska: "Dies zeigt, dass eine ökologische Argumentation der Politik für Fahrverbote nicht immer zulässig ist".

Generalverkehrsplan aus einem Guss

Auch die betriebswirtschaftlichen Schäden sind erheblich, wie die Studie belegt. Pro Jahr entstehen für österreichische Transportunternehmen durch Fahrverbote zusätzliche Kosten von rund 2000 Euro pro Lkw. "Wenn wir Verkehr verhindern, verhindern wir auch die Wirtschaft in Österreich. Auch eine vernünftige Planung von Fahrverboten gehört hier dazu. Wir brauchen eine Standortentwicklung, die Verkehre mit berücksichtigt. Wir brauchen eine bundesweite Koordinierung und einen Generalverkehrsplan aus einem Guss."

Facharbeitermangel spitzt sich zu

Ein weiteres Problemfeld, das die Studie beleuchtet hat, ist der Facharbeitermangel der Branche. Erik Wolf, Geschäftsführer der Bundessparte: "Insgesamt sind derzeit rund 200.000 Lenker im gewerblichen und Werkverkehrsbereich tätig, Tendenz steigend. Die Unternehmen gehen davon aus, dass sie in den kommenden Jahren mehr Lenker als bisher einstellen werden, vor allem sehr gut qualifizierte Lenker werden immer stärker nachgefragt. Das Angebot an Fachkräften deckt diesen Bedarf jedoch nicht ab, es zeichnet sich eine Personalknappheit ab, welche für die Branche als Wachstumshemmer wirken könnte."

"Derzeit stehen wir vorwiegend in einem Preiswettkampf mit anderen Ländern. In Zukunft droht ein internationaler Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Mit den Zugangsbeschränkungen wird sich diese Problematik auch noch zuspitzen", ist Klacska überzeugt.

Die gesetzlich vorgeschriebene Lenkerweiterbildung ist für die Unternehmen eine
finanzielle Belastung. Die österreichischen Unternehmen haben es aber verstanden,
diese als Chance einigermaßen gut zu nutzen, geht aus der WU-Erhebung hervor.

Bei Lkw sagen über 45% der Unternehmen, es sei sehr schwierig, geeigneten Nachwuchs zu bekommen. Bei Bussen stellt sich die Situation noch problematischer dar: Hier sagen 60%, ihre Personalsuche gestalte sich sehr schwierig.

Klacska: "Wir erkennen dabei deutlich einen Trend zur Qualität:
Fachliche und soziale Kompetenzen werden von den Unternehmen als die wichtigsten Einstellungskriterien gesehen. Die Branche ist daher bemüht zu zeigen, dass wir attraktive Berufe mit Zukunft bieten".

Die Beschäftigung in der Mobilitätswirtschaft ist derzeit stabil. Bei der aktuellen Konjunkturerhebung der Bundessparte für das vierte Quartal 2011 gaben jedoch bereits jetzt mehr als 10% der Befragten an, ihre Geschäftstätigkeit sei durch einen Mangel an Arbeitskräften behindert.

Konjunktur: Kurve ins Minus gerutscht - Ausblick positiv

Die konjunkturelle Entwicklung der Branche zeigt grundsätzlich nach unten. Die Unternehmen aus der Mobilitätsbranche bewerten das zurückliegende 4. Quartal 2011 schwierig. Positiv ist jedoch der Blick in die Zukunft: Die Geschäftslage wird mittelfristig wieder positiv beurteilt, nachdem die vergangene Erhebung noch eine negative Tendenz aufwies. "Auch der Containerumschlagsindex zeigt, dass die Wirtschaft brummt und die Tendenz positiv ist", hält Klacska fest.

Auch die Insolvenzen mit einem Rückgang um 9% sowie die Neugründungen (im Jahr 2010 wuchs die Branche um 1.830 Unternehmen) in der Branche zeigen ein erfreuliches Bild, wie Wolf erläutert. Bei den Neuzulassungen gibt es deutliche Zuwächse, was unter anderem auch auf die Fahrzeugförderungen der Bundesländer zurückzuführen ist.

Die Fahrleistung von Kfz über 3,5t hzG auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen ist im Jahr 2011 um etwa 3,7% gestiegen. Die höchsten Fahrleistungen von 2007 und 2008 konnten jedoch noch nicht erreicht werden. (PM)

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