Gleitsmann zu Über- und Mehrstunden: Österreichs Betriebe punkten mit hoher Arbeitsqualität

Österreich mit hohem Überstundenzuschlag im europäischen Spitzenfeld

Wien (OTS/PWK178) - Zu den heute, Freitag, publizierten
Ergebnisse der Arbeiterkammer in Hinblick auf Über- und Mehrstunden in Österreich, stellt der der Leiter der Sozialpolitischen Abteilung der WKÖ, Martin Gleitsmann, klar: "Die von der AK ausgewiesene Summe an nicht bezahlten Überstunden ist äußerst fraglich. Denn vielfach werden Überstunden pauschal abgegolten, sodass sie nicht einzeln verrechnet werden."

Dass Österreichs Betriebe mit hoher Arbeitsqualität punkten, belege etwa der "Working Condition Survey", in dem Österreich in vielen Bereichen sogar im europäischen Spitzenfeld zu finden ist. So entsprechen für 62,9 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer ihre faktischen Arbeitszeiten exakt auch ihren Wunscharbeitszeiten. Damit liegt unser Land um 13,9 Prozent über dem Schnitt der EU27 und lässt auch die skandinavischen "Vorbildländer" hinter sich. In Österreich wird zudem weniger an Wochenenden als in den anderen EU-Ländern gearbeitet bzw. gibt es weniger Arbeitstage, an denen mehr als zehn Stunden gearbeitet werden muss.

Um beim Thema Überstunden zu einem Gesamtbild zu kommen, müsse die Arbeiterkammer aber auch folgende Fakten anführen: Überstunden sind meist von den Arbeitnehmern gewünscht und weniger eine unbedingte betriebliche Notwendigkeit des Arbeitgebers. "Denn für den Arbeitgeber sind Überstunden teuer: Der in Österreich vorgesehene Überstundenzuschlag von 50%, vielfach sogar 100%, ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Üblich sind im europaweiten Vergleich etwa mit Deutschland, Frankreich oder der Schweiz 25%", erläutert Gleitsmann. Überstunden seien für den Arbeitnehmer aber nicht nur aufgrund des hohen Zuschlags lukrativ, sondern auch aufgrund der Steuerbefreiung. Somit fördere der Gesetzgeber Überstunden. Hinzu komme, dass der Mehrarbeitszuschlag für Teilzeitbeschäftigte von 25% in Europa "einzigartig" sei.

Kritik an Überstundenpauschalen und All-In-Verträgen weist Gleitsmann zurück, weil diese auch im Interesse der Arbeitnehmer liegen: Denn einerseits fallen diese auch an, wenn gar keine Überstunden geleistet werden. Andererseits zeige die Erfahrung, dass die Einführung von Überstundenpauschalen oder All-In-Verträgen die Überstunden reduziere, weil Arbeitnehmern der finanzielle Anreiz zur Überstundenleistung fehle.

"Die Wirtschaft hat im Sinne ihrer Mitarbeiter ein hohes Interesse an einer ausgewogenen Work-Life-Balance, aber auch an Flexibilität. Und Flexibilität sichert Jobs, wie auch die Krise 2008/09 gezeigt hat. Es ist besser und in Österreich üblich, Auftragsschwankungen mit flexiblen Arbeitszeiten aufzufangen, als mit hire & fire", so Gleitsmann. (us)

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