Gunter Dueck beim E-Day 2012: "Rasendes Leben in einer immerwährenden Beta-Welt"

Wird das Internet "das Betriebssystem der Gesellschaft"? - Und: So gut wie nichts mehr ist sicher, Menschen müssen anderes Gefühl für Veränderung finden, sagte Dueck

Wien (OTS/PWK145) - Er bezeichnete sich in seiner sehr
launigen, aber nichts desto weniger gehaltvollen Keynote-Speech beim heutigen E-Day 2012 in der Wirtschaftskammer Österreich in Wien als "notorischer Optimist, der die Zukunft voraussagt": Gunter Dueck, Mathematiker, Betriebswirt, Schriftsteller und Philosoph, der lange Zeit für IBM gearbeitet hat, zuletzt als Chef-Technologe (Chief Technology Officer, CTO) in Deutschland.

Was kommt also, oder vielmehr: Was ist und wie wird sich der Status Quo (weiter) entwickeln?

Einmal mehr sprach Dueck ( bei Twitter: @wilddueck http://twitter.com/wilddueck ) davon, dass demnächst Betriebssysteme für alles und jedes existieren werden und vom "Internet als Betriebssystem der Gesellschaft". Und er verband seine Sicht vom Internet als Operating-System und Querschnitts-Plattform für die Gesellschaft mit einem Seitenhieb auf die (deutsche) Politik: Auch dort gibt es ja die Forderung nach der Schaffung des Amtes eines Internet-Ministers: "Na das ist vielleicht eine blöde Idee", so Dueck, weil eben viel zu wenig vernetzend und übergreifend gedacht. Das schaffen Regierungen, das schafft die Politik (noch) nicht. Und apropos Politik: "Hat diese überhaupt noch die richtige Sichtweise auf gewisse Dinge? Denn sie vertritt ja Bevölkerungsgruppen, die nicht mehr da sind", so Dueck in Anspielung auf beispielsweise einen zahlenmäßig immer weniger werdenden Bauernstand.

Weitergedacht müssten dann auch "Ämter" neu definiert werden: Dort werden jetzt Akten produziert und hin- und hergeschoben: "Das braucht es im Internet nicht, dort sind Akten immer da", sagte Dueck.

Oder im Bereich Fortbewegung und Mobilität - die Sache mit dem Auto: Digital Natives legten, so Dueck, weniger Augenmerk auf den Markenwert eines Autos, das sie als generell nicht (mehr) als so wichtig erachten. Vielmehr ginge es darum, wie und wie gut sich ein Auto digital bedienen und steuern lasse. Und überhaupt dräue herauf, dass die Autos der Zukunft als Taxis konzipiert sind: Man ruft sich eines, wenn man es braucht, und wird dorthin gebracht, wo man hin will. Dafür würden dann quantitativ nur mehr 10 Prozent der Autos von heute benötigt. Aber: "Eine ganze Industrie wird platt."

Zu den Bereichen Handel und Verkauf formulierte Dueck: "Ziehen Sie sich warm an, wenn Sie ein Geschäft haben. Bereits jetzt sind (Preis-)Vergleiche vor Ort - bspw. via Smartphone - gebräuchlich. Passt das Angebot oder der Preis nicht, geht's weiter zum Nächsten oder es wird online woanders gekauft."

Ebenfalls am Horizont sichtbar: eine Revolution an den Universitäten, weil Professoren lieber Vorlesungen in World Wide Web für 1000.000 Teilnahmer als für 200 Teilnehmern - und das in zu kleinen, überfüllten Hörsälen - halten würden. Und die Studierenden könnten dann - etwa wenn sie etwas nicht verstanden haben - in der Videoaufzeichnung zurückspulen und sich Passsagen nochmals anhören.

Und dann die Arbeitswelt: Diese werde sich bald zweigeteilt präsentieren, prophezeite Dueck die "zweite Revolution im tertiären Wirtschaftsbereich": Dem industrialisierten Teil der Welt, den "Teiletauschern", werden die High Professionals gegenüberstehen, also jene, die etwas richtig Schwieriges richtig gut können ("Fachleute-Knappheit" inklusive). In gewisser Weise würden Berufe obsolet: Manager beispielsweise "schaffen sich gerade ab." Zahlen auswerten bewerkstelligen Computer besser.

Vor dem Hintergrund der Frage "Was kommt?" und der Unsicherheit und der Neigung zu Angst vor Veränderung wäre es angebracht, "rechtzeitig für Neues, für Nachwuchs zu sorgen". Das gelinge aber nur in Familien richtig gut, im Wirtschaftsleben beispielsweise weniger.

Dazu kommt: Die Veränderungsgeschwindigkeit der Welt heute ist so hoch, dass es - Stichwort "Sicherheit" und sicher sein können - gar nicht mehr so weit kommt, dass Dinge "sicher" sind, weil sie schon vom Nächsten abgelöst worden sind oder gerade werden. "Wir müssen ein anderes Gefühl finden", plädierte Dueck im Zusammenhang mit dem "rasenden Leben in einer immerwährenden Beta-Welt". (JR)

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