ÖGB: Mehr als 450.000 Menschen trotz Erwerbstätigkeit von Armut gefährdet

Aktionstag der Gewerkschaften, des ÖGB und der Arbeiterkammer

Wien (OTS/GPA-djp/vida/AK/ÖGB) - Mehr als 450.000 Menschen leben
in Familien die trotz Erwerbstätigkeit von Armut gefährdet sind. Darauf wurde heute beim Aktionstag "Santa Precaria" von GPA-djp, vida, AK-Wien und ÖGB mit einer "Prozession" in Wien aufmerksam gemacht. "Es sind vor allem Frauen die davon betroffen sind" erklärten die ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht und Elisabeth Vondrasek, Frauenvorsitzende der vida.++++

Die Wohnung nicht ausreichend heizen können, keine neue Kleidung kaufen können und sich keine gesunden Lebensmittel leisten können, das ist das Schicksal von mehr als 450.000 Menschen in Österreich. Und das, obwohl die FamilienerhalterInnen einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen. Ruprecht: "Das Arbeit nicht mehr vor Armut schützt sollte die Verantwortlichen beschämen. Wenn sich Leistung lohnen soll, müssen die Mindesteinkommen, insbesondere in den Niedriglohnbranchen, erhöht werden."

5,77 Euro Bruttoverdienst pro Stunde sind keine Seltenheit. Das bedeutet bei einer Arbeitszeit von 40 Stunden die Woche weniger als 1.000 Euro Brutto im Monat. Ruprecht: "Die Armutsgrenze liegt derzeit bei 951 Euro im Monat. Und dazu kommt, dass bei einem derart geringen Verdienst auch andere Leistungen wie beispielsweise das Arbeitslosengeld dementsprechend niedrig ausfallen."

Vondrasek machte darauf aufmerksam, dass gerade im Niedriglohnbereich wie im Tourismus oder in der Reinigungsbranche unfreiwillige Teilzeit, gestückelte und unregelmäßige Dienste sowie teils ständige Erreichbarkeit für die Beschäftigten oft bedrückende Realität sind. "Darunter haben insbesondere viele Frauen zu leiden. Sie stellen nämlich im Tourismus wie auch in den Pflege- und in den Sozialberufen die Mehrheit der Beschäftigten und sind dadurch häufig von prekärer Beschäftigung betroffen. Immer mehr Leistung bei mehr Flexibilität und weniger Lohn - so kann und darf es nicht weitergehen", kritisierte Vondrasek.

Als "neue Form der prekären Beschäftigung" sieht vida auch die 24-Stunden-Betreuung alter und kranker Menschen: "Obwohl es sich durch die steigende Lebenserwartungen um eine wachsende Branche handelt", mahnt die vida-Frauenvorsitzende: "Unser Hauptkritikpunkt an der gesetzlichen Regelung der Personenbetreuung ist, dass die Tätigkeit auch als selbständige Beschäftigung ausgeübt werden darf, obwohl eine Betreuerin eindeutig von einem einzigen Auftraggeber abhängig ist." Dies spreche eindeutig gegen die Einordnung als Selbstständige/er. "Zudem fordern wir verpflichtende Ausbildungsvorschriften ein, da eine bessere Ausbildung auch das Tor zu einem höheren Einkommen und den Weg aus prekären Verhältnissen darstellt", unterstreicht Vondrasek.

Ruprecht und Vondrasek fordern, dass 1.300 Euro Mindestlohn "ohne wenn und aber" umgesetzt wird. Dazu muss das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen ausgebaut und die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Weiters soll die Qualifikation von MigrantInnen besser anerkannt werden.

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