Schatz: Rote Gewerkschafter beten lieber zu Santa Precaria und lassen prekär Beschäftigte im Regen stehen

Schon 30 Prozent der hauptberuflichen, jungen Journalisten nur freie MitarbeiterInnen

Wien (OTS) - "Tausende, vor allem junge Menschen in Österreich
sind atypisch und meist prekär beschäftigt. Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen. Der heutige Aktionstag ist eine Möglichkeit dazu, die ich unterstütze. Gleichzeitig ist es aber beschämend, dass den roten Gewerkschaften nicht viel mehr zum Thema einfällt, als eine Heilige zu beschwören - und das seit Jahren," kritisiert Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der GRÜNEN die lasche Vorgangsweise des ÖGB in dieser Frage. "Es kann doch nicht sein, dass sich diese starke ArbeitnehmerInnenvertretung darauf beschränkt, Betroffenen Beratung und Begleitung vor dem Arbeitsgericht anzubieten. Ja- work@flex trifft den Punkt und auch die ÖGB-Frauen erkennen die Probleme, aber den wichtigen Leuten an der ÖGB-Spitze sind die jungen, prekär Beschäftigten offenbar 'wurscht'. Sie setzen noch immer auf die Stammbelegschaften in Großbetrieben. Doch deren Jobs sind Auslaufmodelle. Jetzt müssen wir alle darum kämpfen, dass Flexibilität und Soziale Sicherheit kein Widerspruch bleiben. Da wäre die ÖGB-Spitze gefordert", betont Schatz.

Drinnen oder draußen? Das wird für immer mehr ArbeitnehmerInnen zur Gretchenfrage. Draußen, also außerhalb der Standardbeschäftigung ohne vollständige Arbeits- und Sozialrechte sind vor allem immer mehr Junge, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Etwa 15 % aller unselbstständig Beschäftigten arbeiten gegenwärtig in Freien Dienstverträgen ( 19.143 Personen), geringfügiger Beschäftigung (315.896 Personen) oder als LeiharbeiterInnen (74.783 Personen). Bereits jede/r Elfte beschäftigte im Handel und jede/r Vierte Beschäftigte im Tourismus arbeitet ohne Kranken-, Pensions- oder Arbeitslosenversicherung als geringfügig Beschäftigte/r, Tendenz steigend. Zählt man die Gruppe, die zwar in sogenannten Normalarbeitsverhältnissen mit schlechten Kollektivverträgen wie etwa im privaten Gesundheits- und Sozialbereich oder/und in Bereichen mit höchst unsicheren Arbeitsbedingungen wie in der Saison- oder Projektarbeit im Tourismus oder der Wissenschaft und Forschung arbeiten mit, so kommt man auf 30-40% aller unselbstständigen Erwerbstätigen, rechnet Schatz vor.

"Zigtausende Menschen in Österreich gehen derzeit einer Arbeit ohne Zukunft nach, leben in einer chronischen Unsicherheit am Rande zur Armutsgefährdung oder schon mittendrinnen. Auch höhere Bildung ist längst keine Garantie mehr für sichere Arbeitsverhältnisse. Laut einer Studie der FH Graz arbeiten bereits 30% aller hauptberuflichen JournalistInnen als freie MitarbeiterInnen, ein immer größerer Teil der Beschäftigten in Wissenschaft und Forschung arbeitet nur noch auf Projektbasis. Auch der Öffentliche Sektor bietet mit steigender Tendenz atypischer Arbeitsverträge an, so kann auf Kosten der Beschäftigten eingespart werden. Wo soll das hinführen? Wir müssen raus aus dieser Spirale, die die Qualität des österreischischen Arbeitsmarktes sukzessive ruiniert", fordert Schatz.

Flexibel und selbstbestimmt arbeiten bei ausreichender sozialer und arbeitsrechtlicher Absicherung - das ist Ziel der Grünen. "Wir wollen nicht zurück zu starren Strukturen aus dem letzten Jahrhundert, doch Flexibilität darf nicht auf Kosten der Beschäftigten stattfinden. Es braucht Schutz und Flexibilität, faire Einkommen und Perspektiven. Dazu gehören aus Sicht der Grünen ein Modell der Grundsicherung, eine Gleichstellung der atypischen Beschäftigung auf allen arbeits- und sozialrechtlichen Ebenen, die Abschaffung rechtlicher Graubereiche zwischen selbstständiger und unselbstständiger Beschäftigung, aber auch zwischen Ausbildungsverhältnissen wie Praktikum und normaler Beschäftigung. Wir Grüne bringen dazu immer wieder Anträge im Nationalrat ein, die aber von den roten GewerkschafterInnen dort nicht unterstützt werden. Die beten offenbar lieber zur Santa Precaria", so Schatz.

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