• 28.02.2012, 10:00:33
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  • OTS0059 OTW0059

Brennpunkt Bildgebung: Teleradiologie - Move the data, not the patient

Wien (OTS) - 28. Februar 2012.
Die Teleradiologie ist ein Sonderfall der Radiologie, bei der sich
der Röntgenfacharzt nicht vor Ort befindet, trotzdem aber die
Befundung einer Untersuchung vornimmt. Es sind vor allem zwei große
Bereiche, in denen dieses Vorgehen zum Einsatz kommt. Einerseits in
Krankenhäusern, welche keinen eigenen radiologischen Not- oder
Nachdienst haben, andererseits in der Telekonsultation von besonders
komplizierten Fällen, wobei hier im Gegensatz zum ersten Fall die
Erstuntersuchung auch von einem Radiologen durchgeführt wird.

Was tun, wenn kein Radiologe anwesend ist
Auch in Österreich gibt es nicht selten den Fall, dass in einem
Krankenhaus kein radiologischer Dienst anwesend ist, insbesondere bei
Nacht-, Sonn- und Feiertagsdiensten.
Wird jedoch eine akute radiologische Untersuchung erforderlich, ist
es immer sinnvoller, die Untersuchung trotzdem im Haus zu machen, als
den Patienten selbst zu transferieren. Hier gilt der Grundsatz der
Teleradiologie "Move the data, not the patient", welcher aber
natürlich auch einige Nachteile mit sich bringt.
Da kein Röntgenfacharzt selbst vor Ort ist, muss die radiologische
Untersuchung, welche mit klaren gesetzlichen Auflagen verbunden ist,
aus der Ferne koordiniert werden. Unter anderem ist der Radiologe
dafür verantwortlich, dass die vom zuweisenden Arzt angeforderte
radiologische Untersuchung gerechtfertigt ist, die Untersuchung die
gestellte Frage beantwortet, optimaler Strahlenschutz für Personal
und Patienten gewährleistet ist und schließlich, dass ein
schriftlicher Befund mit röntgenologischer Diagnose erstellt wird.
Ohne unmittelbare Anwesenheit des Radiologen muss die Erfüllung
dieser Auflagen nun durch eine direkte Kommunikation und Abstimmung
der beteiligten Stellen gewährleistet werden, z.B. zwischen dem
Radiologen und einem behandelnden Chirurgen.
Hierbei wird zunächst - meist per Telefon, seltener per
Videokonferenz - entschieden, ob und welche Untersuchung für den
Patienten akut notwendig ist und wie diese durchgeführt wird. Die
Ergebnisse dieser Untersuchung werden dem Radiologen elektronisch
übermittelt und daraufhin von diesem befundet. Auf Grundlage dessen
baut dann die weitere Entscheidungs- und Behandlungsfindung des
Chirurgen auf.

Teleradiologie aus Arzt- und Patienten-Sicht
Die Vorteile für den Radiologen liegen bei der Teleradiologie
zunächst darin, dass er seine Expertise in einem größeren räumlichen
Bereich für die Patienten zur Verfügung stellen kann.
Allerdings sind hiermit auch einige Erschwernisse verbunden, wie
Prim. Dr. Hans Mosser, Leiter der Radiologie am Landesklinikum Krems,
bestätigen kann: "Die Teleradiologie bedeutet für den Röntgenfacharzt
eine Zusatzleistung, die für ihn noch dadurch erschwert wird, dass er
nicht direkt beim Patienten sein kann, sich also abseits des
klinischen Kontextes befindet. Sowohl für die Durchführung als auch
die Interpretation der Befundung einer Untersuchung ist es nicht
selten erforderlich, mit dem Patienten Rücksprache zu halten, oder
den Patienten selbst zu untersuchen."
Die Vorteile aus der Sicht des Patienten liegen ganz klar im
Grundsatz "move the data, not the patient" begründet. Wenn also eine
notwendige Untersuchung vor Ort stattfinden kann und man den
Patienten nicht in ein anderes Krankenhaus transferieren muss, erhöht
dies den Zugang zur Radiologie und die Verfügbarkeit eines Radiologen
für den Patienten. Die Teleradiologie bzw. die übergeordnete
Telemedizin kann als Schritt von der arztzentrierten zur
patientenzentrierten Medizin hin gesehen werden.

Klare gesetzliche Regelungen
Um den Risiken der Teleradiologie und der Abwesenheit des Radiologen
in seiner Funktion als "Strahlenschutzbeauftragter" unmittelbar vor
Ort entgegenzuwirken, hat der Gesetzgeber in Österreich durch die
Novellierung der Strahlenschutzverordnung im Juni 2010 dem Rechnung
getragen und die Anwendung der Teleradiologie auf akute Notfälle
beschränkt.
Teleradiologische Befundungen sollen die Ausnahme und nicht die Regel
darstellen und sind daher in Österreich auch auf Nacht-, Sonn- und
Feiertagsdienste beschränkt.
Laut Prim. Mosser hat man hier auch eine der Hauptgefahrquellen der
Teleradiologie erkannt und eingedämmt: "Die Teleradiologie würde
ansonsten die Radiologie zu einer ausgelagerten bloßen
Befundungstätigkeit mit Abkoppelung vom klinischen Umfeld des
Patienten reduzieren. Dadurch würde sie neben einer verschlechterten
medizinisch-radiologischen Qualität auch erhöhte Kosten mit sich
bringen, wenn man bedenkt, dass teleradiologisch entstandene Befunde
meist unverbindlicher sind und häufiger Empfehlungen für
Kontrolluntersuchungen und Biopsien enthalten".
Da es sich bei der Teleradiologie um medizinische, also sogenannte
sensible Daten handelt, gelten auch für diese alle diesbezüglichen
gesetzlichen Richtlinien, Verordnungen und Gesetze.

Weitere Entwicklung in der Teleradiologie
Die derzeitige Entwicklung lässt darauf schließen, dass parallel zu
immer größeren Krankenhausverbünden die derzeit noch immer recht
heterogenen radiologischen/medizinischen Informationssysteme
homogenisiert und vernetzt werden, und die Anwendung der
Teleradiologie daher zunehmen wird. Einerseits, da europaweit ein
zunehmender Mangel an Röntgenfachärzten besteht, und andererseits
medizinisches Denken und Handeln zunehmend ökonomisch dominiert wird.
"Was ich mir wünschen würde ist, dass für jedes Krankenhaus ab einer
gewissen Ausstattung und Größe ein Röntgenfacharzt 24 Stunden vor Ort
gesetzlich gefordert ist. Teleradiologie verbessert dort, wo ein
Radiologe nicht vor Ort ist, den Zugang des Patienten zur Radiologie.
Besser Teleradiologie als gar keine Radiologie. Aber uns muss eines
ganz klar bewusst sein: Es handelt sich hierbei um eine
infrastrukturelle Notsituation, die teleradiologisch gelöst wird.
Dass man aber eine Notlösung nicht zum Standard machen darf, indem
man die klinische Radiologie und ihre vorhin beschriebenen Vorteile,
die ja auch weit über eine bloße Befundung hinausreichen,
grundsätzlich auf Teleradiologie einschränkt und reduziert, ist
ebenso einsichtig", so Prim. Dr. Mosser zu seinen Wünschen an die
Zukunft der Teleradiologie.

Ab 1. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 24. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2012 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 rund 300 internationale Firmen die
neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Rückfragehinweis:
Julia Patuzzi, David Zizka
Press Office - European Society of Radiology
Neutorgasse 9, 1010 Wien
Tel.: +43-1-533 40 64-545 | Fax: +43-1-533 40 64-441
press@myESR.org | www.myESR.org/press

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