TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 25. Februar von Mario Zenhäusern "Gestolpert über sich selbst"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Sein ihm eigenes Verständnis von
Sauberkeit in der Politik hat Christian Switaks Karriere beendet. Bezeichnend für seinen Fall ist, dass die ÖVP den Rücktritt des Platter-Vertrauten mit zustimmendem Schweigen zur Kenntnis nahm.

Christian Switak hat die Reißleine gezogen. Sein Rücktritt hat Landeshauptmann Günther Platter von der unangenehmen Aufgabe entbunden, seinem engsten Vertrauten den Sessel vor die Tür zu stellen. Switak ist nämlich längst zur Belastung geworden. Für die Tiroler Landesregierung, für die ÖVP und ganz besonders für Platter. Der hatte ihn nach der Affäre rund um die Schnäppchen-Wohnung in bester Lage noch gehalten. Nach den jüngsten Enthüllungen musste Platter reagieren. Vor allem deshalb, weil nicht ausgeschlossen ist, dass der Affäre um Jagdeinladungen der Telekom noch andere folgen könnten.
Die ÖVP hat den Rücktritt Switaks gestern mit zustimmendem Schweigen zur Kenntnis genommen. Eine bezeichnende Reaktion. Obwohl dem Finanzlandesrat allgemein eine gute Ressortführung attestiert wird, obwohl sich Tirols Finanzwelt unter seiner Leitung ordentlich entwickelt hat, weint ihm niemand eine Träne nach. Schon bei der Wohnungsaffäre stellte sich keiner der Parteigranden schützend vor Switak, und auch jetzt hält sich das Bedauern über seinen Abgang in überschaubaren Grenzen. Das ist ein Zeichen dafür, dass Switak es in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, eine Lobby aufzubauen. Er ist in der Tiroler ÖVP noch nicht angekommen. Und wird es wohl auch nicht mehr.
Sein kühles Verhältnis zur ÖVP-Basis hat Switaks Ausscheiden aus der Tiroler Landespolitik beschleunigt. Zum Verhängnis wurde es ihm nicht. Gestolpert ist er ausschließlich über sich selbst. Über sein ihm eigenes Verständnis von Sauberkeit in der Politik, das sich von jenem des Großteils der Tirolerinnen und Tiroler so grundlegend unterscheidet.
Rechtlich mag sich Switak nichts zuschulden kommen lassen haben. Die moralische Bewertung der diversen Vorwürfe allerdings muss zu seinen Ungunsten ausfallen. Für Politiker, zumal in Schlüsselpositionen, gelten eben andere Maßstäbe als für Otto Normalverbraucher. Und das nicht erst sei der Telekom-Affäre.
Für den Landeshauptmann kommt der Wechsel in der Regierung gerade noch rechtzeitig. Die ständige Kritik an seinem Mitstreiter hat auch an seinem Image gekratzt. Ein Jahr vor den nächsten Landtagswahlen braucht Platter alles andere als Querschüsse gegen sich, seine Politik und sein Regierungsteam. In Zeiten von Sparpaketen und steigenden Belastungen erwarten die Menschen Führungsqualität. Davon war bis jetzt wenig zu spüren.

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