Die Angewandte fordert die Auflösung der Pädagogischen Hochschule Wien und Eingliederung der Ressourcen in die Universitäten

Wien (OTS) - Die Angewandte bietet die Ausweitung des Kunstpädagogik-Lehrangebotes für alle Schulstufen und Schulformen ab der Volksschule bei Übernahme der entsprechenden Ressourcen von der PH Wien an. Es ist unseriös, wenn die Regierung von den Universitäten ständig mehr Effizienz und Synergien fordert, aber dort, wo es ein enorm großes Effizienz- und Synergiepotenzial gäbe, nämlich bei der LehrerInnenbildung, konkrete Handlungsoptionen beharrlich ignoriert!"

In einer von Rektor Gerald Bast, Vizerektorin Barbara Putz Plecko und der Senatsvorsitzenden Ruth Mateus-Berr unterzeichneten Erklärung ergreift die Angewandte in der ebenso langwierigen wie ergebnisarmen Debatte um eine "LehrerInnenbildung neu" nun die Initiative:

Die Universität für angewandte Kunst Wien bietet den politischen Entscheidungsträgern im Bund und in der Stadt Wien an, die inhaltliche, organisatorische und personelle Verantwortung für die LehrerInnenbildung für alle Schulstufen und Schulformen ab der Volksschule in den Bereichen Bildnerische Erziehung, Werkerziehung und Textiles Gestalten zu übernehmen.

Die Universität für angewandte Kunst Wien schließt sich damit der Forderung der Universitätenkonferenz an, die gesamte LehrerInnenbildung in die Universitäten zu integrieren und konkretisiert diese für den Standort Wien und im Besonderen für die Universität für angewandte Kunst wie folgt:

- Auflösung der Pädagogischen Hochschule Wien und Übertragung der dort angesiedelten personellen, räumlichen, sachlichen und finanziellen Ressourcen an die jeweils inhaltlich (wissenschaftlich/künstlerisch) zuständigen Universitäten in Wien

- Wahrnehmung der LehrerInnenbildung und LehrerInnenfortbildung für alle Schulstufen ab der Volksschule durch die Universitäten -teilweise in Form von interuniversitär eingerichteten Studiengängen, in die (z.B. für die VolksschullehrerInnenbildung) unterschiedliche Universitäten ihre jeweiligen wissenschaftlichen und künstlerischen Kompetenzen (samt den von der PH übernommenen) einbringen

- Abstimmung der universitären Curricula für die LehrerInnenbildung mit dem Unterrichtsministerium

Die Universität für angewandte Kunst bietet innerhalb solchermaßen neu gestalteter Rahmenbedingungen (einschließlich der erforderlichen finanziellen Grundlagen) folgendes an:

- Ausweitung des derzeit nur auf LehrerInnen höherer Schulen (AHS und BHS) ausgerichteten Studienangebots für künstlerische Lehramtsstudien auf die Erfordernisse aller Schulstufen und Schulformen

- Einrichtung von Qualifizierungsstudien für bereits aktive LehrerInnen ohne Lehramtsprüfung

- Einrichtung von Aufbaustudien für AbsolventInnen der Studienrichtungen Design, Architektur und Bildende Kunst, um diesen die für die Tätigkeit als LehrerInnen erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln

- Etablierung von Weiterbildungsangeboten für KunstpädagogInnen

Die Universität für angewandte Kunst Wien will damit einen Beitrag leisten, der dem bereits 2007 formulierten Reformziel, Schule als kulturelles Zentrum zu verstehen, seriös Rechnung trägt.
"Es geht nicht an, dass die Regierung von den Universitäten ständig die Herstellung und Nutzung von Synergien fordert, aber dort, wo es ein enorm großes Synergiepotenzial gäbe, konkrete Handlungsoptionen ignoriert!

Das Zusammenführen der derzeit an den Pädagogischen Hochschulen angesiedelten Kompetenzen mit den an den Universitäten bestehenden herausragenden wissenschaftlichen und künstlerischen Kompetenzen ist die einzig wirklich sinnvolle Strategie - sowohl im Sinne der Kinder und Jugendlichen als auch im Sinne eines effizienten, effektiven und synergetisch wirksamen Einsatzes bestehender Ressourcen.

Der Aufbau von Pädagogischen Universitäten parallel zu den bestehenden Universitäten wäre mehr als suboptimal: Er würde wissenschaftlich / künstlerische Synergien zwischen bestehenden personellen Ressourcen eher behindern als fördern, und er wäre aus Sicht wirtschaftlicher Sparsamkeit und organisatorischer Zweckmäßigkeit kontraproduktiv.

Die Universität für angewandte Kunst bietet künstlerische Lehramtsstudien seit 1973 erfolgreich an. Ein wesentliches Bildungsziel ist, die AbsolventInnen gut darauf vorzubereiten, auf der Grundlage ihrer künstlerischen, wissenschaftlichen, pädagogischen und schulpraktischen Kompetenzen, aktiv zu Entwicklungs- und Transformationsprozessen im Arbeitsfeld Schule beizutragen bzw. solche Prozesse zu initiieren. Für den Unterricht heißt das, die konkrete gestalterische Praxis ernst zu nehmen, und das individuelle und kollektive Tun zu einem Handeln werden zu lassen. Dies setzt voraus, das Fragen zu fördern, ein persönliches Interesse zu entwickeln, etwas entdecken, erforschen, erfahren und für andere sichtbar machen zu wollen. Und es fordert, sich selbst in seinem Verhältnis zur Welt zu erkennen und die Grundlagen von Verhältnissen, Beziehungen, Positionierungen, Ein- und Ausgrenzungen auszuloten. Kunst, Architektur, Design, Mode, Styles, visuelle Kultur und Gesellschaft sind dabei Basis und Fokus zugleich.

Wir wissen: Künstlerische Prozesse untersuchen und erschließen die Welt "anders". Ein Lernen, das auf künstlerischen Prozessen aufbaut, ist in besonderer Weise anschaulich. Es eröffnet Erfahrungs- und Entwicklungsräume, in denen sich Selbsterfahrung mit dem Begreifen und Erschließen von Welt verschränkt. Es fördert ein positives Verständnis von Vielfalt, von mehrperspektivischen Betrachtungsweisen. Kunstgeleitetes Lernen regt zu ungewöhnlichen Verbindungen an. Es produziert Erkenntnis in eigener Weise. Es lässt die Welt als gestaltet und als gestaltbar erkennen, was heißt: Es fördert in besonderer Weise die Fähigkeit, vom Denken zum reflektierten Handeln zu finden - Kreativität und Gestaltungskraft, die schließlich von Belang ist für alle Lebenspraxen.

Eine Schule, die handlungsfähige Bürgerinnen und Bürger auf die von der EU postulierte Innovations- und Kreativgesellschaft vorbereiten will, wird darauf nicht verzichten können!

Ao.Univ.Prof.Dr. Ruth Mateus-Berr (Senatsvorsitzende) o.UnivProf.Mag.Barbara Putz-Plecko (Vizerektorin für künstlerische und wissenschaftliche Forschung)
Dr. Gerald Bast (Rektor)

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