Japan: Striktere Radioaktivitäts-Grenzwerte können Verstrahlung der Bevölkerung nicht ungeschehen machen

GLOBAL 2000 kritisiert verspätete Reaktion der japanischen Regierung, fordert striktere Limits auch für EU

Wien (OTS) - Die japanische Regierung hat heute angekündigt, dass sie die Radioaktivitäts-Grenzwerte für radioaktives Cäsium per 1. April 2012 auf ein Fünftel bis ein Zwanzigstel der früheren Grenzwerte heruntersetzen wird - auf 100 Becquerel pro Kilogramm für Fleisch, Fisch und Gemüse, auf 50 Becquerel pro Kilogramm für Milch und Babynahrung und auf 10 Becquerel pro Liter für Trinkwasser. "Ein Becquerel bezeichnet einen radioaktiven Zerfall pro Sekunde - der wissenschaftliche Konsens ist, dass jede zusätzliche Strahlenbelastung potenziell schädlich ist und zu vermeiden ist. Dass die japanische Regierung jetzt endlich reagiert und die nach Fukushima stark angehobenen Grenzwerte absenkt, ist zu begrüßen -aber zu spät für die massenhafte Verstrahlung der japanischen Bevölkerung", sagt Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000. Im Juli 2011 wurde bekannt, dass Fleisch von 3000 Rindern mit einer Strahlenbelastung von bis zu 3200 Becquerel pro Kilogramm in den Handel gelangt war.

Die in der EU geltenden Grenzwerte werden von den UmweltschützerInnen immer wieder als zu lax kritisiert. "Es ist auffällig, dass die neuen japanischen Cäsium-Grenzwerte nicht nur weit unter den früheren Grenzwerten liegen - was früher sicher war, ist also jetzt gefährlich - sondern auch unter denen der EU", so Uhrig. Die EU-Grenzwerte liegen bei 370 Becquerel/kg für Babynahrung und Milch und 600 Becquerel pro Kilogramm für sonstige Nahrung. "Wir fordern, dass sich die EU-Werte an den neuen, strikten Werten der japanischen Regierung orientieren müssen - und dass sie strikt überprüft werden müssen", betont der Atomexperte. Eine Stichprobe von GLOBAL 2000 ergab letztes Jahr eine fast doppelte Überschreitung des Cäsium-Grenzwerts für heimisches Wildschweinfleisch, die in keiner Kontrolle aufgefallen wäre.

Radioaktives Cäsium-134 und -137 ist ebenso wie andere radioaktive Spaltprodukte wie Jod-131, Xenon-133 und andere Isotope durch die Reaktorkatastrophen im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in großer Menge in die Umwelt freigesetzt worden. "Die jetzige Beschränkung des Grenzwertes kann die Sünden des vergangenen Jahres nicht ungeschehen machen, die insbesondere darin bestanden, dass bei den Kindern und Jugendlichen der riesigen belasteten Region keine Jodblockade mit Jodtabletten durchgeführt wurde", so Uhrig. "Dadurch nahmen die Kinder radioaktives Jod in ihre Schilddrüsen auf - im Juli 2011 wurde bereits gemessen, dass 45 % von über 1000 untersuchten Kindern radioaktives Jod in der Schilddrüse aufgenommen haben. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass von 3765 getesteten Kindern und Jugendlichen 1143 bereits Knoten oder Zysten in den Schilddrüsen aufwiesen. Was hier passiert ist, war ein bewusster Menschenversuch und das völlige Versagen der Schutzaufgabe einer jeden Regierung."

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