WirtschaftBlatt-Leitartikel: Die Zeit fürs Köpferollen ist da - von Esther Mitterstieler

Leistung zählt leider überhaupt nicht. Nur die blanke Macht

Wien (OTS) - Es ist jetzt doch schon einiges an Wasser die Donau hinuntergeflossen, seit die ersten Ermittlungen zur Korruption in Sachen Telekom Austria vonstattengingen. Jetzt haben wir auch einen schönen U-Ausschuss, der sich der Sache annimmt. Und Woche für Woche werden neue hässliche pekuniäre Zuwendungen für Leistungen, die alles andere als klar waren, bekannt. In dem Zusammenhang kann man bloß den schon legendären Sager von Walter Meischberger in der genauso unschönen Korruptionsaffäre der Bundesimmobiliengesellschaft, "Wos wor mei Leistung?", zitieren.

Österreich hat nicht nur als Wirtschaftsstandort einen unwiederbringlichen Schaden von diesen Geschäften genommen, es sackt immer weiter im internationalen Korruptionsranking ab. Mit dem vorläufigen Ergebnis: Ändern tut sich nichts. Warum auch? Es gibt kein wirkliches Unrechtsbewusstsein. Was soll schon schlecht daran sein, sich zu unzähligen Jagdterminen einladen zu lassen? Oder zu den Salzburger Festspielen? Die Telekom hat eh genügend Geld, war das Motto. Dass dem nicht so ist, können Sie auf Seite 3 nachlesen.

Abgesehen davon: Es kann nicht sein, dass ein börsenotiertes Unternehmen Geld verteilt wie weiland Kärntens Landeshauptmann an seine armen Mütterchen. Das ist die Kultur, in der es möglich ist, Geld zu verteilen, das einem nicht gehört. Besonders aufschlussreich ist nun wirklich, dass der Oberaufseher der Telekom, Markus Beyrer, als Generalsekretär der Industriellenvereinigung Informant des Telekom-Managements war. Und jetzt soll er als ÖIAG-Boss die damaligen Ereignisse bewerten. Hallo! Da ist doch etwas falsch am System, oder? In Wahrheit muss er als Aufsichtsratschef zurücktreten. Es zeigt sich, dass politisch bestellte Manager irgendwann ihre Vergangenheit einholen muss. Das sollte die Politik endlich kapieren. Von wegen Leistungsträger bevorzugen. Leistung zählt überhaupt nicht, nur Macht.

Es ist ein Zeichen, dass mit Ausnahme der Grünen alle Parteien irgendwie in die TA-Affäre involviert zu sein scheinen. Wobei natürlich die Unschuldsvermutung gilt. Wer den Sumpf nicht trockenlegt, sollte die Wahlen verlieren, kann man da bloß sagen. Logisch ans Ende geführt hieße dies allerdings auch: Dann muss wohl eine neue Partei her, damit es auch eine Opposition gibt.

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