WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schluss mit der Schwarz-Weiß-Malerei - von Ingrid Krawarik

Haben Sie ein schlechtes Gewissen? Machen Sie reinen Tisch!

Wien (OTS) - Es ist schon richtig: An dem Geschäft mit Steuersündern hat die Schweiz jahrelang beträchtliche Scherflein verdient. Schließlich konnten Privatbanken ihren angstvollen Kunden doppelte und dreifache Margen verrechnen. Der plötzliche Aufbruch Richtung Weißgeld-Strategie ist gelinde gesagt überfällig und lange noch nicht ausreichend. Die jüngste Diskussion um Steuersünder und Weißgeld hat aber wieder eines trefflich gezeigt: Alle, die ein nicht deklariertes Konto in der Schweiz haben, sind böse Steuerhinterzieher, die mit betrügerischer Absicht ihr Vermögen im Ausland horten, um der österreichischen Steuer zu entgehen.

Liebe Leser: Es gibt auch grau! Diese ewige Schwarz-Weiß-Malerei ist wirklich gestrig. Der Großteil des Kapitals, das in der Schweiz lagert, wurde in den 1960er-Jahren meist von industriellen Familien transferiert. Nicht etwa aus steuerlichen Überlegungen. Sondern aus der Angst heraus, dass die Russen wiederkommen, und weil die Schweiz damals wie heute einer der wenigen sicheren Häfen war. Die jüngere Generation kann mit dieser Angst heute wenig anfangen. Wir haben keinen Krieg erlebt. Aber verstehen kann man die Beweggründe allemal. Entschuldigen lässt sich Steuerhinterziehung deshalb aber nicht. Auch der naive Glaube, wer Quellensteuer entrichtet, sei aus dem Schneider, darf an dieser Stelle eines Besseren belehrt werden:
Schließlich wurde auf die Ertragssteuer vergessen.

Deshalb heißt es jetzt Handeln. Spätestens, wenn der automatische Informationsaustausch über Auslandskonten in Kraft tritt, hat das Kavaliersdelikt ausgedient. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Gefängnisstrafe, nämlich dann, wenn Abgabenbetrug nachgewiesen wird. Und das ist schnell passiert, vor allem dann, wenn die Politik die Hetzjagd auf Steuersünder ernsthaft eröffnet.

Was ist zu tun? Machen Sie gegebenenfalls eine Selbstanzeige. In Österreich kommt das einer Vollamnestie der Missetaten gleich, da es zu einer Steuer- und Abgabenbefreiung kommt und man hinterzogene Steuern rückwirkend nur bis zum 1.1.2003 zurückzahlen muss. Der Staat bekommt fünf bis acht Prozent des nicht deklarierten Vermögens - aber ehrlich, das ist nun mal der Preis für jahrelangen Saus und Braus. Und immer noch niedriger, als die Abgabensteuer! Ein weiterer Vorteil: Die Finanz sieht solche Selbstanzeigen intern als Fair Play an. Tipp: Nehmen Sie nicht ihren eigenen Steuerberater in den Beichtstuhl. Bei der Selbstanzeige sollte kein Fehler unterlaufen -sie sollte besser Experten aus großen Kanzleien überlassen werden.

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