Neue Verfassung: Türkei konsultiert erstmals Christen

Patriarch Bartholomaios I. präsentierte Anliegen der Kirchen für geplante neue Verfassung vor verfassungsgebendem Parlamentsausschuss

Ankara, 20.02.12 (KAP) Erstmals hat die Türkei offiziell Vertreter ihrer nicht-muslimischen Minderheiten nach ihren Wünschen für die geplante neue Verfassung gefragt. Der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. sowie Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirche präsentierten am Montag ihre Vorschläge vor dem verfassungsgebenden Parlamentsausschuss in Ankara. Bartholomaios I. sprach Medienberichten zufolge von einem historischen Ereignis: "Eine neue Türkei wird geboren", zitierte ihn der türkische Nachrichtensender NTV.

Auch der Pressesprecher des Ökumenischen Patriarchats, Dositeos Anagnostopulos, zeigte sich am Montag im "Kathpress"-Gespräch zuversichtlich. Er hoffe, dass es sich bei der Anhörung nicht nur um eine Alibiaktion gehandelt habe sondern tatsächlich positive Entwicklungen folgen werden. Angesichts der Tatsache, dass es ein Gespräch in dieser Form in der Geschichte der Türkischen Republik noch nie gegeben habe, könne man wohl von einem "bahnbrechenden Ereignis" sprechen. Patriarch Bartholomaios hege tatsächlich große Hoffnung auf eine positive Zukunft, ließ Anagnostopulos durchblicken.

Der Ausschuss zur Einigung auf eine neue Verfassung ist ein All-Parteien-Gremium des Parlaments. Es wurde im Oktober 2011 gegründet und soll Vorschläge zur neuen Verfassung aus allen Bereichen der Gesellschaft sammeln. Der Text soll bis Jahresende stehen und das derzeitige Grundgesetz der Türkei ablösen, das 1982 unter Militärherrschaft in Kraft getreten war.

Rund 99 Prozent der Türken sind Muslime. Die Türkei ist eine säkulare Republik, in der alle Bürger nach dem Gesetz gleich sind. Im Alltag sind aber religiöse Minderheiten benachteiligt, etwa in der Frage des Immobilienerwerbs, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Ausbildung von Geistlichen. Die Verbesserung der rechtlichen Lage von Christen und Juden gehört zu den Hauptforderungen der EU an den Beitrittsbewerber Türkei.

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