Bildungsreferent LHStv. Scheuch: Modernes Bildungssystem statt Strafandrohungen

Positive Anreize haben größere Nachhaltigkeit

Klagenfurt (OTS/LPD) - Kritisch sieht der Kärntner
Bildungsreferent LHStv. Uwe Scheuch die Forderung von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz nach härteren Strafen für Bildungsentzug. "Statt Strafen anzudrohen, sollte man das Bildungssystem modernisieren und die Anreize für eine fundierte Ausbildung verstärken. Dazu wäre es wichtig, neue Berufsbilder zu schaffen und den jungen Menschen auch die nötige Unterstützung zu geben, um einerseits die richtige Berufswahl zu treffen, und andererseits diese Ausbildung dann auch erfolgreich zu absolvieren." Das gelte quer durch alle möglichen Berufsfelder und Ausbildungsschienen, erklärt Scheuch weiter.

In der Gruppe der 16- bis 25-Jährigen zum Beispiel seien in Kärnten derzeit 3.736 Personen arbeitslos. 1.410 Personen beziehungsweise 38 Prozent hätten maximal einen Pflichtschulabschluss. Für diese Personengruppe gebe es im Rahmen des Territorialen Beschäftigungspaktes gemeinsam mit dem AMS spezielle Ausbildungsangebote, wodurch diese Personengruppe einen Lehrabschluss nachholen könne. Die von Kurz angeführten Maßnahmen seien jedoch insofern falsch, weil es zwei völlig unterschiedliche Problemgruppen gebe, führt der Kärntner Bildungsreferent aus:

Erstens Jugendliche, die nach der Pflichtschule eine Lehre oder eine weiterbildende (mittlere bzw. höhere) Schule abbrechen.

"Zehn Prozent aller Jugendlichen in der AHS/BHS Oberstufe brechen die Schule ab. Um speziell diesen Jugendlichen einen Einstieg in eine Lehrausbildung zu ermöglichen, gibt es das Kärntner Vorzeigemodell 'Lehre mit Matura'. Über 75 Prozent aller Teilnehmer in diesem Vorzeigeausbildungsmodell sind ehemalige Schulabbrecher. Bei der Lehre sind es in Kärnten ca. drei Prozent, die die Lehrausbildung abbrechen, keinen neuen Lehrplatz finden und somit die Lehrausbildung erfolglos beenden. Die von Kurz geforderte Erhöhung der Verwaltungsstrafen ist aber in diesem Bereich rechtlich gar nicht möglich, da diese Jugendlichen keine Pflichtschüler mehr sind", klärt Scheuch auf.

Zweitens gebe es Jugendliche, die bereits in die Pflichtschulausbildung nicht integriert werden könnten oder wollten.

"Es ist völlig realitätsfremd, zu glauben, dass eine seit Jahrzehnten grundlegend falsche Integrationspolitik mit kurzfristigen Strafsanktionen im Bildungsbereich beseitigt werden kann. Integration bedeutet viel mehr als Strafsanktionen im Bereich Bildung und Arbeitsmarkt. Es wird von der Bundespolitik völlig verkannt, dass die zweite Migrantengeneration extrem schlecht in das Bildungssystem integriert ist. Dadurch haben sie oft schlechtere Bildungsabschlüsse als ihre Eltern. Genau bei dieser Integration in das Bildungssystem muss angesetzt werden. Aber mit Anreizen, nicht mit Strafen", fordert Scheuch.

Wer aber mit Sanktionen arbeite, habe das Vertrauen in die eigenen Argumente verloren, stellt Scheuch in Richtung Kurz fest. Genau diese Überzeugungskraft müsse man stärken, indem man auf veränderte berufliche Anforderungen mit adaptierten Ausbildungsmöglichkeiten und einem flexibleren Bildungssystem reagiere. "Klarerweise muss man Eltern dazu anhalten, dass sie sich um die Schul- und Ausbildung ihrer Kinder kümmern. Genauso gilt es aber, für passende und moderne Rahmenbedingungen zu sorgen. Denn wenn die passen, wird auch der Bildungsanreiz für die Jugendlichen wieder größer werden. Darum sollte sich die Bundesregierung endlich kümmern, statt einem Jung-Staatssekretär eine Marketingbühne nach der anderen zu liefern", so Scheuch.
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